„Maritime Müllabfuhr“ zu Gast in Travemünde

Mikrobiologe Dr. Rüdiger Stöhr informiert auf der Seekuh über die maritime Müllabfuhr. Foto: Katrin Heidemann

Sie ist zehn mal zwölf Meter groß, aus Aluminium und im Dienste der „Maritimen Müllabfuhr“ weltweit auf dem Wasser im Einsatz. Die Rede ist von der „Seekuh“, dem vom gemeinnützigen Verein „One Earth – One Ocean“ (OEOO) entwickeltem Forschungs-, Reinigungs- und Aufklärungsschiff. Erstmals ist der Katamaran bei der Travemünder Woche zu Gast. Beim „Open Ship“ an der Travepromenade können die Besucher der Travemünder Woche das Schiff hautnah erleben.

Zehn Millionen Tonnen Müll gelangen jährlich in die Weltmeere, etwas ein Drittel davon sind Plastik. Aktuellen Schätzungen von Wissenschaftlern zufolge treiben bereits rund 150 Millionen Tonnen Plastik in den Ozeanen, jedes Jahr kommen weitere 6,4 Millionen Tonnen hinzu. Der größte Teppich aus Plastikmüll schwimmt im Pazifik und ist so groß wie Mitteleuropa. Das sind alarmierende Fakten. Deshalb sagt der gemeinnützige Verein „One Earth – One Ocean“ (OEOO) dem Plastikmüll den Kampf an und ist als „maritime Müllabfuhr“ weltweit unterwegs. Neben einem kleineren Bootstyp kommt dabei die „Seekuh“ zum Einsatz, die ihren Heimathafen in Kiel hat.
Wie funktioniert das Müllsammeln mit der „Seekuh“? Wo ist das Schiff überall unterwegs und wie kommt es zu weit entfernten Einsätzen? Welche Gefahren gehen von dem Müll im Meer aus? Und wie sieht Mikroplastik eigentlich aus? All diese Fragen und noch viele mehr zum Thema „Maritime Müllabfuhr“ und Verschmutzung der Weltmeere beantwortet beim „Open Ship“ der OEOO-Mikrobiologe Dr. Rüdiger Stöhr. „Wir wollen Aufklärungsarbeit leisten und zeigen, dass wir da sind und ein Müllsammeln in den Meeren möglich ist“, erklärt der Wissenschaftler aus Kiel. An Bord demonstriert er den Besuchern die Funktionsweise der Müllfangnetze. Außerdem hat er ein von der Seekuh aus dem Meer gefischtes Geisternetz mit dabei. Im bordeigenen Minilabor können die Besucher einen Blick durchs Mikroskop werfen und Mikroplastikfasern betrachten.
Von Mittwoch bis Sonntag lädt das Team der „Seekuh“ täglich von 11 bis 19 Uhr beim „Open Ship“ zum Schiffsrundgang ein. Weitere Informationen zur Arbeit und den Projekten des Vereins OEOO erhalten die Besucher an einem kleinen Stand neben dem LN&NDR Medienzelt. „Wir sind sehr froh, dass wir hier in Travemünde so gut aufgenommen wurden und unsere Projekte präsentieren können. Gerne kommen wir auch im nächsten Jahr wieder zur Travemünder Woche“, sagt Stöhr.
Das Meer sei lange als Müllkippe angesehen worden. Deshalb reiche es nicht mehr, nur den eigenen Dreck wegzuräumen, so der Wissenschaftler. „Es ist inzwischen nötig, auch hin und wieder einmal mehr als das aufzusammeln“, meint der Mikrobiologe.
Wer sich ganz aktuell am Kampf gegen den Müll beteiligen möchte, kann noch direkt auf der Travemünder Woche aktiv werden. Am Abschlusssonntag veranstaltet der Verein „OEOO“ eine Beach Clean-Up Aktion. Treffpunkt ist um 10.30 Uhr an der Nordermole. Die Strandreinigungsaktion dauert ungefähr drei Stunden, aber auch Helfer, die kürzer teilnehmen, sind herzlich willkommen. Mülltüten und Arbeitshandschuhe werden gestellt. Wer eigene Handschuhe besitzt, möge diese mitbringen, bitten die Veranstalter.  

Infos:
Open Ship auf der „Seekuh“: Mittwoch bis Sonntag 11 bis 19 Uhr, Liegeplatz auf Höhe des LN&NDR Medienzeltes.
Beach Clean-Up: Sonntag, 28. Juli, Treffpunkt 10.30 Uhr am Beginn der Nordermole.
 

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