Sturmexperten räumen EM-Medaillen der ILCA 4 ab

Der Grieche Athanasios Kyfidis erwies sich als Starkwind-Experte und flog der Konkurrenz in den stürmischen Finalrennen davon. Foto: segel-bilder.de

Nach sechs Qualifikationsrennen und vier Wettfahrten in der Gold-Flotte der Mädchen sowie die der Jungen stehen die neuen Europameister der Klasse ILCA 4 fest. Sechs Wettfahrttage mit sehr unterschiedlichen, teils stark herausfordernden Wetterbedingungen liegen hinter dem Segelnachwuchs, der mit einem Feld von insgesamt 366 Sportler*innen bei der 132. Travemünder Woche vertreten war. Gold ging an die Niederländerin Annemijn Algra und Athanasios Kyfidis aus Griechenland.

Schleppend kam die Europameisterschaft in Fahrt. Mangels fairer Segelbedingungen fanden am ersten Tag keine Rennen statt. Und auch am zweiten Tag machte der Wettergott den ILCA 4-Segler*innen einen Strich durch die Rechnung. Wegen Unwetter waren keine Wettfahrten möglich. Zur Entschädigung folgten zwei Regattatage mit guten Bedingungen und jeweils drei Qualifikationsrennen, bevor der Wind für die letzten Tage der EM stark auffrischte.

Als am vorletzten Tag der Meisterschaft die Gold-Flotten der Mädchen und der Jungen in je zwei Rennen antraten, kämpften sie nicht nur um gute Platzierungen, sondern auch mit den Starkwindbedingungen. Die Nachwuchsathleten agierten an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit. Das zweite Tagesrennen musste im Mädchen-Feld ein Drittel der Flotte abbrechen, nur wenige kamen ohne Kenterung über den Kurs. Sturmerprobt zeigte sich die Niederländerin Annemijn Algra, die mit einem Tagessieg und einem dritten Platz die Führung vor der Italienierin Emma Mattivi und Claudia Adán Lledó aus Spanien übernahm – eine Reihenfolge, die bis zum Ende der EM bestehen blieb.

„Ich komme gut mit viel Wind zurecht, das waren genau meine Bedingungen. Nur die Winddreher waren störend“, sagte Algra, die erst kürzlich beim Euro-Cup im Rahmen der Warnemünder Woche als Erste der Frauen sowie Zweite der Gesamtwertung auf dem Siegerpodest stand. Auch in Travemünde stand sie ganz oben auf dem Siegertreppchen und freute sich über die Goldmedaille. Ihrer Kontrahentin, die Spanierin und Bronzemedaillen-Gewinnerin Claudia Adán Lledó, hätte sich weniger Wind gewünscht. Silber ging an die Italienerin Emma Mattivi.

Grundsätzlich gab es während der EM ein ständiges Wechselspiel der Ergebnisse. Nicht einzelne Tagessiege entschieden über die Topposition, sondern die Konstanz. Die deutschen Jungs mussten nach einem guten Start schnell die Überlegenheit der Konkurrenz anerkennen. Batbold Gruner aus Bad Zwischenahn, der im vergangenen Jahr mit dem Sieg bei der Kieler Woche seinen größten Erfolg feierte, erreichte die Gold-Flotte und beendete die EM als bester Deutscher auf dem 41. Platz.

Auch am letzten Tag der Europameisterschaft herrschten mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 28 Knoten in Böen herausfordernde Bedingungen am oberen Windlimit der Klassenvorgaben. Am besten lagen die nicht einfachen Bedingungen bei der EM im Feld der Jungen dem Griechen Athanasios Kyfidis, der mit einer konstanten Leistung in der Finalrunde souverän die Goldmedaille ersegelte. „Wir haben zu Hause oft ähnliche Windverhältnisse. Mir kam der stärkere Wind an den letzten zwei EM-Tagen deshalb entgegen. Überhaupt war das ein super Event“, erklärte der Goldmedaillengewinner aus Athen. Von den vier Rennen der Gold-Flotte finishte er drei als Erster, nur einmal ging er als Zweiter über die Ziellinie. Der neue Vize-Europameister ist Massimiliano Antoniazzi. „Es war schwierig und herausfordernd, aber am Ende hat es doch gut geklappt“, freute sich der italienische Segler. Bronze geht ebenfalls an einen Griechen, an Alexandros Eleftheriadis, der zudem in der Kategorie U16 gewonnen hat. „Für mich ist hier ein Traum in Erfüllung gegangen. Hier sind so viele gute Segler, und ich bin Dritter geworden – unglaublich“, sagte der Athener überglücklich.

„Die Bedingungen bei der EM waren herausfordernd, schwierig und wenig vorhersehbar. Alles war dabei: Winddreher, Starkwind, Regen und zu Beginn zwei nervenzehrende erste Tage ohne Rennen. Aber die Segler haben alles gut gemeistert. Es waren einige gute Talente am Start“, resümierte Zlatko Jakelic, Vizepräsident der EurILCA (Europäische Klassenvereinigung). Der Kroate zog nach gut einer Woche EM ein positives Fazit. „Es war eine erfolgreiche Woche. Es war toll, die Europameisterschaft im Rahmen der Travemünder Woche austragen zu können. Alles war gut organisiert, und wir kommen gerne wieder“, so Zlatko Jakelic.

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