Strategiespiel für die Kleinsten

Im Gegensatz zu den Meisterschaftsrennen, wenn riesige Flotten auf der Bahn sind, segeln beim Team Race nur acht Optis gemeinsam auf dem Kurs. Foto: segel-bilder.de

Premiere auf der Travemünder Woche: Die Optimisten-Klasse trägt im Rahmen ihrer Internationalen Deutschen Meisterschaft auch ein Team Race aus. Dabei gilt es, mit taktischem Geschick das gesamte Team nach vorne und die gegnerische Mannschaft nach hinten zu segeln.


Wer sich das erste Mal mit dem Thema Team Race beschäftigt, steht staunend vor einer stark verästelten Grafik, die den Renn-Modus darstellt. Eigentlich ist es jedoch relativ einfach: Die Qualifikationsserie ist in sogenannte Flights aufgeteilt, in denen jeweils zwei Teams mit vier junge Seglerinnen und Segler gegeneinander antreten. Dabei sind die Plätze 1 bis 8 zu vergeben. In der Summe ergibt das 36 Punkte, einen sicheren Sieg hat ein Team eingefahren, wenn es weniger als 18 Punkte hat. Bei Punktgleichheit gewinnt das Team, das in den Einzelplatzierungen nicht den letzten Platz belegt. Das Verliererteam tritt gegen ein anderes Verliererteam an; wer zweimal verliert, ist draußen.

„Um beim Team Race erfolgreich zu sein, brauchen die jungen Seglerinnen und Segler Köpfchen und müssen die Regatta-Regeln perfekt beherrschen“, sagt Michelle Hoffmann (33), Sportwartin Breitensport in der Deutschen Optimisten-Klassenvereinigung DODV. „Anders als bei normalen Opti-Regatten schauen die Teilnehmer nicht nur auf sich selbst, sondern auf das Team. Nur gemeinsam kann man gewinnen.“

Dazu gehört auch, Teilnehmer des gegnerischen Teams vom Start weg gezielt zu decken und nach hinten zu segeln – natürlich, ohne die Regeln zu verletzen. Ein „Team-Leader“ behält den Überblick, delegiert seine Teamkameraden über den Kurs und segelt auch gezielt zu Teammitgliedern, um ihnen zu helfen.

Ganz schön viel Taktik und Zahlenspiele für die Kinder und Jugendlichen im Jüngstenboot Opti, die häufig gerade mal 12 Jahre alt sind. Doch die schnellen K.O.-Rennen zu viert schulten Teamgeist, Reaktionsschnelligkeit und das blitzschnelle Abrufen von Regeln, so Michelle Hoffmann – wichtig für den Übergang in Zweihand-Klassen oder strategisches Segeln bei wichtigen Qualifikationen, zum Beispiel für eine Weltmeisterschaft. Bei aller Erfolgsperspektive sei es „wichtig, die Kinder spielerisch an das Format heranzuführen“, sagt die Sportwartin. Schließlich dauert jedes Rennen nur knapp eine Viertelstunde, das Startprocedere ist auf drei Minuten verkürzt und der Kurs führt nicht an Backbord-, sondern an Steuerbordbug um die Tonnen – da kann es auf dem Kurs schon mal hektisch zugehen und so mancher sich überfordert fühlen.

„Auf der Bahn war viel Action“, berichtet Wettfahrtleiter Philipp Rosenberg. „Einige Teams sind richtig gut eingespielt, haben mit cleveren Aktionen ihre Teammitglieder nach vorne geholt. Die Zieldurchgänge waren teils sehr spannend und eng!“

Zwölf Teams sind nach den ersten beiden Flights noch dabei – darunter das „Chaos Team Europa“ mit den Brüdern Roco, Mic und Bo Mohr (Plau) sowie Helena Wolff (Dänemark), das gute Chancen auf den Sieg der German Open hat. Doch auch Anna Barth, Caspar Ilgenstein, Henrik Peters und Paul Porthun vom Mühlenberger Segelclub aus Hamburg sowie Paula Schütze, Lukas Kleinow, Elisa Gröner und Jakob Gauger vom Berliner Yacht-Club dürften ein Wörtchen mitzureden haben.
Morgen geht es nach den regulären Wettfahrten der Deutschen Opti-Meisterschaft mit den Achtelfinal-Team Races weiter; am Nachmittag dürfte feststehen, welches Team die German Open im Team Race für sich entscheidet.

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