Regatta News

Nach den strahlend schönen Tagen zur Travemünder Woche 2022 mit viel Sonnenschein, nahezu optimalen Windbedingungen und einem Mammutprogramm auf den Regattabahnen zeigten sich auch die Organisatoren mit strahlenden Gesichtern. In ihrem Resümee zeigten sich TW-Geschäftsführer Frank Schärffe und TW-Sportdirektor Jens Kath glücklich über die zehn ereignisreichen Tage, die den rund 1400 Seglerinnen und Seglern aus 25 Nationen geboten werden konnten. Das Festival an Land fiel in seinem Angebot kleiner aus als in den Vor-Corona-Jahren und lockte laut Uwe Bergmann, Geschäftsführer der Hamburger Vermarktungsagentur uba, knapp eine halbe Million Besucher an.

Der letzte Tag der Travemünder Woche bot noch einmal ein Windszenario, das es in den gesamten neun Tagen zuvor nicht gab: Flaute! Da der vorherrschende Wind und die Thermik gegeneinander arbeiteten, baute sich bis zum frühen Nachmittag keine segelbare Brise auf, so dass Wettfahrten der Klassen, die an diesem Sonntag noch ausstanden, nach und nach abgesagt wurden. Die Seesegler, Katamaran-Akteure, Kiter und Bundesligisten feierten so ohne weitere Rennen ihre Sieger.

Einen Tag vor Abschluss der Regatten steuert die Travemünder Woche auf ein Top-Ergebnis in der Anzahl der Wettfahrten zu. Über 330 Mal schickten die Organisationsteams ihre 22 Klassen auf den sieben Bahnen bereits über die Startlinie, ein paar Entscheidungen stehen noch aus. Selbst wenn die Schwachwind-Prognose für den Abschlusssonntag zutreffen sollte, kann Gesamt-Wettfahrtleiter Anderl Denecke für die 133. Auflage der Regattawoche ein mehr als zufriedenes Fazit ziehen.

Auf die thermischen Einflüsse in der Lübecker Bucht ist Verlass: Der Wind setzte am achten Regattatag der Travemünder Woche zwar erst gegen Mittag ein, drehte dann aber mit Unterstützung der Sonne noch auf, um die Meisterschaften der Ynglings und Dyas zu einem perfekten Ende und den anderen Klassen weitere Wettfahrten in die Liste zu bringen. Lediglich die Kite-Foiler kamen ins Stolpern. Die Nordost-Brise der vergangenen Tage spülte Seegras auf die Kurse und bremste die Segler unterm Drachen aus.

Noch bis morgen segeln jeweils 18 Mannschaften in der Ersten und Zweiten Segel-Bundesliga direkt vor der Nordermole um den Sieg am dritten Spieltag der Saison. An der Spitze der beiden Felder halten sich beständig der NRV aus Hamburg (Erste Liga) und der Konstanzer Yacht Club (Zweite Liga). Aber auch die Segler vom Lübecker Segler-Verein haben in der Zweiten Bundesliga gute Chancen auf einen Podiumsplatz.

Erst schickte er die Seesegler über die Mittelstrecken-Wettfahrt zur Travemünder Woche durch die Lübecker Bucht, dann zeichnete er für das Volksbank Trave Rennen der Formula 18 verantwortlich, und plötzlich stand er selbst im Mittelpunkt: Seit sieben Jahren ist Uwe Wenzel bei der Travemünder Woche als Wettfahrtleiter in der Verantwortung, erlebte mit der Deutschen Meisterschaft im Seesegeln 2019 einen sportlichen Höhepunkt. Nun macht er Schluss. Am Sonntag will der Bremer noch ein weiteres Mittelstrecke-Rennen segeln lassen, wenn es der Wind zulässt, um sich dann ganz privat mehr auf das Segeln mit seinem Enkel Tammo zu konzentrieren.

Die Segler der Travemünder Woche nehmen den Begriff Endspurt wortwörtlich: Vor dem Abschlusswochenende drehten die acht Flotten auf den sechs Bahnen kräftig auf. Bei nordöstlichen Winden um fünf Beauforts ging es in rauschender Fahrt die Wellen hinab. Bei einem Programm mit bis zu sechs Wettfahrten wurden den Athleten die Arme lang und die Ergebnislisten füllten sich. Während am Freitag nur die Langstrecke der Seebahn entschieden wurde, gibt es in den kommenden Tagen noch ein Feuerwerk von vier Entscheidungen am Sonnabend und fünf am Sonntag.

Enger Start in der Trave, viel Platz auf der Ostsee, stimmungsvolles Segeln im schummrigen Licht: Für die Seesegler ging es auf der Langstrecken-Regatta zur Travemünder Woche zwar nicht wie geplant um Fehmarn herum, an Erlebnissen auf dem Kurs wurde aber nicht gespart. Rund zwölf Stunden brauchten die schnellsten Yachten, um den 66 Seemeilen langen Kurs von Travemünde Richtung Wismar, über Dahmeshöved, Neustadt und zurück nach Travemünde zu absolvieren. Als erste Crew steuerte die Mannschaft um Alf Henryk Wulf (Kieler YC) die „Stardust“ über die Ziellinie vor der Passat.

Bunte Kite-Schirme am Himmel, über dem Wasser schwebende Boards und rasante Geschwindigkeiten – die olympische Klasse Formula Kite ist mit ihrer Internationalen Deutschen Meisterschaft bei der Travemünder Woche ein echter Hingucker auf dem Wasser. Ganz vorne fliegt dabei Jan Vöster mit, der aktuell auf Platz zwei liegt. Schon früh hat der 18-Jährige beschlossen „Ich will fliegen“ und wechselte zum Kite-Foilen mit Kurs Olympia.

Das Team des FC St. Pauli tritt mit einem Inklusionsteam in der Zweiten Liga an. Foto: Julius Osner/DSBL

Das Liga-Segeln zur Travemünder Woche geht in die zweite Runde. Nach der Sailing Champions League an den ersten vier TW-Tagen bilden die Erste und Zweite Segel-Bundesliga den Abschluss der 133. Travemünder Woche. Bis zum Sonntag gehen jeweils 18 Mannschaften in den beiden Leistungsklassen auf einer Bahn vor der Nordermole an den Start.

Die Trave zwischen Passathafen und Travepromenade entwickelte sich am Donnerstag zur Segel-Arena sowohl für die Showrennen als auch den Start zur Seebahn-Langstrecke.

Die neuen Weltmeister im Formula 16 sind gekürt. Mit einer sehr konstanten Leistung sicherte sich der erst 15-jährige Thomas Proust aus Frankreich mit seinem Vorschoter Clement Martineau den Titel vor seinen Landsmännern Emmanuel le Chapelier und Eric le Bouedec. Bronze ging an die Brüder Robin und Sander Mineur aus den Niederlanden. Von Flaute über Leichtwind bis hin zu starkem Wind war die Bandbreite bei den Segelbedingungen bei der WM extrem groß. Aus dem Kreis der Aktiven gab es viel Lob für die Organisation der Weltmeisterschaft.

Am sechsten Regattatag der Travemünder Woche kam der Zeitplan erstmals nennenswert ins Stolpern. Der Wind entschied sich spät zu einer Drehung aus westlicher auf östliche Richtung, um dann am Nachmittag etwas aufzudrehen. Zu spät für die Klassen, die an diesem Donnerstag ihre Regatta beendeten. Davon betroffen waren die Formula 16 und die Folkeboote, die entsprechend mit dem Resultat vom Vortag ihre Meisterschaften abschlossen. Für die anderen sieben Klassen hieß es: Spät starten, lange segeln. Erst am Abend war das Tagewerk vollbracht.

Ein harter Tag auf See, zwei EM-Entscheidungen, ein kompaktes Programm in sieben Klassen: Die Travemünder Woche gönnt sich auch zur Halbzeit keine Ruhepause, absolviert Wettfahrten in Akkord-Arbeit und bereitet sich auf weitere spannende Tage mit Titelentscheidungen auf Welt-, Europa- und Deutscher Ebene vor. Auch Gesamt-Wettfahrtleiter Anderl Denecke kam ins Schwärmen: „Perfekter Tag, alle Wettfahrten durchbekommen. Schöner Wind, tolle Welle. Es waren Traumbedingungen“, so sein zusammenfassender Kommentar.

Spannender hätte das Finale der Sailing Champions League im Rahmen der Travemünder Woche wohl kaum enden können. Nach der souveräner Vorstellung und dem klaren Sieg in der Vorrunde zog der NRV Hamburg mit einem Punkt ins Finale der Top-Vier ein. Ein weiterer Punkt hätte im Final Four zum Sieg gereicht. Doch die Hamburger um Steuermann David Chapman machten es spannend. Durch einen Frühstart im ersten Rennen verpasste das Team die Chance auf einen schnellen Gesamtsieg. Stattdessen ersegelten alle drei Konkurrenten ebenfalls einen Punkt in den weiteren Rennen. Erst im letzten der vier möglichen Finalrennen fiel die Entscheidung – doch noch zugunsten des NRV-Teams.

Die 133. Travemünder Woche feierte mit dem Finale der Sailing Champions League am vierten Regattatag einen Höhepunkt, wie er besser nicht hätte inszeniert werden können. Die vier Finalisten lieferten sich ein Rennen auf Augenhöhe bis zum letzten Zieldurchgang: Mit einer Bootslänge Vorsprung zog schließlich der NRV Hamburg durchs Ziel, die Vierer-Crew hüpfte auf dem Boot und feierte den ersten Titelgewinn in der Königsklasse für den deutschen Rekordmeister im Liga-Segeln. Eine klare Sache war dagegen der Gewinn des deutschen Meistertitels im Finn für den Berliner Fabian Lemmel. Dazu setzten die Katamaran-Klassen ihre internationalen Meisterschaften fort – sowie die Folkeboote ihre deutsche Bestenermittlung.

Die Schlagzahl an Entscheidungen zur 133. Travemünder Woche erhöht sich. An einem drückend heißen Tag war von den Wettfahrtleitungen auf den sechs Regattabahnen schnelles Handeln und aufmerksames Agieren gefragt. In der Luft hing ein hohes Gewitterrisiko, das von der mobilen Einsatzzentrale von THW und DRK Wasserwacht in enger Kommunikation mit der Regattaorganisation genau beobachtet wurde. Doch bis zum Nachmittag schlugen die Unwetterzellen im Westen Schleswig-Holsteins eine nördliche Zugrichtung ein. Konsequenz: Die Europameisterschaften in drei Hobie-Klassen, die German Open der J/22 und die Norddeutsche Meisterschaft der Dyas gingen mit der maximal möglichen Anzahl an Wettfahrten zu Ende. Bestens verteilt wurden die europäischen Titel: Italien, Österreich und Deutschland feierten jeweils EM-Gold.

Ihren ersten Sieg im Hobie 16 bei einer größeren Regatta ersegelten die Schwestern Charlotte und Wiebke Finkemeyer aus Surendorf. Als Überraschungssiegerinnen setzten sie sich gegen deutlich erfahrenere Teams durch und gewannen mit großem Abstand die Hobie 16 Youth in der Kategorie „ohne Spi“. Zehn der 14 absolvierten Rennen beendeten sie auf Platz eins. Ihr Ziel bei der 133. Travemünder Woche war es, ihr Bestes zu geben und Spaß bei den Regatten zu haben. Beides haben sie erreicht und zusätzlich noch den Sieg eingefahren.

Der Hamburger Thomas Schmid kann auf viereinhalb Jahrzehnte Segelerfahrung zurückgreifen. Im Finn-Dinghy hat er 1988 in Brasilien WM-Gold geholt und Platz sechs bei den olympischen Spielen belegt. Insgesamt 13 Jahre ist der heute 63-Jährige auf höchstem Weltniveau gesegelt. Aber auch heute ist er noch auf dem Wasser erfolgreich: 2019 wurde er Ü60-Weltmeister, und bei der IDM im Rahmen der Travemünder Woche tritt er als Titelverteidiger an. Doch trotz Erfolgen findet er mittlerweile: „Es gibt noch mehr als Segeln im Leben!“

Kaum ist die Travemünder Woche gestartet, da dürfen die ersten Crews auch schon feiern. Mit dem Abschluss des Auftaktwochenendes wurden die Sieger der Up-and-Down-Wettfahrten auf der Seebahn gekürt. Grund zum Strahlen hatte dabei der SV Heiligenhafen (SVH-SSCH), der sowohl in der ORC- als auch der Yardstick-Wertung die Erstplatzierten stellte. Trotz schwieriger Windbedingungen gelang erneut – auch auf den Jollen- und Katamaran-Bahnen – ein volles Programm.