Ein Meer von orange-weißen Segeln flatterte am Samstagmorgen, dem ersten vollen Regattatag der 137. Travemünder Woche, am Priwallstrand. Es war das weithin sichtbare Zeichen, dass die Nachwuchsseglerinnen und -segler der RS-Tera-Flotte bereit waren für ihren großen Auftritt. Die ersten Wettfahrten der Weltmeisterschaft standen auf dem Plan – und es war gleich eine große Herausforderung.
Gut gelaunt bereiteten die Kinder und Jugendlichen ihre Boote vor. Statt Nervosität überwog freudige Erwartung. Spaß pur wurden die Wettfahrten am ersten WM-Tag jedoch nicht. Wind und Wellen forderten nicht nur den Nachwuchs heraus. Etliche Aktive auch in den anderen Klassen mussten ihre Rennen nach Kenterung oder wegen Erschöpfung abbrechen. Für einige RS-Klassen war daher bereits nach einer Wettfahrt Schluss, und die RS Venture Connect, die inklusive Klasse, blieb gleich ganz im Hafen.
Vor dem Auslaufen herrschte noch große Zuversicht bei den RS-Tera-Seglern: „Es ist heute schöner Wind, das werden spannende Rennen“, freute sich Liam Franz aus Wales, „das wird Spaß machen mit den Wellen.“ Für den Briten ist es der erste Besuch in Deutschland, obwohl er halb deutsch und halb britisch ist. Dass die RS Games seit diesem Jahr immer an unterschiedlichen Orten stattfinden, gefällt ihm: „Alle vier Jahre in einem anderen Land, das hat etwas von Olympischen Spielen. Das ist toll.“ In Wind und Welle liegt er in der Kategorie Pro der RS Tera nach dem ersten Tag und zwei Wettfahrten auf Platz 36.
Will McDermott gehört zu dem RS-Tera-Team mit der längsten Anreise. Für den 14-Jährigen ist es das erste Mal, dass er ein Land außerhalb seiner Heimat, den USA, besucht. „Es ist großartig, in Travemünde zu sein. Ich hoffe, hier gute Ergebnisse zu erzielen. Außerdem ist es hier angenehm kühl. Zu Hause in Phoenix/Arizona haben wir im Sommer oft über 40 Grad Celsius Lufttemperatur“, sagt der junge Amerikaner, der am Ende des Tages als 30. im Mittelfeld der Sport-Kategorie lag.

Da seine Heimatstadt in der Wüste liegt, fährt er zum Segeln immer ins Sommercamp im Nachbarstaat Utah. Auch wenn das Segeln vor der Haustür zu Hause nicht möglich ist, hat Will ein klares Ziel vor Augen: Irgendwann will er den olympischen Ilca segeln. Nach den RS Games kühlt er sich aber zunächst einmal beim Urlaub mit seinen Eltern noch ein wenig in Paris und Rom ab, bevor es zurück in die Wüste geht.
Mit sieben gemeldeten Booten ist Deutschland bei der RS-Tera-WM vertreten, fünf aus Offenbach, zwei aus Bremen. „Für mich ist es die erste große Regatta. Mal schauen, ob ich etwas von der Konkurrenz lernen kann. Ich war noch nie in Travemünde, aber es gefällt mir schon jetzt gut. Sonst segele ich ja meistens auf Binnenrevieren“, sagte die 13-jährige Evi Lange vor dem Start. Später hatte sie allerdings zu sehr mit dem Wind zu kämpfen und musste die Rennen abbrechen.
Denn die Ostsee vor Travemünde präsentierte sich keineswegs wie ein Binnenrevier, sondern ließ etliche RS-Tera-Seglerinnen und -segler aufgeben. Zwei Rennen wurden beendet. In der Kategorie Pro stehen in der Hauptkategorie mit Charlie Hunt, gefolgt von Edvard Knowles und Thomas Hill drei Briten an der Spitze. In der Kategorie Sport hat aktuell die Irin Alexis Skinner den Bug vorne. Auf Rang zwei und drei liegen Louis Rumboll aus Großbritannien und Anastasiia Trokhachova aus der Ukraine.

Um die EM-Titel segeln seit heute die RS 500, 700 und 800. Tag eins der EM forderte die Aktiven und verursachte etliche Kenterungen. Zwei Rennen konnten die RS 500 verbuchen. Bei den RS 700 und 800 wurde nach jeweils einer Wettfahrt abgebrochen. Das britische Team Peter und James Curtis führt bei den RS 500, ihre Landsleute Hugh und Luke Watson folgen vor den Niederländern Victor Oudsen und Folkert-Jan Oosterkamp. Bei den Solisten der Klasse RS 700 reiht sich hinter den Briten Matt Carter und Rob Higgins der Tscheche Jiri Schmrcka ein. Die ersten drei Ränge belegen bei den RS 800 aktuell Briten: Monique Vennis-Ozanne/Hugh Shone, Jan und Laura Jubb, Blake und Brett Tudor.

Die inklusive Klasse RS Venture Connect verzichtete in Absprache mit der Wettfahrtleitung aufgrund der Wetterbedingungen heute auf den Start. Drei Rennen sind für morgen geplant.