Travemünde als Tor zur Europa-Tour

Der Australier Martin Cross (von rechts) hat mit seinen Crewmitgliedern Jonathan und Joachim Fluhrer die TW-Tage genossen. Foto: Katrin Heidemann

Am Pier B im Priwallhafen herrscht während der Travemünder Woche internationales Flair. In Schwedisch, Englisch, Niederländisch und Deutsch fachsimpeln dort die 5.5er-Segler über Boote und Segelmanöver. 17 Boote aus sieben Nationen stehen auf der Starterliste der Klasse.

Unterschieden wird bei den 5.5er nach drei Altersklassen. „Classic“ heißen die klassischen Langkieler aus Holz. Zwischen 1970 und 1993 konstruierte Boote nennen sich „Evolution“, alle jüngeren Modelle „Modern“. Gesegelt wird in den Wettfahrten gemeinsam. Eine weite Anreise scheint bei den 5.5er-Seglern keine Hürde zu sein. Gleich am Anfang des Steges im Priwallhafen liegt das Boot „New Moon“ von Mark Holowesko von den Bahamas, der das Feld in den ersten zwei Regattatagen dominierte und auf Platz eins liegt. In den Kreisen der 5.5er verwundert das nicht, weil Holowesko dafür bekannt ist, dass er hauptsächlich in Europa segelt.
 
Einen weiten Weg zur Travemünder Woche haben auch die 5.5er Segler aus Australien in Kauf genommen. John Bacon aus Sydney segelt zwar schon von Kindesbeinen an. Bei einer 5.5er Regatta startet er in Travemünde jedoch zum ersten Mal. Seine Mission vor Ort: „Wir sind in Australien eine wachsende Klasse und wollen die WM 2020 nach Down Under holen.“
 
Auf die Weltmeisterschaft im eigenen Land hofft auch der Australier Martin Cross aus Newport. Der 5.5er-Segler tourt bereits seit April durch Europa. Insgesamt sechs Monate wird er bleiben, bevor es für ihn wieder zurück nach Australien geht. Wenn Martin Cross während seines Europa-Aufenthalts nicht gerade an Regatten teilnimmt, fährt er Fahrrad und macht Sightseeing. „Ich lebe meinen Traum, könnte man sagen“, sagt er mit einem Lachen. Vor der Travemünder Woche war er auf der Romantischen Straße in Süddeutschland unterwegs, an der viele mittelalterliche Städte und auch das Schloss Neuschwanstein liegen. „Es ist großartig, all die historischen Orte zu sehen. Das haben wir in Australien nicht“, schwärmt Cross. Besonders München und Berlin hätten ihm gut gefallen und natürlich Travemünde. „Tolles Wetter – das ist Segeln wie in Australien“, freut er sich über die sommerlichen Temperaturen.
 
Seglerisch stehen für Cross im August die Cups und Weltmeisterschaft seiner Bootsklasse in Cowes in Südengland an. Im September folgen die Rennen der Régates Royales in Cannes an der Côte d’Azur. Abschluss der Segelsaison in Europa bildet der „Herbstpreis“ am Thuner See in der Schweiz. Darauf, seinen 5.5er einmal um die halbe Welt zu verschiffen, hat der Australier verzichtet. Für die Regatten in Europa hat er sich stattdessen eine „Modern“-Version der Bootsklasse in der Schweiz gekauft. „Alpha Crucis“ heißt das Schweizer Souvenir in Bootsform. Vorerst wird der 5.5er allerdings nicht den australischen Kontinent kennenlernen. Cross lässt es für die kommende Saison in Europa.
 
Der 5.5er Segler John Lister aus Ontario in Kanada hat das Bootsproblem anderweitig gelöst. Er hat sich einen 5.5er von einem Hamburger Segelclub geliehen. Der Aufenthalt bei der Travemünder Woche ist zugleich auch sein erster in Deutschland. Im Anschluss an die Regatten wird er deshalb noch zwei Wochen als Tourist durch Deutschland fahren. Ein Highlight in Travemünde ist für ihn die Unterbringung auf der Passat. „Das ist toll, auf einem so bekannten historischen Schiff zu übernachten“, so Lister. Außerdem wäre die europäische 5.5er-Szene eine super Gemeinschaft. Die gute Stimmung am Pier B im Priwallhafen beweist das bestens.

Zurück