Die Formula 18 und die Travemünder Woche: Diese Verbindung ist seit jeher intensiv. Denn auf dem Lübecker Mövenstein ist nicht nur die stärkste F18-Flotte Deutschlands beheimatet, LYC-Clubmitglied Dirk Bleiker ist auch der Vorsitzende der deutschen Klassenvereinigung, und mit den Brüdern Helge und Christian Sach stammen die F18-Weltmeister von 2006 aus dem LYC. Kein Wunder also, dass die schnellen Katamarane fester Bestandteil der Travemünder Woche sind. 2023 wurde zudem im Rahmen der TW die Weltmeisterschaft der F18 ausgesegelt – mit fast 100 Teams am Start.

In diesem Jahr ist das Feld bei der Ranglisten-Regatta zwar nicht so groß wie vor zwei Jahren, an prominenter Besetzung mangelt es aber nicht. Immer in den Kreis der Mitfavoriten sind die Sach-Brüder zu zählen. Bereits 22. Mal haben sie die Travemünder Woche in verschiedenen Bootsklassen gewonnen, zuletzt im vergangenen Jahr im Formula 18. Damit sind sie die unangefochtenen Rekordsieger der Segelwoche.
In diesem Jahr wird es spannend, wie sie sich im Vergleich mit einem neuformierten Duo schlagen. Der dreimalige Olympia-Teilnehmer im Nacra 17, Paul Kohlhoff aus Kiel, gibt im Formula 18 eine Stippvisite. 2021 gewann Kohlhoff mit Vorschoterin Alica Stuhlemmer sensationell Bronze bei den Spielen von Tokio, im vergangenen Jahr landete das Team bei Olympia von Paris auf Platz acht. Im Anschluss legte der 30-Jährige eine Segel-Pause ein. Nun aber juckt es ihn wieder in den Fingern. Und als der Ex-Lübecker Tom Heinrich mit der Idee eines F18-Starts zur TW um die Ecke kam, war Kohlhoff sofort dabei.
„Wie geil!“, kommentierte Helge Sach die Meldung durch das Team Kohlhoff/Heinrich. „Wir freuen uns riesig. Das ist eine tolle Werbung für die Formula 18. Das kann uns nur helfen, wenn Paul die Klasse attraktiv findet. Und mit Tom Heinrich als Vorschoter ist es ein super Team – mehr gut geht nicht.“ Zu den eigenen Chancen, gegen den Olympia-Segler zu bestehen, äußert sich Helge Sach skeptisch: „Die passen perfekt zusammen, haben das Idealgewicht. Gerade wenn es stärker bläst, wird es schwer für uns. Bei Leichtwind haben wir eher eine Chance.“

Zurückhaltung in der Formulierung der eigenen Chancen, übt indes auch Paul Kohlhoff: „Das ist ein reines Spaßprojekt auf Toms Initiative hin. Ich liebe einfach das Kat-Racing, fühle mich auf diesen Booten sehr wohl. Und Tom und ich passen von der Körperstruktur sehr gut zusammen“, so Kohlhoff. Eine Platzierung haben sie zwar nicht als Ziel formuliert, aber „es sind ein paar erfahrene F18-Teams dabei, mit denen wir uns gern messen“. Das Trainingspensum der beiden ist allerdings überschaubar. Lediglich einmal probten sie vor der Travemünder Woche auf einem F18 zusammen, gehen in die Travemünder Woche mit einem geliehenen Kat von Dirk Bleiker.
Doch auf die vier Tage am Mövenstein freuen sich die beiden F18-Neueinsteiger: „Die Travemünder Woche ist eine tolle Veranstaltung. Ich habe da sehr gute Erinnerungen“, sagt Kohlhoff, der 2012 zur TW die 29er-WM gesegelt ist. Und der Name Kohlhoff ist in Travemünde auch in jüngerer Zeit sehr bekannt. 2023 wurde seine Schwester Emma in der Lübecker Bucht U21-Weltmeisterin im 49erFX, und im vergangenen Jahr segelten seine Brüder Max und Johann bei der Deutschen Meisterschaft im Starboot auf Platz drei.
Auf große Erfolge vor Travemünde darf auch Tom Heinrich zurückblicken. 2013 gelang ihm bei der Weltmeisterschaft der Hobie Dragoon der ganz große Coup: Als gerade einmal 14-Jähriger gewann er WM-Gold. Danach segelte auch er 29er, später war er in hochklassigen Olympia-Klassen unterwegs, kurzzeitig auch als Konkurrent von Paul Kohlhoff im Nacra 17. Im vergangenen Jahr versuchte Tom Heinrich, das Ticket für die Olympischen Spiele im 49er zu lösen, verpasste es aber knapp.
In seinen Olympia-Ambitionen hat Tom Heinrich zwar eine Pause eingelegt, aber der Segelsport lässt ihn nicht los. Eng vernetzt ist er mit dem deutschen SailGP-Team, in das auch Paul Kohlhoff als Berater gerade eingestiegen ist. Wenn die Zeit und das BWL-Studium es zulassen, analysiert Heinrich die Daten für das deutsche Profiteam. Daneben segelt er vom kleinen Switch-Foiling-Skiff bis zur großen Yacht alles, was sich anbietet. So war er mit der Crew der „Rafale“, einer Elliott 52, in Südengland auf Regatten unterwegs, probte kurz darauf mit der rasanten 69F-Foiling-Jolle auf dem Gardasee und freut sich nun über die Chance, sich in heimatlichen Gefilden an der Seite von Paul Kohlhoff mit den Travemünder-Woche-Legenden messen zu können.