Das sportliche Spektakel zur Travemünder Woche 2026 lässt keinerlei Wünsche offen: Im Reigen der 26 Entscheidungen, die zwischen dem 18. und 26. Juli getroffen werden, geht es um 17 internationale Titel sowie um eine German Open und eine Norddeutsche Meisterschaft. Diese Ballung an Meisterschaften ist selbst für die Travemünder Woche, die stets ein Großaufgebot an Titelkämpfen bietet, rekordverdächtig. Das Programm lockt nicht nur große Felder aus allen Teilen der Welt in den diversen Klassen an die Ostsee, sondern auch hoch dekorierte Stars des Segelsports.
Die reinen Zahlen sprechen eine beeindruckende Sprache: Rund 1500 Seglerinnen und Segler werden an den Start gehen, sie kommen aus 29 Nationen und vertreten große Segelländer wie Australien und die USA, aber auch exotische Nationen wie Angola und Grenada.
Das größte Feld bringen die RS Feva an den Start. Anfang Juni hatte die Klasse bereits 130 Meldungen in der Liste stehen. In der Jugendklasse geht es um die Weltmeisterschaft. Übertroffen werden sie zwar noch von den RS Aero, die 190 Boote auf die Bahnen schicken – allerdings teilen die sich in vier Unterklassen auf, in denen es allesamt sowohl um den EM- als auch den Junioren-WM-Titel geht. Weitere WM-Titel gibt es in den beiden RS Tera-Klassen (Pro und Sport) und bei den Vaurien World Championship by Spraga. Dazu segeln die Nordischen Folkeboote um den Gold-Cup, die wertvollste Trophäe dieser Klasse. Weitere sieben EM-Titelkämpfe gibt es in den weiteren RS-Klassen.

Um dieses Mammutprogramm zu bewältigen, haben Sportdirektor Jens Kath und Gesamt-Wettfahrtleiter Anderl Denecke zehn Regattabahnen aktiviert, die sie mit den Organisationsteams vom Lübecker Yacht-Club, dem NRV Hamburg, dem Zürcher Yacht-Club und dem Berliner Yacht-Club bespielen. Dazu kommt die Show-Arena in der Trave, die dem Publikum an den Nachmittagen die Trave Races sowie am Mittwoch, 22. Juli, den Volksbank Rotspon Cup, das Rennen des Bürgermeisters, mit fachkundigem Kommentar bietet.
„Die Meldezahlen erfüllen voll und ganz unsere Hoffnungen. Nach einer kleinen Travemünder Woche im vergangenen Jahr haben wir für 2026 und für die kommenden Jahre einen großen Aufschwung versprochen und Wort gehalten. Im Vergleich zu 2025 hat sich die Travemünder Woche in den Meldezahlen nahezu verdreifacht“, freut sich Jens Kath wenige Tage vor dem Segelauftakt auf das Mammutprogramm.
TW-Geschäftsführer Frank Schärffe bedankte sich bei der Stadt Lübeck, dass sie für diese Mammutveranstaltung die Flächen an Land zur Verfügung stellt. „Auf dem Wasser ist ausreichend Platz, da können wir alle Seglerinnen und Segler unterbringen. Im Zweifel sogar eine weitere Bahn aufmachen. Der begrenzende Faktor für die Travemünder Woche ist die Unterbringung an Land. Wir brauchen Liegeplatz- und Campingflächen, da viele Aktive mit Wohnmobilen oder auch Zelten anreisen. Daher bin ich froh, dass die Diskussion um eine Einschränkung der Grünstrand-Nutzung erst einmal vom Tisch ist. Wir werden diese Flächen auch in Zukunft benötigen.“
Der erste sportliche Startschuss zur Travemünder Woche fällt – wie erstmals in 2025 – gleich im Anschluss an die feierliche Eröffnung am Freitag, 17. Juli, um 18.05 Uhr. Nachdem Bürgermeister Jan Lindenau das Signal „Heißt Flagge“ gegeben hat, wird Sozialministerin Aminata Touré die Seesegler mit dem Schwenken der Landesflagge zur Langstrecke auf den Kurs schicken. Es geht durch die Nacht und rund Fehmarn. Mit den Up-and-Downs sowie der Mittelstrecke haben die Yacht-Crews weitere Auftritte zur Travemünder Woche.
Gleich am Samstagvormittag, 18. Juli, starten die RS 500, RS 700 und RS 800 in ihre Europameisterschaft. Die Jugendlichen der RS Tera müssen sich zudem gleich bei ihren WM-Rennen beweisen.
Im rasanten Zwei-Personen-Skiff RS 500 kommen die Favoriten im Feld der 47 Duos aus Italien und Großbritannien. Mit am Start sind auch die Vize-Weltmeister von 2025, die Briten Paul Cullen/Fresh Abendstern.

Wahre Artistik beweisen die Athleten auf den RS-700-Skiffs. Die Solisten turnen beim Steuern der kippeligen Boote nicht nur auf schmalen Auslegern, sondern bedienen im Trapez hängend nicht nur das Großsegeln, sondern auch noch den Gennaker. Eine kleine Flotte aus Tschechien und Großbritannien wetteifert hier um den kontinentalen Titel – in der Favoritenrolle: Titelverteidiger Rob Higgins aus England.
Nicht weniger rasant geht es in der RS-800-Klasse zu. Die Skiffs sind für zwei Personen ausgelegt, die im Doppeltrapez stehend unter Gennaker über den Kurs fliegen werden. Die Klasse steht den olympischen 49ern in Nichts nach. Die Favoriten beim Showdown der europäischen Nationen kommen auch hier aus Großbritannien.
Die RS Tera sind eine Klasse für junge Einsteiger in den Segelsport. Dass aber auch schon Kinder die ganze Raffinesse des Segeln beherrschen, zeigen die Teilnehmer an den Weltmeisterschaften in zwei Klassen (Pro und Sport). Insgesamt über 120 Teilnehmer werden die kleinen Dinghis zu Wasser bringen. Athleten aus ganz Europa sind gemeldet, aber auch US-Amerikaner werden an den Start gehen.

Ein besonderes Augenmerk in der ersten Wochenhälfte werden die RS Venture Connect auf sich ziehen. Die inklusive Klasse bringt Duos mit und ohne Handicap an den Start. Die Boote sind mit Schalensitzen ausgestattet und bieten somit auch Menschen mit starken körperlichen Einschränkungen die Chance, in den EM-Showdown einzugreifen. Vertreten sind Medaillengewinner der vergangenen Weltmeisterschaften in der Para- und inklusiven Klasse.
Ein Musterbeispiel dafür, welche Höchstleistungen auch bei einem körperlichen Handicap möglich sind, bietet die Britin Jazz Turner. Die querschnittsgelähmte 27-Jährige hat schon zwei WM-Medaillen bei den RS Venture Connect gewonnen, und im vergangenen Jahr umsegelte sie solo in einer 8,25 Meter großen Yacht die britischen Inseln innerhalb von vier Wochen. In Travemünde startet sie unter der Flagge Grenadas gemeinsam mit Justen Bersin.
Hohe Ansprüche auf den EM-Titel melden auch die Deutschen an. Jens Kroker ist Deutschlands erfolgreichster Paralympics-Segler. Einmal Gold und zweimal Silber gewann er bei den Spielen im Sonar. Und auch in der RS Venture Connect holte er schon internationale Medaillen. Er segelt mit dem jungen Malden Scheffler, der das Schicksal, mit nur einer Hand geboren worden zu sein, in diversen Sportarten meistert.

In Travemünde trifft Kroker im Feld der 23 Duos auch auf seinen ehemaligen Gold-Partner Siegmund Mainka, der seit Jahren ein erfolgreiches Team mit Jürgen Brietzke bildet.
Am TW-Montag steigen weitere Klassen mit ihren hochklassigen Meisterschaften ein. Die Vaurien, ein traditioneller Knickspannter für zwei Personen, sind mit ihrer WM Wiederholungstäter an der Ostsee. 2018 dominierten die Spanier das globale Titelrennen vor Travemünde. Die Teams von der iberischen Halbinsel haben sich zwar verändert, doch sie zählen weiterhin zu den Favoriten. Die Silber-Gewinner aus 2025, Pablo Cabello Vieitez/Isabel Cabello Cañas, sind mit am Start bei den Vaurien World Championship by Spraga und werden sich mit den hochgewetteten Italienern im Kampf um die Medaillen auseinandersetzen müssen.
Zu einem wahren Titelfestival kommt es in den RS-Aero-Klassen. Hier werden nicht nur die Europameisterschaften ausgesegelt, sondern auch die Junioren-Weltmeisterschaften in den unterschiedlichen Altersklassen. Die RS Aero galten eine Zeitlang als Anwärter auf einen olympischen Status als Ein-Personen-Dinghy. Obwohl sie es als Klasse schließlich nicht nach Olympia schaffte, erfreut sie sich großer Beliebtheit, wahrscheinlich auch, weil sie mit vier unterschiedlichen Segelgrößen gesegelt werden kann. Spannend wird zu sehen sein, ob sich die deutschen Flotten in den vier Klassen ein Stück vom großen Medaillenkuchen sichern können.

Große Segelgeschichte wird lebendig, wenn die Folkeboote ab Dienstag in den Gold-Cup einsteigen. Bereits 1939 wurde das seetüchtige Kielboot in Skandinavien entwickelt und hat sich seitdem im Ostseeraum stark verbreitet, ist aber auch in Großbritannien, den USA und Kanada vertreten.
Der entscheidende Push für die Regatta-Aktivität der Klasse kam 1963 aus Lübeck: Senator Alfred Hagelstein stiftete den Goldpokal für die Klasse. Der ein Kilogramm schwere Pokal ist seitdem die wichtigste Trophäe, die es bei den Folkebooten zu gewinnen gibt, und gilt als inoffizielle Weltmeisterschaft. In 60 Jahren wurde er ausschließlich in Deutschland, Dänemark und Schweden ausgesegelt, 2023 dann in Estland. In Travemünde wird der Goldpokal in 2026 zum zehnten Mal ausgetragen – nicht nur ein Höhepunkt für die Travemünder Woche, sondern auch für die Klasse selbst.

Die Liste der Teilnehmer ist gespickt mit Gold-Cup-Seriensiegern der Vergangenheit. Der Däne Søren Kæstel macht in Travemünde Jagd auf seinen siebten Titel, seine Landsleute Per Buch und Per Hovmark haben jeweils bereits dreimal den Goldpokal mit nach Hause nehmen dürfen. Mit Ulf Kipcke und Crew aus Kiel ist eine deutsche Mannschaft am Start, die in der Vergangenheit zweimal den Goldpokal gewonnen hat – 2000 und 2015 jeweils auf deutschen Revieren. Es könnte jetzt also wieder so weit sein.
Die größte Klasse der Travemünder Woche geht ab Mittwoch ins Rennen. Über 131 Duos aus 19 Nationen haben in der Jugendklasse RS Feva gemeldet. In jedem Fall wird es zur Travemünder Woche neue Medaillengewinner geben, denn die drei erstplatzierten Crews aus dem Vorjahr sind inzwischen aus der Klasse herausgewachsen. Mit 44 Booten am Start bilden die Briten die größte Flotte, dagegen nimmt sich die Equipe der deutschen Teilnehmer mit vier Booten sehr bescheiden aus.

Den Abschluss des EM-Reigen bilden schließlich die RS21, RS 200 und RS 400, die ihre Meister nach vier Tagen mit Titelrennen erst am abschließenden TW-Sonntag ehren werden. Während die RS21 als eine Neuentwicklung der englischen RS-Werft als Kielboot-Klasse daher kommen und ein internationales Feld aus sechs Nationen an den Start bringen, sind die RS 200 und RS 400 typische Jollen-Designs der Werft, die vor allem sportlich ambitionierte Familien- und Mixed-Crews ansprechen. Die kleinen Startfelder sind sehr britisch geprägt.
Neben den internationalen Meisterschaften hat die Travemünder Woche auch diverse Ranglistenregatten im Programm. Sowohl Ein-Personen-Dinghys wie Finn und Olympia-Jolle sind vertreten als auch die Hobie- und F18-Katamarane und gleich mehrere Kielboot-Klassen. Die J/22 segeln dabei traditionell vor Travemünde um die German Open, und die Drachen küren auf der Ostsee ihre Norddeutschen Meister – als Vorgeschmack auf den Gold-Cup im kommenden Jahr.
Damit bietet die Travemünder Woche wieder ein Programm für Seglerinnen und Segler aller Altersklassen und Könnensstufen und für alle Ambitionen.