Zur Halbzeit der Travemünder Woche richtete sich der Fokus der Fans und Besucher auf den Volksbank Rotspon Cup, das Match Race des Lübecker Bürgermeisters Jan Lindenau gegen Landtagspräsidentin Kristina Herbst. Doch neben der Show-Einlage in der auf der Trave wurde auch auf den Bahnen in der Ostsee gesegelt – bei herausfordernden Bedingungen.
DSV-Präsidentin Mona Küppers, die seit der Eröffnung intensive Beobachterin des Geschehens war, hatte viel Lob für das Segelevent: „Wie es war, in einem Wort? Wunderschön!“, sagte sie und führte aus: „Es ist eine unglaublich gelungene Mischung mit jungen Seglerinnen und Seglern in vielen Bootsklassen – eine tolle Stimmung. Besonders gefreut habe ich mich, dass hier die Inklusionsweltmeisterschaft der RS Venture Connect ausgetragen wurde. Es waren viele Nationen vertreten, und es wurde auf einem hohen Niveau gesegelt. Glückwunsch an die Wettfahrtleitung, die den Mut hatte, am dritten Tag bis zum Sonnenuntergang zu agieren, um so die Meisterschaft möglich zu machen.“
Die Inklusionssegler haben inzwischen ihre Meister gekürt, aber das Meisterschaftsprogramm geht noch munter weiter bis zum Sonntag. Perfektes Timing bei der Planung ihrer Weltmeisterschaft bewiesen indes die Vaurien. Nach zwei angenehmen Segeltagen mit insgesamt vier Rennen konnten sie am Mittwoch bei ihrem geplanten Lay Day ausspannen, als draußen auf der Ostsee Böen mit fünf bis sechs Beaufort über die Bahn fegten. Donnerstag und Freitag wollen sie wieder ins Regattageschehen zurückkehren. Wettervorhersage für diese Tage: leichte bis mittlere Winde mit viel Sonne.
Bei den Folkebooten sind schwere Bedingungen kein Grund, einen Wettfahrttag abzusagen – und für die Nordmänner schon mal gar nicht. Nachdem sich die erfolgsverwöhnten Teams aus Dänemark am ersten Tag des Goldcups noch zurückgehalten haben und nicht unter den Top-Drei zu finden waren, veränderte der zweite Tag das Bild. In breiter Phalanx rücken die Crews aus dem Norden vor. Trotz eines zehnten Platzes hat Andreas Blank (Berlin) zwar noch eine knappe Führung inne, doch auf den vier Booten dahinter weht der Danebrog. Per Hovmark und Per Buch folgen auf den Plätzen zwei und drei. Beide hoffen vor Travemünde auf ihren vierten Goldcup-Erfolg. Michael Guldmann nimmt Platz vier ein, und auch Sören Kästel ist noch nicht aus dem Spiel. Der Mann aus Hellerup bei Kopenhagen hat bereits sechsmal den inoffiziellen WM-Titel der Klasse gewonnen – zuletzt im vergangenen Jahr auf seinem Heimatrevier.
Bei den RS 500 stehen nach zehn Wettfahrten die neuen Europameister fest. Die Klasse ist im Gegensatz zu etlichen anderen bei den RS Games nicht überwiegend britisch aufgestellt. 47 Aktive aus acht Nationen starteten bei der EM in Travemünde. Das Podium der Gesamtwertung war dennoch rein britisch besetzt. Overall siegten Paul Cullen und Fresh Abendstern vor Peter und James Curtis. Die beiden Freunde sind zum RS-500-Segeln gekommen, als sie beschlossen, noch einmal gemeinsam in einer Fun-Klasse anzutreten, und ein günstiges Boot dafür suchten. Bronze ging an Hugh und Luke Watson. Internationaler sieht das Spitzentrio in der Jugend-Wertung aus: Matteo Galgano Corni/Rafaello Spadini aus Italien, Thomas Leather/Samuel Leather aus Großbritannien sowie Monika Krenkova/Kristyna Krenkova aus Tschechien. Bei den Frauen heißen die neuen Europameisterinnen Daphne Somers und Melani de Bat aus den Niederlanden. Silber ging nach Tschechien an Monika und Kristyna Krenkova, Bronze an die Italienerinnen Anna Mosso und Camilla Parrinelli.

Farbenfroh und fröhlich starteten am Dienstagabend die RS Feva bei ihrer Eröffnungsfeier in die Weltmeisterschaft. Mit einer Flaggen-Parade liefen die Aktiven aus 20 Nationen an der Bühne am Priwall-Hafen zur Eröffnungsfeier ein. 142 Seglerinnen und Segler haben für die WM der schnellen Zwei-Personen-Jollen gemeldet, die bis Sonntag dauert. Bei böigen Verhältnissen absolvierte die Klasse am Mittwoch ein erstes Rennen. Da das Feld in drei Gruppen eingeteilt ist, gibt es damit auch drei Führende: die Esten Elin und Ants Haavel, die Briten Kitty Bingham/Lottie Clifton und Charlotte de Groot/Sven van Dartel aus den Niederlanden.
Sieben Rennen ihrer Europa- und Jugendweltmeisterschaft absolvierten bislang die RS Aero 5 und 6. Bei den RS Aero 5 hat der Este Jorgen Kuivonen den Bug vorne, bei den RS Aero 6 Sofia Naumenko aus der Ukraine, die vor zwei Jahren im RS Aero 7 die German Open bei der Travemünder Woche gewann. Auf acht beendete Wettfahrten bringen es aktuell die RS Aero 7, wo der Schwede Aron Warnberg vorne liegt, und die RS Aero 9 mit dem Kanadier Baabii’o Flower an der Spitze des Feldes.
Für eine kleine Auswahl der RS Aero 5 ging es am späten Nachmittag noch auf der Trave weiter. Sie segelten das Volksbank Trave Race, das diesmal sogar mit 300 Euro Siegprämie dotiert war. Und die holte sich der junge Brite Fergus Anderson.

Am Donnerstag fällt der Startschuss zu den Europameisterschaften weiterer RS-Klassen: RS 200, RS 400, RS Vareo und RS 21. Letztere tragen zusätzlich den Euro-Cup aus, ebenso wie die Klasse RS 100.