TW-Verantwortung ist wie ein Bad im warmen Wasser

Anderl Denecke hat sich bestens in die TW-Verantwortung eingefügt. Foto: segel-bilder.de

Mit Andreas „Anderl“ Denecke hat die Travemünder Woche in diesem Jahr einen neuen Gesamtwettfahrtleiter (Principal Race Officer, PRO). Der 47-Jährige vertritt Brian Schweder, der aufgrund der Erkrankung seines Sohnes familiär gefordert ist. Denecke hat die nötige internationale Lizenz, um ein Großevent wie die Travemünder Woche leiten zu dürfen. Schon in den vergangenen Jahren war er als Wettfahrtleiter – vor allem der Bundesliga – zur TW aktiv. Bei anderen großen Regatten wie diversen Deutschen Meisterschaften sowie der Traunseewoche in Österreich hat der Sanierungsexperte in einer Schweizer Bank sein Geschick für die Leitung hochrangiger Regatten bewiesen. Die TW ist aber das bisher größte Event in verantwortlicher Position für Denecke. Nach vier TW-Tagen kann er eine 100-Stunden-Bilanz seiner Amtszeit vorlegen.

„Es waren bisher lange Tage, aber das war mir ja bekannt, dass es zur Travemünder Woche abends sehr spät werden kann. Und auch das PRO-Geschäft kenne ich seit sieben Jahren, so dass es keine Überraschungen gab“, berichtet Denecke. Der Einstieg in das Amt sei ihm sehr leicht gemacht worden. „Die bestehende Organisation hat dafür gesorgt, dass es kein Sprung in das kalte Wasser war, sondern ich hier ein Bad bei sehr angenehmen Temperaturen nehmen darf“, so Denecke. Wer allerdings etwas Anschubhilfe benötigte, war der Wind, der erst spät an den Tagen seine Kraft entfaltete. Mit dem großen Engagement der Teams auf den Bahnen und an Land bei der Jury und der Auswertung gelang aber ein Wettfahrtprogramm nahezu ohne Ausfälle. „Der Samstag und der Sonntag waren wirklich schön.

Beispielhaft ist das Geschehen bei der Bundesliga. Wir haben hier alle 48 Wettfahrten für beide Ligen segeln können. Das gelingt in der Saison nur selten. Das zeigt, dass der Wind gut war“, sagte Denecke und fügte die Einschränkung hinzu: „Unter Land war es deutlich besser als weiter draußen. Die großen Flotten mit vier Gruppen bei den Lasern bei diesen Bedingungen zu handeln, ist schon schwieriger.“
Dazu hat Anderl Denecke bei den Meisterschaftsklassen an deren ersten Tag noch ein gehöriges Maß an Nervosität ausgemacht: „Üblicherweise gibt es in solchen Phasen noch viele Fragen an Wettfahrtleitung und Jury. Das ist aber auch gut so, dann kann man alle in die richtige Spur bringen.“

Alles in allem wurde der Interims-PRO (sobald Brian Schweder wieder zur Verfügung steht, wird Denecke das Amt wieder übergeben) von den Besonderheiten der neuen Aufgabe nicht überrascht: „Es ergeben sich natürlich andere Fragestellungen in dieser Position. Man muss mehr mit der Jury kommunizieren, formell sehr korrekt arbeiten, für entsprechende Aushänge sorgen. Dafür fällt man nicht mehr die Entscheidungen direkt auf dem Wasser.“ Bei der Großveranstaltung Travemünder Woche muss man zudem ein gehöriges Mehr an Verantwortung tragen. „Es ist eben die Ostsee, da muss man die Sicherheit großschreiben. Aber zum Glück haben wir tolle Unterstützung durch Wasserwacht, THW und DLRG.“

Mit dem Rückblick auf die ersten Tage und der hohen zeitlichen Belastung würde Denecke gern an der Stellschraube des Wohlgefühls drehen. „Wir haben am Mittwoch den Helferabend für alle Ehrenamtlichen. Ich würde es aber auch gern sehen, dass die Teambildung in den einzelnen Gruppen noch intensiviert wird – mit gemeinsamen Abenden in der Pantry oder einem Abendessen. Wertschätzung ist ein entscheidender Faktor. Wir wollen das Gefühl vermitteln, dass unsere Mitarbeiter nicht eine Woche für die Travemünder Woche opfern, sondern hier eine Woche wie im Urlaub verbringen.“

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