Spannungsgeladenes Finale der TW 2023

Der Blick auf die Windprognose für den Sonntag ließ Anderl Denecke, Gesamt-Wettfahrtleiter der Travemünder Woche, am Morgen des letzten TW-Tages noch einmal lächeln: „Das wird vom Wind her der beste Tag dieser Woche. Auf der Seebahn und auf dem Media Race Course können wir noch einmal schöne Wettfahrttage erwarten“, so Denecke. Die Seesegler und die Athleten der Ersten und Zweiten Bundesliga wollten das Wetterszenario nutzen und gingen bereits ab 10 Uhr an den Start zu einem spannenden Abschlusstag.

Das Finale entschädigte auch Jens Kath, Sportlicher Leiter der Travemünder Woche, für die Wetter-Herausforderungen der vergangenen Tage: „Wir hatten die schwierigsten Windbedingungen seit Jahren, das hat für extrem lange Tage gesorgt und alle Beteiligten an die Grenzen der Belastbarkeit geführt hat.“ Von den 378 geplanten Wettfahrten wurden dennoch 314 ins Ziel gebracht. Daher konnte Kath feststellen: „Alle Meisterschaften hatten ausreichend Wettfahrten und somit verdiente Sieger.“ Mit vier Weltmeisterschaften, einer EM und vier deutschen Titelkämpfen festigte die TW ihren Ruf als Meisterschaftswoche. Dazu wurde mit den Trave Races, dem neuen Format des Lübecker Segelmeisters und dem Volksbank Rotspon Cup das Segeln nah an die Zuschauer gebracht. „Das gibt es so nirgends“, sagte Kath, „Ziel muss sein, das auszubauen.“ Und er hält weiter an einem echten Titelkampf in der Trave fest. „Das werden wir 2024 erneut angehen.“

Auch der Ausblick auf das kommende Jahr bietet jetzt schon Anlass zu viel Vorfreude auf Meisterschaften: Drei Weltmeisterschaften (Javelin, Flying Junior und International Canoe) und die Deutsche Meisterschaft der Starboote sind am Start. Dazu haben die Drachen eines ihrer weltweiten Topevents, den Grand Prix, nach Travemünde vergeben. Daneben sind für Jens Kath die Deutschen Jugend-Meisterschaften der Optis und Teenys ein Höhepunkt. „Wir erwarten allein bei den Optimisten mehr als 250 Boote, haben dem Verband signalisiert, dass es keine Bootsbeschränkung gibt. Alle können kommen.“ Die Optis werden auf dem Priwall ihr TW-Domizil haben.

Travemünder Woche Regatta und Festival
Für die Segelbundesliga bietet die Travemünder Woche eine perfekte Kulisse. Die vergangenen drei Tage boten auf dem Media Race Course stark wechselnde Bedingungen. Foto: segel-bilder.de

Auch die Segel-Bundesliga führt Gespräche mit der Travemünder Woche über einen Spieltag 2024 auf dem Media Race Course. Die Liga-Wettbewerbe in diesem Jahr sind dabei beste Werbung für eine Fortsetzung der intensiven Partnerschaft zwischen Travemünder Woche und Liga. 13 Flights mit insgesamt 39 Rennen wurden pro Liga gesegelt. Am Ende standen der NRV Hamburg in der Ersten Liga und der Bayerische Yacht-Club (BYC) in der Zweiten Liga an der Spitze. Es waren enge Wettbewerbe, in denen nur ein Punkt Unterschied in der Ersten Liga zugunsten des NRV gegenüber dem VSaW Berlin den Spieltag entschied. In der Zweiten Liga war der BYC punktgleich mit dem Blankeneser SC aufgrund der Mehrzahl der ersegelten Siege vorn.

„Es waren sehr wilde Bedingungen in den vergangenen drei Tagen: Am ersten Tag haben wir bis 14 Uhr auf Wind gewartet, und am zweiten Tag kam die dicke Regenfront. Wir hatten wenig, mittleren und viel Wind, teils mit vielen Drehern. Aber wir haben 13 von 16 möglichen Flights in beiden Ligen geschafft“, resümierte Anke Nowak, Geschäftsführerin der Segel-Bundesliga.

Für die siegreichen Teams war der Auftritt in Travemünde naturgemäß ein Vergnügen: „Es waren traumhafte Segelbedingungen, mit schönem Wind, aber nicht einfach zu segeln. Das war ein spannendes Finale, in dem wir noch einmal richtig gut segeln mussten. Zum ersten Mal haben wir sechs Rennen in Folge gewonnen. Wir sind sehr glücklich über den Sieg“, sagte Tobias Schadewaldt, Steuermann des NRV-Teams. Der Sieg würde ein wenig für das nicht so erfolgreiche Sailing-Champions-League-Finale entschädigen. Es hätte sich bewährt, noch einmal die Crew durchzutauschen und auf die „alten Hasen“ zu setzen. Beim nächsten Spieltag in Kiel soll beim NRV dann wieder das Nachwuchsteam zum Einsatz kommen.

Wenig Zeit, um den Abend zu genießen, hatte Kristian Lenkmann vom Bayerischen YC: „Es waren super Bedingungen, auch wenn das Wetter manchmal nicht so gut war. Unseren Sieg werden wir auf der Heimfahrt zurück nach Bayern feiern“, so der erfolgreiche Steuermann.

Die seegehenden Yachten der Klassen ORC und Yardstick mit voller Crew sowie die Duos der Deutschen ORC-Meisterschaft Double Handed wurden von Wettfahrtleiter Jan Fischer noch mal auf ein Mittelstrecken-Rennen geschickt. Der Kurs durch die Lübecker Bucht bot einen perfekten Segeltag. „Es war heute ein schöner Kurs, und ein tolles Rennen mit einem extrem engen Ausgang“, berichtete Andreas Grasteit (Lübecker YC), der mit seiner Frau Birthe auf der „Grace“ den Deutschen Meistertitel im Seesegeln Double Handed gewann. „Heute waren es knapp zwei Minuten Unterschied, gestern nach über acht Stunden Segeln sogar nur zwei Sekunden.“ Uwe Kleinvogel/Michael Haupt (Rostock) mussten sich mit der „Nemo“ knapp geschlagen geben.

Travemünder Woche Regatta und Festival
Ein kleines Feld, das aber einen engen Titelkampf bot, brachten die ORC-Crews für die Deutsche Meisterschaft Double Handed an den Start. Foto: segel-bilder.de

Grasteit lobte die schöne Atmosphäre und die gute Kameradschaft unter den Konkurrenten: „Am Tag segelt man gegeneinander, am Abend feiert man zusammen.“ Dass nur fünf Boote zur IDM kamen, sei der Terminenge mit der WM geschuldet. „Zwei Wochen hintereinander Urlaub zu nehmen für Regatten, schaffen viele nicht. Und die Anforderungen an die Boote für eine Meisterschaft sind vielen zu hoch. Da sollten sich die Verantwortlichen im Verband etwas überlegen.“

Große Zufriedenheit herrschte bei den Mannschaften in voller Crew-Stärke: „Wir hatten ein bisschen Sorge wegen einer angekündigten Front mit starken Winden, da wir uns vor der WM in einer Woche in Kiel keinen Schaden mehr einhandeln wollten. Aber zum Glück ist die Prognose nicht eingetroffen“, sagte Alf Henryk Wulf (Kieler YC), Eigner und Steuermann der „Stardust“, die als erstes ORC-Schiff das Ziel erreichte. „Berechnet wird es für uns zwar nicht für die Top-Position reichen, aber wir sind sehr zufrieden mit diesem Abschluss zur Travemünder Woche. Wir haben alle Rennen von der Deutschen Meisterschaft über die Lang- bis zur Mittelstrecke gesegelt, und sie als Intensivtraining für die WM genutzt. Es waren abwechslungsreiche Kurse mit den unterschiedlichsten Windbedingungen. Wir hatten als reine Amateur-Crew sehr gute Ergebnisse gegen absolute Spitzenmannschaften mit Profis an Bord und nehmen das als großen Motivationsschub.“ In seiner Vermutung für das berechnete Ergebnis lag Wulf richtig. Die „Fru Hansen“ von Frank Haßler (SV Heiligenhafen) sicherte sich den ORC-Tagessieg und damit auch die Gesamtwertung in der Mittelstrecken-Wertung.

Bei den Yardstick-Yachten war die Crew von Lutz Pouplier (SV Herrenwyk) mit der „Tsunami“ das Maß der Dinge. In beiden Mittelstrecken-Rennen lag er berechnet an der Spitze und war damit auch souveräner Sieger der Gesamtwertung.

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