Machtspiele der Windsysteme

Justus Wolf/Maximilian Said gewannen die F18-Konkurrenz. Foto: segel-bilder.de

Machtspiele der Windsysteme


Zum Abschluss der Travemünder-Woche-Regatten gab es noch einmal einen harten Kampf auf dem Wasser. Ein Kampf der Windsysteme! Am Morgen stand noch ein leichter Westwind über Travemünde – Nachwirkungen des Unwetters vom Samstagabend. Doch mit der Sonne setzte sich eine östliche Windlage mit thermischen Einflüssen durch. Diese beiden Winde standen gegeneinander, hoben sich mitunter auf, bevor tatsächlich der Ostwind den Kampf gewann. Zu spät für die meisten Segler. Die Wettfahrten der Formula 18, O-Jollen und Seesegler wurden für den Abschlusstag abgesagt, so dass das Ergebnis vom Vortag Bestand hatte.
 
Formula 18:
20 Mal haben die Brüder Helge und Christian Sach aus Zarnekau die Travemünder Woche bereits gewonnen. Damit sind sie die Rekordsieger dieser Segelwoche. Doch Sieg Nummer 21 muss vorerst verschoben werden. Im Feld der 21 Formula 18 reichte es für die deutschen Katamaran-Spezialisten „nur“ zu Rang drei. Geschlagen wurden die ehemaligen Weltmeister der F18 von Justus Wolf/Maximilian Said (Hamburg), die sich gegen die US-Amerikaner Steve Strobel/Matt Morris knapp behaupteten. Für die Sach-Brüder war die Travemünder Woche die erste F18-Regatta seit exakt einem Jahr. Nach der TW 2017 wurde das alte Boot verkauft, und das neue wurde erst verspätet geliefert, so dass das Duo auf Starts vor der 129. TW verzichten musste. „Wir müssen uns auf das neue Boot mit dem neuen Decksweeper-Segel erst einstellen. Die Manöver sind komplett anders. Man muss nacheinander hinter dem Segel rum, das ist eine große Umgewöhnung“, berichtete Steuermann Helge Sach und fügte kritisch hinzu: „So schlechte Wenden sind wir seit 20 Jahren nicht gefahren.“ Aber auch der Gewichtstrimm sowie die Maststellung verlangt bei dem tiefer gelegten Segeldruckpunkt eine neue Einstellung. „Im vergangenen Winter haben wir gar nicht trainieren können, da wir kein Boot hatten. Jetzt werden wir das wieder organisieren und dann für das kommende Jahr sehen, was geht“, so Helge Sach. Um zumindest noch in die deutsche Rangliste zu kommen, wollen die Sachs im Herbst noch versuchen, eine Regatta zu segeln. Mehr wird kaum möglich sein. „Leider, denn F18 ist ja unser Spaßsegeln. Alles andere machen wir ja auch als Job“, so Segelprofi Helge Sach.

O-Jollen:
Nach drei Tagen anspruchsvollem Segeln in der Lübecker Bucht konnten die O-Jollen gut auf einen weiteren Start verzichten: „Es war die richtige Entscheidung, die Wettfahrten für heute abzusagen. Vielleicht käme man auf dem Wasser noch voran, aber faires Segeln wäre das nicht gewesen“, sagte Nils Hartog und fügte an: „Wenn wir gesegelt sind, dann war der Wind sehr gut. Die Kabbelwelle ist für die O-Jolle zwar etwas schwierig, aber ansonsten war es geradezu karibisch.“ Der Lübecker Lokalmatador freute sich über den dritten Platz: „Es war eine gute Einstimmung auf die Deutsche Meisterschaft auf dem Plöner See im August. Ich wollte testen, wo ich stehe und habe noch am Trimm gearbeitet“, so Hartog. Die Qualität des Feldes zur Travemünder Woche war extrem hoch. Die aktuelle europäische Spitze war am Start, viele in Vorbereitung auf die DM, zu der mit 87 Booten ein riesiges Feld vor Plön erwartet wird. Die Erkenntnis, dass die Niederländer in der O-Jolle laut Hartog vor allem bei Wind „bärenstark“ sind, spiegelte sich auch in der TW-Ergebnisliste wider. Onno Yntema entführte den Sieg ins Nachbarland. Harry Voss (Schaumburg-Lippe) platzierte sich vor Hartog auf Rang zwei.

Seebahn Up&Down:
Seebahn-Wettfahrtleiter Uwe Wenzel probierte mit seinem Team noch einmal alles, um ein weiteres Rennen in die Wertung zu bekommen. Doch sein Engagement und der Ehrgeiz der Segler wurde nicht belohnt. Nach einem Startversuch und dem Abbruch des Rennens wegen des einbrechenden Windes wartete und hoffte die Flotte zwar noch etwas auf Wind, musste pünktlich zur Mittagszeit aber alle Bemühungen einstellen. So durfte die Mannschaft von Jürgen Klinghardt auf der „Patent 4“ den ORC-Sieg und die von Stefan Meining („Na und“) den Yardstick-Sieg feiern.

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