Boot ungewollt umgetrimmt, Titel gewonnen

Ein harter Tag auf See, zwei EM-Entscheidungen, ein kompaktes Programm in sieben Klassen: Die Travemünder Woche gönnt sich auch zur Halbzeit keine Ruhepause, absolviert Wettfahrten in Akkord-Arbeit und bereitet sich auf weitere spannende Tage mit Titelentscheidungen auf Welt-, Europa- und Deutscher Ebene vor. Auch Gesamt-Wettfahrtleiter Anderl Denecke kam ins Schwärmen: „Perfekter Tag, alle Wettfahrten durchbekommen. Schöner Wind, tolle Welle. Es waren Traumbedingungen“, so sein zusammenfassender Kommentar.

Die einen Hobies kommen, die anderen gehen. Während bei den Hobie 16 mit dem Ende der Qualifikation die Entscheidung darüber gefallen ist, wer ab Donnerstag in der Goldflotte der EM in der offenen Klasse starten darf, konnten die Hobie Dragoon und Hobie 14 bereits feiern. Der abschließende Tag ihrer Europameisterschaften brachte noch mal ein kräftezehrendes Wettfahrtprogramm in starken Winden, aber keine Veränderungen mehr an den Spitzen der Felder.

Damit durfte Tanja Rindt ihren ersten EM-Titel feiern. Im männlich dominierten Feld der Hobie 14 setzte sich die 50-Jährige vor allem aufgrund der starken Performance an den beiden ersten Tagen durch. „Da hatten wir etwas weniger Wind. Das liegt mir mehr, da ich etwas weniger Gewicht als viele Konkurrenten habe. Das Boot lief sehr gut“, so die neue Europameisterin, die im stärkeren Wind schon Druck aus dem Segel nehmen musste. Mit konstanten Ergebnissen in den Top-Ten verteidigte sie aber ihre Führungsposition. „Damit habe ich nicht gerechnet. Deutsche Meisterin bin ich schon mal gewesen, aber das ist ein paar Jahre her. Dass es hier jetzt so gut läuft, habe ich nicht erwartet.“ Erst zu dieser Saison hat Tanja Rindt nach zwei Jahren Pause wegen einer Oberschenkel-Verletzung wieder ihren Mast gestellt. „Da musste ich die Riggspannung verändern, weil die alte Einstellung nicht mehr stimmte.“ Der ungewollte, neue Trimm zahlte sich aus. Ihr Katamaran lief schnell und hielt. „Darüber bin ich sehr froh, denn ich habe eines der ältesten Boote im Feld. Vor allem freue mich, dass mein Bein gehalten habe. Jetzt gönne ich mir ein paar Bier, und ab morgen entspanne ich dann am Plöner See.“ Zur Siegerehrung stand sie neben dem zweitplatzierten André Hauschke (Zülpich) und dem entthronten Titelverteidiger Gerard Loos (Spanien) ganz oben auf dem Siegerpodest.

Ein komplett italienisches Podium bildeten die Segler der Hobie Dragoon-Klasse. Vom ersten Tag an hatten Leonardo Vascellari/Gaia Benedetta Frau die Führung inne, gaben diese nicht mehr ab und konnten sich erlauben, im letzten Rennen vor Ende der Wettfahrt zurück an den Strand zu fahren. Hinter den neuen Europameistern belegten Agnese Pozzi/Alice Lan Cacciotti sowie Luna Castriotta/Lara Manca die folgenden Plätze.

Für die Hobie 16 geht es in den kommenden vier Tagen um den EM-Titel. Athleten aus neun Nationen haben den Cut der 48 Mannschaften geschafft, die in der Goldflotte starten dürfen.

Kaum mehr von ihrem Kurs auf den WM-Titel sind die Franzosen Thomas Proust/Clement Martineau abzubringen. Vor den beiden noch ausstehenden Wettfahrten haben sie sich ein kleines Punktepolster vor ihren Landsleuten Emmanuel le Chapelier/Eric le Bouedec und den Niederländern Robin und Sander Mineur angelegt. Dahinter klafft schon eine große Lücke, so dass die Medaillen bereits vergeben sind – lediglich die Farbe für die drei Teams muss noch bestimmt werden.

Ebenfalls in ihr Finale gehen am Donnerstag die Folkeboote bei ihrer deutschen Bestenermittlung. Ein Rennen haben sie noch auf dem Plan, und Walther Furthmann aus Strande hat sich einen kleinen Vorsprung vor Ulf Kipcke (Kiel) und Jürgen Breitenbach erarbeitet.

Frisch in die Travemünder Woche sind die Ynglings und Kielzugvögel gestartet. Für die Ynglings entscheidet sich bis Sonnabend, wer die neuen WM-Titelträger sind. Und Marten Jamin aus den Niederlanden zeigte schon mal, dass diese Titelvergabe nur über ihn läuft. Mit den Platzierungen 2, 1, 2 am ersten Tag legte er einen fast perfekten Start in die WM hin. Spitzenreiter der Kielzugvögel sind nach zwei Wettfahrten Herbert und Elisabeth Kujan vom bayerischen Forggensee.

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