Vaurien und Aero küren Meister

Ein weiterer Top-Tag zur Travemünder Woche 2026: Zügig am Vormittag konnten die 13 Klassen des Tages auf die Bahn geschickt werden, zügig wurden die Rennen angeschossen und schnell über die Bahn gebracht. Und schon am frühen Nachmittag ging es wieder zurück in den Hafen. Dort allerdings hatte die Jury noch einiges zu tun. Denn im Kampf um die WM- und EM-Titel bei den Vaurien und RS Aero wurde bis zum Ende mit harten Bandagen um die Punkte gefightet. Und die Klassen RS 100, 200 und 400 mussten etwas länger auf der Bahn bleiben bzw. weiter auf die Ostsee hinaus gehen. Auf der ursprünglichen Bahn an der Mecklenburger Küste drehte der Wind so unberechenbar, dass Wettfahrtleiterin Ines Roßley einen frei werdenden Kurs nutzte, um frisch aufzubauen und ihre RS-Klassen über die Bahn zu schicken.

Gesamtwettfahrtleiter Anderl Denecke war sehr zufrieden mit dem Tag: „Das hat heute alles prima geklappt. Bei Ines auf der Bahn hatten wir etwas Probleme, aber es ist klasse, dass alle so flexibel sind und mitziehen, um die Rennen zu segeln.“

Fünf Meisterschaftsklassen konnten nach dem kompakten Renntag aus Travemünde verabschiedet werden und ihre Siegerehrungen feiern. Für die Vaurien war es bereits die zweite WM nach 2018 in der Lübecker Bucht, und wie vor acht Jahren waren wieder alle zufrieden: „Die Weltmeisterschaft war eine rundum gelungene Sache, zehn Wettfahrten haben wir geschafft, alle bei gutem Wind. Besser kann man es nicht machen – auch der Lay Day war optimal terminiert, so dass wir nicht bei dem Sturm raus mussten“, sagte der internationale Klassenpräsident Peter Lakshmanan. Dass an der Spitze das italienische Team Olmo Cerri/Gioia Bertolani stand, war für ihn keine Überraschung: „Es haben die absoluten Favoriten gewonnen, und das in beeindruckender Manier. Mit sieben Siegen in den zehn Wettfahrten gibt es an ihrer Überlegenheit nichts zu deuteln.“ Der Dortmunder selbst musste mit Platz 14 vorlieb nehmen, ließ mit der letzten Wettfahrt noch seinen Bruder Martin passieren: „Wir hatten heute keinen guten Tag, und Martin ist gut gefahren. Ich gönne ihm das von Herzen.“

Travemünder Woche Regatta und Festival
Die Vaurien erlebten fünf tolle WM-Tage vor Travemünde. Foto: Christian Beeck

Freude pur herrschte beim italienischen Siegerteam. „Wir hatten Glück mit dem Wind und eine große Bandbreite an unterschiedlichen Bedingungen. Von uns aus hätte es aber ruhig noch windiger sein können. Wir sind zum ersten Mal in Travemünde und lieben es hier. Bei der Regatta war alles super organisiert. Das haben noch nie so gut erlebt. Nur das Festival hätte abends länger gehen können. Als Italiener essen wir spät, danach war dann meist schon alles zu“, sagte Olmo Cerri. Am Freitagabend wird das gesamte italienische Team den Sieg des Duos aus der Toskana feiern. „Da geben wir wie bei der Regatta alles“, kündigt Cerri lachend an. Er freut sich, dass es nach etlichen Versuchen, endlich mit dem WM-Titel geklappt hat. Auf Platz zwei folgten die spanischen Ex-Weltmeister Pablo Cabello Vieitez/Isabel Caballo Canas vor den Franzosen Francois-Xavier Drogou/Caroline Guilloux.

Travemünder Woche Regatta und Festival
Freude pur herrschte bei den neuen Vaurien-Weltmeisters aus Italien: Olmo Cerri/Gioia Bertolani holten sich erstmals den Titel. Foto: Katrin Heidemann

Eine Bootsklasse, vier Disziplinen, bis zu acht Untergruppen und 189 Starter: Bei den RS Aero gab es im Rahmen der Travemünder Woche eine Siegerehrung in der Kategorie XXL. Der Bootstyp, der vor wenigen Jahren die Ambitionen hatte, olympisch zu werden, bietet mit vier Segelgrößen Seglerinnen und Segler der verschiedenen Alters-, Gewichts- und Könnenstufen ein Betätigungsfeld. So wurde in den Kategorien Aero 5, 6, 7 und 9 um die EM-Titel gesegelt. Dazu konnten die Youngster auch noch die Junioren-Weltmeistertitel einheimsen.

Dafür mussten aber alle Athleten viel Arbeit investieren. Denn in den fünf Meisterschaftstagen schickte die Wettfahrtleitung von Lorenz Buchler (Berliner YC) die Flotten zu insgesamt 14 Rennen über die Bahn. An deren Ende durften vier Nationen von drei Kontinenten die Gesamtsieger feiern.

Neuer Europameister in der Klasse der Aero 5 wurde der Brite Jonathan Bailey, der im Gegensatz zu seiner ärgsten Verfolgerin, Chloe George, die Konstanz über die gesamte Serie durchziehen konnte und schließlich überlegen über seine Landsfrau und Jorgen Kuivonen triumphierte. Bester Junior und damit U22-Weltmeister wurde Teddy Dunn, ebenfalls aus Großbritannien. Immerhin in der weiblichen U22-Wertung gab es eine andere Nationalflagge an der Spitze. Hier siegte die Estin Jessika Jöesaar.

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Chloe George durfte sich über Platz zwei bei der EM der Aero 5 freuen. Foto: Christian Beeck

Top in der Gesamtliste der Aero 6 war der Australier Rhett Gowans. Er setzte sich trotz einer Frühstart-Disqualifikation im Laufe der Serie gegen die Ukrainerin Sofia Naumenko durch, die damit aber den EM-Titel vor Andrew Frost und Sam Blaker (Großbritannien) feiern durfte. Die U22-Wertung der Frauen gewann Aria Miller aus Kanada, eine rein männliche Juniorenwertung kam nicht zustande.

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Der Australier Rhett Gowans setzte sich bei den Aero 6 durch. Foto: Christian Beeck

„Es war eine großartige Regatta mit vielen Rennen und sehr unterschiedlichen Bedingungen, von Leicht- bis Starkwind. Ich bin froh, dass wir mit der ganzen Familie nach Travemünde gekommen sind und selbst ein wenig überrascht, wie gut es für mich gelaufen ist. Es war erst meine zweite Regatta in der Klasse RS Aero 6“, sagt Andrew Mack aus den USA, der die Master-Wertung gewann. Seine Tochter Lauren holte Silber in der U22-Wertung bei den Frauen. Seine Frau Jamie beendete die EM im vorderen Drittel der RS Aero 5.

Beeindruckend überlegen agierte der Schwede Aron Wärnberg bei den Aero 7. In den 14 Wettfahrten kreuzte er zehnmal als Sieger die Linie, reihte dazu vier zweite Plätze in die Liste ein und hatte damit in der EM-Gesamtwertung satte 20 Punkte Vorsprung vor Jack Miller und Noah Rees (Großbritannien). Der Brite Sam Williams holte sich den U22-WM-Titel (eine weibliche Wertung gab es in dieser Kategorie nicht). „Das war gutes Segeln in Travemünde, ähnlich wie in Kiel, wo ich schon mehrmals im Ilca gesegelt bin. Es hat Spaß gemacht, mal wieder in der RS-Aero-Klasse zu starten. Ich segele sonst fast nur noch im Ilca 7, aber dieses Jahr passte es zeitlich“, sagte Wärnberg.

Einen kanadischen Sieg gab es bei den Aero 9 durch Baabii’O Flower, der sich mit großen Segeln auskennt, da er mitunter den ehemals olympischen Finn segelt. Seine Serie war so überlegen, dass er er nach zwölf von 14 Wettfahrten bereits wieder an Land segeln konnte. Bis dahin hatte er alle Rennen gewonnen. Als er vom Kurs verschwunden war, durfte sich auch der Gesamt-Zweite Erik Wahlberg (Schweden) in die Siegerliste eintragen, der damit Europameister wurde. Platz drei insgesamt und Rang zwei in der EM-Wertung belegte Chris Larr (Großbritannien). Eine Jugendwertung gab es hier nicht.

Die RS Feva haben bis zum Sonntag noch zwei WM-Tage vor. Am Freitag sind die 135 Crews in die Gold-, Silber- und Bronzegruppe eingeteilt worden. In der klaren Führungsposition segeln die Briten Cassius Day/Harry O’Callaghan vor zwei Teams aus Estland.

Eine tägliche Wundertüte ist die Wertungsliste der Folkeboote bei ihrem Gold-Cup vor Travemünde. Nachdem der zweimalige Goldcup-Sieger Ulf Kipcke mit dem Ehepaar Kathrin und Gero Martens (Kiel) im Vorschiff verhalten in die Serie gestartet war, findet er vor Travemünde immer besser in die Spur. Während er am Freitag zwei Top-Ergebnisse einfuhr, kam der bisherige Führende, Per Hovmark (Dänemark) ins Straucheln. So übernahm Kipcke vor dem abschließenden Rennen am Samstag die Führung. Allerdings trennen ihn nur einen Punkt von Per Hovmark und einen weiteren von Per Buch (Dänemark).

Travemünder Woche Regatta und Festival
Ein Rennen haben die Folkeboot noch in ihrem Plan für den Gold-Cup stehen. Foto: Christian Beeck

Im Gegensatz zu den Folkebooten ist der Euro-Cup der RS 21 von Beständigkeit geprägt. Nach drei weiteren Wettfahrten am Freitag gab es nur kleine Veränderungen an der Spitze. Es führt weiter der Pole Lukas Wosinsky. Davide Albertini Petroni (Italien) hat sich auf Platz zwei schieben können, die Münchnerin Melanie Höveler verteidigt Platz drei. Vier weitere Rennen stehen in den kommenden beiden Tagen noch auf dem Plan.

Bei den Drachen übt die Lübecker Steuerfrau Tanja Jacobsohn Druck auf die Spitze aus. An Tag zwei der Norddeutschen Meisterschaft arbeitete sie sich mit einem sechsten und einem zweiten Platz sowie einem Sieg auf Gesamtrang zwei vor. Damit schob sie sich an dem Hamburger Benjamin Hub vorbei. In Benjamin Morgen hat sie allerdings noch einen weiteren Hamburger vor sich – und der lässt mit bisher vier Siegen in den sechs Rennen nichts anbrennen.

Bei den Katamaranen der Formula 18 ist in Abwesenheit der TW-Rekordsieger, Helge und Christian Sach, das Vater-Sohn-Gespann Jesse und Sven Lindstädt kaum zu stoppen. Ausschließlich erste und zweite Plätze haben die Norderstedter, die ihr Heimatrevier in Lübeck haben, auf dem Konto. Damit rangieren sie klar vor den Finnen Mikko und Kirsikka Räisänen sowie den Dänen Jan Hedmann Jensen/Penelope Wyon.

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