Der Mix macht’s

Travemünder Woche – feinster Segelsport seit 1889: Was vor inzwischen 135 Jahren mit einer kleinen und spontanen Regatta zwischen den beiden Hamburger Kaufleuten Hermann Wentzel und Hermann Droege begann, hat sich zu einer der größten Regattawochen weltweit entwickelt. Angetrieben durch die Segelbegeisterung von Kaiser Wilhelm II., der 1894 das erste Mal dabei war, nahm nicht nur das Segelgeschehen schnell Aufschwung, sondern auch die Begeisterung an Land. Denn um den Kaiser und seine Yachten zu sehen, kamen Tausende Besucher nach Travemünde.

Diese enge Verzahnung von Segelsport und Fest-Programm ist bis heute geblieben und hat sich zu einem Alleinstellungsmerkmal der Travemünder Woche entwickelt. Mit dem Volksbank Rotspon Cup, dem Duell des Lübecker Bürgermeisters gegen einen Politkollegen, ist nicht nur der Ursprung der Regatta wiederbelebt worden, es bringt den Segelsport auch ganz nah an die Besucher. Denn die live kommentierten Rennen in der Trave versammeln ein breites Publikum an der Promenade. In 2023 musste sich Bürgermeister Jan Lindenau Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther geschlagen geben. In diesem Jahr hat sich SH-Landtagspräsidentin Kristina Herbst angekündigt, die 2022 bereits die Travemünder Woche eröffnete und ehemals selbst aktive Seglerin war.

Für die Besucher gibt es viel zu sehen

Aber nicht nur die Politprominenz präsentiert sich vor Publikum, sondern auch die Regattaklassen der Travemünder Woche haben bei den Trave Races an den Nachmittagen die Chance, ihre Boote und Athleten zu zeigen. Und es gibt in 2024 für die Besucher wieder viel zu sehen – bei den Trave Races, aber auch vom Strand aus und bei den Regattabegleitfahrten auf den Bahnen in der Lübecker Bucht.

Denn es ist einmal mehr ein breitgefächertes Programm an Meisterschaften und Titelkämpfen, das die Travemünder Woche in ihrer 135. Auflage (19. bis 28. Juli) auf dem Plan stehen hat. In elf der insgesamt 23 Entscheidungen während der Regattawoche werden auf nationaler und internationaler Ebene Titelentscheidungen gefällt. Vertreten sind dabei sowohl die jüngsten Segler in den Klassen Optimist und Teeny als auch die erfahrenen Athleten in den ehemals olympischen Kielboot-Klassen Drachen und Starboot. Dazu kommen treue TW-Klassen wie die J/22 und Skiffs mit langer und jüngerer Geschichte zur TW.

„Es ist ein toller Klassen-Mix, den wir im Sommer anbieten. Wir haben mit den Drachen und Starbooten sowohl starke deutsche Klassen am Start als auch mit den Flying Junior, den Javelin, den D-One und den IC Canoe Bootstypen, die ein großes internationales Flair nach Travemünde bringen“, sagt Gesamtwettfahrtleiter Anderl Denecke.

Travemünder Woche Regatta und Festival
Die D-One kommen als junge Klasse nach Travemünde. Foto: segel-bilder.de

Gemeinsam mit TW-Sportdirektor Jens Kath ist es ihm gelungen, ein Programm aufzustellen, das zwei Weltmeisterschaften, je eine EM und einen Europa-Cup sowie neben dem Grand Prix der Drachen auch noch sechs deutsche Titelkämpfe aufweist.

In dem jährlich wechselnden Programm der Travemünder Woche ist es bemerkenswert, wie viele Klasse mit hochkarätigen Meisterschaften immer wieder nach Lübeck zurückkehren. So sind die aus dem Kanusport entstandenen IC Canoe bereits 2015 und 2021 mit ihren Euro-Cups in Travemünde vertreten gewesen. Jetzt bringen sie die Weltmeisterschaft an die Ostsee. Die schmalen Skiffs werden für spektakuläre Anblicke sorgen, denn die Klasse bietet Konstrukteuren einen breiten Raum, um Entwicklungen zu kreieren. Die Ausreitsitze der IC, die bei jedem Manöver auf die andere Rumpfseite geschoben werden, sind dabei eine besondere Eigenart der IC Canoe.

Es ist ein toller Klassen-Mix, den wir im Sommer anbieten

Anderl Denecke, Gesamt-Wettfahrtleiter

Auch die Flying Junior haben schon vor Travemünde kontinentale Meister ermittelt. Und nach der EM in 2018 kommen sie nun mit der WM. Der Flying Junior ist als kleiner Bruder des ehemals olympischen Flying Dutchman konstruiert worden und wird daher Rasanz auf die Bahn bringen. In diese Kategorie der Bootsdesigns fällt auch der Javelin. Vor 60 Jahren in England konstruiert füllt er die Lücke zwischen 505er und Flying Dutchman, sorgt bei den Seglern durch sein Geschwindigkeitspotenzial für das pure Vergnügen. Wie vor 13 Jahren zur 122. Travemünder Woche wird auch in 2024 der europäische Titel der Klasse vor Travemünde vergeben. Vor allem die Briten werden hier den Ton angeben.

Eine noch junge Klasse ist der D-One. Die Klassenbosse des in Italien entstandenen Bootstyps haben aber schon früh die Vorzüge der Ostsee und der Travemünder Woche erkannt. Bereits 2015 wurde hier der Gold-Cup ausgesegelt, nun küren die D-One ihre Europameister zur TW.

Mit der Deutschen Meisterschaft sind die Drachen in 2023 auf die Regattabahn von Travemünde zurückgekehrt, und jetzt legt die Klasse noch einmal nach. Mit dem Drachen Grand Prix werden sie ein Spitzenfeld von internationalen Seglern nach Lübeck bringen. Die Terminierung vom 20. bis 23. Juli, zum Auftakt der Travemünder Woche, ist perfekt, damit die Segler im Anschluss per Fähre via Helsinki zur Europameisterschaft nach Estland weiterreisen können. Daher dürften sich viele Top-Teams zur TW bereits für die europäischen Titelkämpfe einsegeln wollen.

Travemünder Woche Regatta und Festival
Das größte Feld wird zur Deutschen Meisterschaft der Optimisten erwartet. Foto: segel-bilder.de

Hochklassiges ist auch bei den Deutschen Meisterschaften zu erwarten – allen voran bei den Starbooten. Die ehemals olympische Disziplin konnte in 2023 durch Max Kohlhoff/Ole Burzinski den großen Coup landen und stellt die Weltmeistercrew. Nun können sie auf nationaler Ebene ihre Klasse unter Beweis stellen.

Neben den Starbooten ermitteln auch noch die Taifun, die J/22 und die RS Aero die besten nationalen Segler. Und auch die Jugend ist durch die Meisterschaften der Teenys und der Optimisten stark vertreten. „Das größte Feld erwarten wir zur Deutschen Jugendmeisterschaft der Optimisten. Mit über 200 deutschen Teilnehmern und den internationalen Sportlern wird das Areal auf dem Priwall während der gesamten Woche voll ausgelastet sein“, sagt Jens Kath.

Damit rückt die Priwall-Halbinsel nach dem Aus- und Umbau des Passathafens immer mehr in den Fokus der TW-Regatta-Organisation. Denn neben den Optimisten am Strand werden allein sechs Klassen plus die seegehenden Yachten ihren Platz im Passathafen finden.

Das größte Feld erwarten wir zur Deutschen Jugendmeisterschaft der Optimisten

TW-Sportdirektor Jens Kath

Aber auch die weiteren TW-Areale werden wieder ein tolles Segler-Ambiente bieten. Die WM-Teilnehmer kommen auf dem Grünstrand zusammen. Inklusive der Klassen auf dem Mövenstein wird es im Norden von Travemünde ein großes Camping-Happening der Athleten geben.

„Die Travemünde Woche bringt nicht nur auf einmalige Art und Weise den Segelsport direkt an das Publikum, denn die Besucher des Festivals treffen überall auf Segler. Vielmehr ist die TW auch ein großes Treffen der Segler-Familie, bei der die Jüngsten direkt neben den Crews mit jahrzehntelanger Erfahrung ihren Liegeplatz haben. Hier können sich die Einsteiger schon etwas von den Großen abgucken, und die alten Hasen können sich daran freuen, wie die Begeisterung am Segelsport an die nächsten Generationen weitergegeben wird“, freut sich TW-Geschäftsführer Frank Schärffe auf die zehn tollen Regatta- und Festivaltage im Juli.

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