Wo Regatten gesegelt werden, ist meist die „Seestern“ nicht fern. Bereits seit 2007 stellt der Kieler Jens Höltig seinen liebevoll umgebauten Holzkutter als Startschiff bei Segelevents zur Verfügung. Zuvor half er mit einem anderen Boot aus. Bei Regatten hautnah mit dabei war er aber schon im Kindesalter, als sein Vater bei der Kieler Woche als Pressebootfahrer tätig war. Momentan ist die „Seestern“ das einzige Startschiff, das bei der Travemünder, Warnemünder und Kieler Woche vor Ort ist. Was ihn und seine Frau antreibt, auch nach Jahrzehnten bei den Regatten im wahrsten Sinne des Wortes immer mit am Start zu sein, hat er beim Feierabendbier nach Rückkehr von der Regattabahn erzählt.

Mit dabei war Höltig irgendwie schon immer bei den Regatten, wenn man ihn fragt. Sein Vater hat ab 1956 bei der Stadt Kiel gearbeitet und ist das gleichnamige Schiff gefahren, das bei der Kieler Woche als Presseboot eingesetzt wurde. Im Alter von sechs Jahren war Jens Höltig erstmals Mitte der 1960er Jahre mit an Bord, schnupperte erste Regattaluft und war direkt infiziert. Später ist er bei der Kieler Woche bei der DLRG auf der „Seeadler“ und „Adler“ mitgefahren und war mit seinem Sportboot Skipper für den ehemaligen, 2015 verstorbenen Kommodore des Kieler Yacht-Clubs, Otto Schlenzka. Als Segler ist Höltig in der Klasse der 75er Nationalen Kreuzer und im Folkeboot zu Hause.
Anfang der 1980er Jahre wurde der Segler dann quasi von einer Minute zur nächsten Startschiff-Skipper. „Ich bekam einen Anruf, dass ein Schiff ausgefallen ist. Ob ich spontan einspringen könne, hieß es. Zweieinhalb Stunden später war ich mit meinem damaligen Pflegeboot auf der Bahn Alpha. Bis 2004 war ich mit dem Kutter, den ich in Pflege hatte, Startschiff auf der Seebahn bei der Kieler Woche. Danach wurde das Boot verkauft, und ich saß zwei Jahre auf dem Trockenen“, erinnert sich Höltig.
Lange dauerte die bootlose Phase für ihn nicht. Für die „Seestern“, die er zuvor lange gepflegt hat, wurde ein neuer Besitzer gesucht. 2006 übernahm er den zwölf Meter langen, vier Meter breiten und 21,5 Tonnen schweren hölzernen Kutter und baute ihn mit tatkräftiger Unterstützung von Werftkollegen um. „Acht Monate haben wir am Boot gearbeitet. Zwischendurch sah die ‚Seestern‘ aus wie eine leere Nussschale“, erzählt Höltigs Frau Christine, die meist mit an Bord ist. Seit 2007 ist der Kutter bei der Kieler Woche als Startschiff für das Team um Wettfahrtleiter Stephan Uden vom Norddeutschen Regatta Verein (NRV) unterwegs.
Im Laufe der Zeit kamen mehr Segelevent hinzu, bei der die „Seestern“ als Startschiff im Einsatz ist. Seit 2021 ist die „Seestern“ auch bei der Travemünder Woche eine feste Größe auf der Regattabahn. In den vergangenen zwei Jahren gehörte sie zudem bei der Warnemünder Woche zu den Startschiffen.
Die Stimmung an Bord der „Seestern“ ist nicht nur nach Feierabend gut. Die Wettfahrtleiterteams wissen die entspannte Atmosphäre auf dem Kutter zu schätzen. „Es ist super auf der ‚Seestern‘ zu arbeiten. Hier fühlt man sich immer gut aufgehoben und sicher. Und dazu kommt noch ein Skipper mit perfekten Wetterkenntnissen“, lobt das Team um Wettfahrtleiter Stephan Uden vom NRV. „Es muss entspannt und stressfrei zugehen während der Regatten. Bei uns fühlen sich alle zu Hause, und das sollen sie auch. Nach Feierabend sitzen immer noch alle gemütlich zusammen“, sagt Höltig.
Und wenn die „Seestern“ mal nicht bei einer Regatta zur Verfügung steht, dann ist es für den Kuttereigner Ehrensache, dass er ein Ersatzschiff organisiert. Nur wenn das geregelt ist, kann er beruhigt in den Urlaub fahren. Und genau das hat er mit Ehefrau Christine in diesem Sommer mit der „Seestern“ vor. „Sonst waren unsere Urlaubstage nach der Regattasaison immer weg. Jetzt sind wir beide in Rente, haben Zeit und den Urlaub mit unserer ‚Seestern‘ neu entdeckt“, freuen sich die beiden auf die Auszeit. Und so wird die „Seestern“ in diesem Sommer nicht nur auf Regattabahnen zu sehen sein, sondern mit ihrer Crew Kurs Richtung Dänemark nehmen – ein Sommerurlaub, den sich Mannschaft und Boot mehr als verdient haben.