Die RS Games finden erstmals außerhalb von Großbritannien statt und ziehen sich durch die gesamte 137. Travemünder Woche. In insgesamt zwölf RS-Klassen segeln 619 Boote mit 945 Aktiven aus 29 Nationen von drei Kontinenten um EM- und WM-Titel. Gestern wurden die RS Games gemeinsam mit dem Segelnachwuchs der Klasse RS Tera auf der Festivalbühne im Brügmanngarten eröffnet. Heute fällt der Startschuss für die ersten fünf Klassen: RS Tera, RS Venture Connect sowie RS 500, 700 und 800 gehen auf die Bahnen.
Die Jüngsten der RS-Gemeinschaft, die Aktiven der Klasse RS Tera, segeln in Travemünde in den zwei Unterklassen Pro und Sport um den Weltmeistertitel. 131 Nachwuchsseglerinnen und -segler aus elf Nationen gehen bei den Wettfahrten um den WM-Titel an den Start.

Ihre Europameisterschaft tragen die Klassen RS 500, 700 und 800 aus. Zum 48 Boote starken Feld der schnellen Zweimann-Skiffs RS 500 gehören auch die Vizeweltmeister von 2025, Paul Cullen und Fresh Abendstern. Eine kleine Flotte aus Tschechien und Großbritannien macht bei den kippeligen RS-700-Skiffs die Europameisterschaft unter sich aus. Als Titelverteidiger tritt der Brite Rob Higgins an. Ebenfalls rasante Segelaction bietet die Klasse RS 800, wo die Zweierteams im Doppeltrapez unter Gennaker über den Kurs fliegen.

Hochkarätig besetzt ist das 27 Boote starke Feld bei der Europameisterschaft der RS Venture Connect mit Teams aus elf Nationen und von drei Kontinenten. Mit zwölf Crews ist Deutschland am stärksten vertreten. Gewertet wird in den Kategorien Open, Para und Inclusive. Als Titelverteidiger in der Para-Wertung reisen die Spanier Pau Toni Homar und Ramón Gutierrez an. Auf der Meldeliste stehen außerdem die Inclusive-Europameister 2025 Adam Billany (Großbritannien) und Jazz Turner, die für Grenada startet, die Para-Weltmeisterinnen Henriette Smith und Solfrid Lindhjem Kvinnesland aus Norwegen, die Inclusive-Weltmeister Genevieve Wickham und Grant Alderson aus Australien sowie WM-Medaillengewinner Pedro Câncio Reis aus Portugal.
Für Deutschland tritt Paralympics-Sieger Jens Kroker an. Erstmals startet er zusammen mit dem erst 14-jährigen Malden Scheffler aus Berlin. „Wir wollen in erster Linie Spaß haben und schauen, wie es läuft“, freut sich Kroker auf die Wettfahrten. Einen weitere hochkarätig besetzte Crew bilden Krokers ehemaliger Teamkollege Siegmund Mainka und Jürgen Brietzke. Mainka gewann mit Kroker 2008 in Beijing paralympisches Gold und vier Jahre später Silber in London. Brietzke belegte bei den Olympischen Spielen 1988 in Seoul im 470er Rang elf. RS Venture Connect segeln die beiden bereits seit etlichen Jahren gemeinsam. „Wir wollen in Travemünde vorne mitspielen und freuen uns auf die Wettfahrten“, kündigt Brietzke an. Außerdem startet die zweifache Weltmeisterin im inklusiven Segeln, die Hamburgerin Nadine Löschke, gemeinsam mit ihrem Mann Johannes.

Aber es geht bei den RS-Klassen nicht nur um Medaillen und Siege. Das macht Michiel Geerling, Commercial Director von RS Sailing, deutlich: „Natürlich segeln alle gerne RS, aber wenn wir die Aktiven nach dem Event fragen, sprechen sie vor allem über die Gemeinschaft und das Rahmenprogramm. Sie kommen wegen der Community und der Atmosphäre her – und selbstverständlich zum Segeln.“
„Olympische Spiele für Amateure“ nennt er die RS Games, die wie die Spiele alle vier Jahre abgehalten werden. Erstmals werden die RS Games außerhalb von Großbritannien, dem Mutterland von RS Sailing, gesegelt. Künftig soll das Event an verschiedenen Orten der Welt stattfinden, da die Bootsklasse weltweit verbreitet ist. Dass die RS Games überhaupt ins Leben gerufen wurden, ist den Olympischen Spielen 2012 in London zu verdanken. „Es sollte 2011 ein Test-Event für die Spiele geben. Das wurde von RS Sailing in Weymouth ausgerichtet und war ein Erfolg. Daraus sind die RS Games entstanden, die 2014, 2018 und 2022 ebenfalls in Weymouth stattfanden“, erklärt der in Großbritannien lebende Niederländer. Dass die RS-Klasse nicht olympisch ist, findet er nicht negativ. „Olympische Spiele sind gar nicht das Ziel der RS-Klasse. Dadurch würde der Festivalcharakter der Events leiden, der die Klasse ausmacht“, meint der 45-Jährige.
Mit den Meldezahlen in Travemünde sei er sehr zufrieden und mit dem Standort ohnehin. „Ich habe hier selbst früher oft gesegelt, im Cadet und auch beim Familienurlaub mit der Yacht. Ich freue mich sehr zurück zu sein. Die Kombination aus Regatta, Landprogramm und Beach-Feeling auf dem Priwall ist perfekt für die RS Games. Das Gesamtpaket stimmt einfach“, freut sich Geering.