Internationale Teams räumten die Medaillen ab

Mewes Wieduwild fuhr zum souveränen Sieg bei den Laser 4.7. Foto: segel-bilder.de

Mit dem Abschluss von fünf Meisterschaften erlebte die Travemünder Woche am heutigen Samstag ihren dramaturgischen Höhepunkt. Die Weltmeisterschaften der Vaurien, die europäischen Titelkämpfe der Flying Junior, die German and Dutch Open der 5.5mR sowie die beiden Deutschen Jugendmeisterschaften der Laser 4.7 und Laser Radial wurden in einem zügigen Programm über die Bahn gebracht – rechtzeitig, bevor sich jegliche Gewitterzelle in die Lübecker Bucht verirren konnte. Aufgrund der Unwetterwarnung standen die Wettfahrtleitungen in einer engen Kommunikationskette mit den Wetterdiensten in Verbindung. Die befürchteten Gewitterzellen zogen bis zum Nachmittag aber alle aus dem Süden kommend zur Nordsee ab, so dass alle Segler sicher in den Hafen kamen, bevor es dann doch noch kurz zu stürmen begann.

Bei der Vergabe der internationalen Medaillen spielten die deutschen Gastgeber lediglich bei den Flying Junior mit. Spanien, die Niederlande und die Bahamas freuten sich hier über die Titel. Bei den Deutschen Jugendmeisterschaften gab es zwei Favoritensiege. Allerdings konnte sich Julian Hoffmann bei den Laser Radial erst in der letzten Wettfahrt an die Spitze bringen. Dagegen war Mewes Wieduwild bei den Laser 4.7 eine Klasse für sich.
 
WM der Vaurien
Zum zweiten Mal nach 2013 hat sich der Spanier Francesco Zampacavallo mit Carlos Frances Armengot den WM-Titel der Vaurien gesichert. Und die Basis des Erfolges war die gleiche Wetterlage wie vor fünf Jahren – zumindest an den ersten drei Tagen von Travemünde. Sechs Siege in Folge brachten Zampacavallo in eine starke Position, um einen hohes Punktepolster zu verteidigen und einen sicheren WM-Sieg im spanischen Wettstreit gegen die Landsleute Antonio Perez/Laura Llopiz sowie Tirso Cerqueira Atares/Gonzalo Martinez Rodriguez auf den Plätzen zwei und drei zu erringen. „Wir wollten unter die ersten Drei. Mit dem WM-Sieg haben wir nicht unbedingt gerechnet. Die ersten drei Tage waren weit über unseren Erwartungen. Wir hatten auch eine Menge Glück, dass sich für uns in den entscheidenden Momenten immer ein Weg auftat“, so Zampacavallo, der mit seinen 47 Jahren zu den erfahrenen Seglern in seiner Klasse gehört. „Schön für mich, noch einmal gewinnen zu können. Aber für die Klasse wäre ein jüngerer Sieger sicherlich schöner gewesen.“ Doch der Mann aus der ehemaligen America’s-Cup-Stadt Valencia gehört in Spanien zu einem der besten Segler, hat früher gemeinsam mit den Olympiasiegern Iker Martinez (49er) und Támara Echegoyen (Match Race) trainiert. Vor der WM zur Travemünder Woche wusste er allerdings nicht, wie sein Leistungsstand sein würde: „In Valencia sind wir die einzigen Vaurien-Segler, die anderen Boote sind alle an der spanischen Nordküste beheimatet.“ Die deutschen Gastgeber brachten bei dieser WM nur ein Team in die Top-20. Peter Lakshmanan/Nele Biener (Lottental) wurde 17.

EM der Flying Junior
In der Klasse der Flying Junior ist die Kombination aus erfahrenen Steuerleuten mit unerschrockenen jungen Vorschotern eine erfolgreiche Crew-Zusammenstellung. Und so war auch das siegreiche Boot aus den Niederlanden mit Seglern aus zwei Generationen besetzt. Der 35-jährige Guido Sol und der 14-jährige Hugo de Jong segeln seit vier Jahren zusammen und waren mit der klaren Zielvorgabe, den EM-Titel zu gewinnen, nach Travemünde gekommen. An diesem Sieg gab es im Laufe der Serie auch nie einen Zweifel, so dass das Duo die letzte der 14 Wettfahrten nicht mehr segeln musste. In der Teamkonstellation ist es der erste Titel für Sol/de Jong – allerdings sind beide schon erprobt, die oberste Stufe des Treppchens zu erklimmen. Selbst Hugo de Jong feierte bereits einen EM-Titelgewinn. Vor zwei Jahren, als Steuermann Guido Sol ausgefallen war, segelte er gemeinsam mit seinem Vater Rolf zu EM-Gold. Diesmal segelte der Vater mit der 13-jährigen Tochter Esther und musste sich im Kampf um die Medaillenplätze als Vierter knapp geschlagen geben. „FJ-Segeln ist bei uns eine Familienangelegenheit. Esther ist erst ihre dritte Regatta als Steuerfrau gesegelt, und sie hat es toll gemacht“, so Rolf de Jong. Entscheidend für den Titelgewinn seines Sohnes gemeinsam mit Guido Sol sei die gute Teamarbeit gewesen. Mit den EM-Zweiten Hylke Sasse/Bart van den Hondel war es zwar stets eng, in den entscheidenden Momenten hatten aber Sol/de Jong den Bug voraus. Platz drei dieser EM ging an die Bochholter Thorsten Willemsen/Stephanie Tauchert. Während es für Stephanie Tauchert die erste internationale Medaille ist, durfte Willemsen bereits zwei EM-Titel und einen WM-Vizetitel feiern. „Zum Schluss haben wir es noch einmal spannend gemacht. In der ersten Wettfahrt heute sind wir an zweiter Stelle liegend durch ein verpatztes Manöver gekentert, und in der zweiten Wettfahrt waren wir zwar als Erste im Ziel, wurden dann aber wegen eines Frühstarts disqualifiziert“, so Willemsen.

IDJM der Laser 4.7
Am Titelgewinn von Mewes Wieduwild (Berlin) hatte es bereits vor dem Abschlusstag keine Zweifel mehr gegeben. So konnte sich der Opti-Europameister von 2016 mit einem 14. Platz noch einen Ausrutscher erlauben, um mit dem zweiten Rang zum Abschluss noch einmal seine Klasse zu demonstrieren, die besonders durch die neun Rennsiege zuvor eindrucksvoll belegt wurde. Spannender war es dahinter. Aber der Lübecker Jesper Bahr gab sich zum Abschluss keine Blöße. Dem Sieg in der ersten Tageswettfahrt ließ er Platz drei in der zweiten folgen. „Das war heute sehr souverän. In der zweiten Wettfahrt ging es über rechts, das war bei den Radial-Seglern zu sehen. Und Jesper hat das sehr gut umgesetzt“, sagte LYC-Trainer Uwe Schimanski. Neben Silber in der Gesamtwertung gab es auch noch Gold in der U16 für den Lübecker. „Platz eins und drei heute waren super. Aber die Bronzemedaille im vergangenen Jahr bei der Opti-IDJüM ist noch wertvoller“, so Bahr, der nach nicht einmal einem Jahr im Laser 4.7 nun auf den Laser Radial wechseln wird. Das Ziel: Die WM-Teilnahme im August in Kiel. Dritter der IDJM vor Travemünde wurde Batbold Gruner (Ganderkesee).

IDJM Laser Radial
Der Kampf um den Titel der Laser Radial wurde am Abschlusstag hart geführt – mit einer Enttäuschung für den Kieler Moritz Peitzner. Als Führender war er in den Tag gestartet, als Dritter ging er heraus. Der große Favorit Julian Hoffmann aus dem Allgäu lieferte sich ein Match Race mit Peitzner. Die erste Wettfahrt beendeten sie gemeinsam auf den Plätzen 15 und 16 und gingen damit punktgleich in das finale Rennen. Hier deckte Hoffmann bereits vor dem Start Peitzner ab und zwang ihn zu einem verpatzten Start. Während Hoffmann noch auf Position sechs vorfuhr, versackte Peitzner als 13. und hatte damit den Titelgewinn verspielt. Peitzners zusätzliches Pech: Clubkollegin Laura Schewe nutzte den Zweikampf der beiden, um ihren ersten Tagessieg während der IDJM einzufahren und damit noch Silber zu erobern. „Ich habe vorher auf keine Ergebnisliste geguckt, um mich nicht zu belasten. Dass es dann zum Tagessieg gereicht hat, ist super. Ich hatte auf Bronze gehofft, nun ist es Silber“, freute sich Schewe. Der neue Meister Hoffmann konnte sich ein wenig in die Rolle von Peitzner hineinversetzen: „Ich war auch schon mal in dieser Situation. Diesmal wollte ich unbedingt gewinnen.“ Der Streicher im ersten Rennen war einkalkuliert, der chaotische Start im zweiten notwendig, um in der letzten Wettfahrt noch auf Platz eins vorzuziehen.

German and Dutch Open der 5.5mR
Der Open-Titel für Deutschland und die Niederlande geht auf die Bahamas. Mark Holowesko war bei seinem Europa-Trip nicht zu schlagen und durfte nach acht Wettfahrten bereits vorzeitig an Land, um sein Boot wieder reisefertig zu machen. Während das niederländische Teams von Piet van Opzeeland noch an den Landsleuten um Arend Jan Pasman vorbeizog, musste sich der Schweizer Jürg Menzi mit Platz vier begnügen. Er hatte seglerisch zwar eine starke Serie. Ein Frühstart und ein verpasstes Rennen waren aber ein Streichresultat zu viel.

Kielzugvogel/Formula 18/O-Jollen
Bei den Ranglisten-Regatten der drei weiteren Klassen beendeten die Segler der Kielzugvögel ihre Travemünder Woche am Samstag. Jörg Friedlein/Oliver Babik (Hattingen) agierten meist vor dem Feld und segelten vor dem letzten Start mit dem Gesamtsieg in der Tasche wieder nach Hause. Es folgten auf den Podiumsplätzen Herbert Kujan/Manfred Kempf (Foggensee) sowie Wolfgang Emrich/Klaus Ebbinghaus (Wörthsee).
Formula 18 und O-Jollen gehen noch am Sonntag an den Start. Hier starten Justus Wolf/Maximilian Said (Hamburg) bei den Katamaranen und der Niederländer Onno Yntema auf der ehemals olympischen Einmann-Jolle als jeweils Führende in den finalen Tag.

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