In T-Shirt und kurzer Hose durch die TW

Die 5.5er sorgten für tolle Bilder auf der Bahn. Foto: segel-bilder.de

Nach einem relativ ruhigen Bergfest der Travemünder Woche auf den Bahnen in der Lübecker Bucht, steigert sich das Geschehen wieder bis zum Samstag. Am Donnerstag wurde für die O-Jollen und Formula 18 eine weitere Bahn eröffnet, die 5.5mR gesellten sich zu den Kielzugvögeln und Variantas, außerdem arbeiten die Vaurien (WM), die Flying Junior (EM) und die Laser-Jugendlichen (IDJM) weiter hart an ihrem Meisterschaftsprogramm. Mit guten Winden ab dem Mittag wurden die Akteure für ihre Geduld in den vergangenen Tagen belohnt.

Vaurien
Die Serie ist gerissen: Francesco Zampacavallo/Carlos Armengot aus Spanien mussten am vierten Tag der Vaurien-Weltmeisterschaft zwei „Dämpfer“ hinnehmen. Nach sechs Siegen in Folge mussten sich die Dominatoren der WM mit zwei zweiten Plätzen begnügen. Zum Abschluss des Tages fanden sie aber wieder in die Spur und gewannen Rennen Nummer neun. Fünf Wettfahrten wären noch möglich, 14 Punkte beträgt inzwischen der Vorsprung auf die verfolgenden Landsleute Tirso Atares/Gonzalo Rodriguez sowie Antonio Perez/Laura Llopiz, die sich immerhin jeweils über einen Tagessieg freuen durften. Davon sind die Deutschen weit entfernt, die sich im Mittelfeld der WM tummeln. Klassenpräsident Peter Lakshmanan/Nele Biener sind als 17. die besten. „Die Top-Ten sind vorerst außer Sicht. Wir hoffen noch einen rauszuhauen, haben aber Probleme mit den Wellenbedingungen. Das neue Boot fährt super, aber ich stelle es immer wieder in den Wellen ab. Da ist irgendwie der Wurm drin“, analysierte Lakshmanan.

Flying Junior
Die Niederländer behaupten weiterhin klar die Spitze der Europameisterschaft, die Deutschen hinter den Medaillenrängen tauschen fast täglich die Rolle als erste Verfolger. Schienen zunächst Heiko Riffeler/Claudia Riffeler-Lörcks in der Lage, der Flotte aus dem Nachbarland Paroli zu bieten, kamen zwischenzeitlich Bernd Hater/Paula Scharf stark auf. Mit der etwas auffrischenden Brise sind es nun Thorsten Willemsen/Stephanie Tauchert, die zwei Punkte hinter dem Bronzerang noch Chancen auf einen Podestplatz haben. Die beiden erste Ränge scheinen aber an Guido Sol/Hugo de Jong sowie Hylke Sasse/Bart van den Hondel vergeben. Esther und Rolf de Jong verteidigen noch knapp Rang drei.

Varianta
24 Boote rätseln, wie Frank Schönfeldt/Gerd Becker zu stoppen sind. Nach neun Wettfahrten führen die Titelverteidiger mit acht Siegen und einem sechsten Platz die Deutsche Meisterschaft der Variantas an. „Da fällt mir auch nichts ein. Bei diesen Bedingungen sind die beiden einfach überragend schnell“, sagt Olaf Bertallot, der mit seinem Bruder Kai der erste Verfolger ist. „Frank startet mäßig und fährt dann einfach nach vorn. Da kann man wenig machen. Er müsste schon zwei Frühstarts hinlegen, damit er noch zu stoppen ist. Aber genau das macht er eben nicht“, so Bertallot. So scheint der Titel vor dem morgigen Abschlusstag vergeben. Die Bertallot-Brüder kämpfen somit um den Vizetitel, der bei 15 Punkten vor den drittplatzierten Manfred Brändle/Markus Auferoth bereits am Horizont leuchtet.

Laser 4.7
Lübecks große Hoffnung auf eine Medaille bei den Deutschen Jugendmeisterschaften, Jesper Bahr, startete mit einem dicken Patzer in die Finalrennen der Laser 4.7. Mit Platz 25 packte er ordentlich Punkte auf das Konto, kann dieses Resultat aber momentan noch streichen. „Er hat komplett die falsche Seite erwischt. Zum Glück hat er im nächsten Rennen gleich wieder gekontert. Noch ist alles drin“, sagte Bahrs Trainer Uwe Schimanski vom Lübecker YC. Tatsächlich blieb abgesehen vom souveränen Spitzenreiter Mewes Wieduwild (Berlin) kaum einer von einem Patzer verschont. Und so rangiert Bahr hinter dem bisher sieben Mal (von acht Rennen) siegreichen Wieduwild auf Platz zwei. Batbold Gruner (Bad Zwischenahn) liegt auf dem dritten Podiusmplatz, bevor sich eine kleine Lücke zu den nächsten Plätzen auftut.

Laser Radial
Bei den Laser Radial hält Moritz Peitzner aus Kiel das deutsche Olympiaboot von 2016 weiter in Schach. Julian Hoffmann aus dem Allgäu ist mit dem ehemaligen Boot von Philipp Buhl, Deutschlands bestem Laser-Segler, unterwegs, präsentiert sich auch stark, muss sich aber weiterhin hinter dem starken Moritz Peitzner einreihen. Bei schwierigen Bedingungen am ersten Finaltag mit drehenden Winden und Strömung auf dem Kurs begann Peitzner mit einem weiteren Tagessieg, versackte dann aber beim zweiten Start und musste sich erst einmal nach vorn arbeiten. „Es war nicht einfach, den richtigen Weg zu finden, über die Außenbahnen ging fast gar nichts. Ich bin dann immerhin als Zwölfter am ersten Fass angekommen“, so Peitzner. Im Ziel war es dann sogar der fünfte Platz und damit ein weiteres Top-Resultat in einer Serie, die bisher ohne Streicher auskommt. „Man hofft natürlich immer und rechnet sich was aus. Bisher sieht es gut aus. Ich möchte gern eine Medaille, aber es kann noch viel passieren“, sagte Peitzner vor den beiden Abschlusstagen. Vier Rennen in der Goldflotte der IDJM sind noch geplant. Das ursprünglich ausgeschriebene Medal Race wird nach den Vorgaben von Klassenvereinigung und DSV nicht stattfinden.

5.5mR
Ein sehr gemischtes Feld von internationalen Startern bringen die 5.5mR auf die Bahn, und das spiegelt sich auch in der Ergebnisliste wider. Mark Holowesko (Bahamas) hat nach dem ersten Tag der German and Dutch Open die Führung übernommen – verfolgt von dem Schweizer Jürg Menzi, dem Niederländer Piet van Opzeeland und dem Deutschen Max Müller. Der deutsche Klassenpräsident Kaspar Stubenrauch freute sich über einen perfekten Einstieg in das Travemünder-Woche-Geschehen für seine Klasse: „Wind super, Wetter super, und die Welle gehört eben dazu. Alles absolut top.“ Für den Kieler Thies Först lief es als derzeit 15. von 16 angetretenen Mannschaften zwar nicht rund. Das lag aber nicht an den Bedingungen. „Ich bin in einem Kaltstart von einem klassischen auf einen modernen 5.5er umgestiegen. Und da hatte ich noch etwas Mühe, das Boot am Laufen zu halten“, sagte Först. Die Bedingungen konnte aber auch er genießen: „Früher haben wir viel Geld ausgegeben, um in T-Shirt und kurzer Hose zu segeln. Jetzt haben wir das vor der eigenen Haustür.“

Kielzugvogel
Zweiter Tag, gleiche Sieger: Jörg Friedlein/Oliver Babik (Hattingen) bleiben ihrer Linie treu und punkten weiter fleißig mit Tagessiegen. Ohne Makel führen sie nach vier Wettfahrten vor Jürgen Reichardt/Gerd Stejskal (Essen).

Formula 18
Zur Kieler Woche hatten die Travemünder-Woche-Rekordsieger Helge und Christian Sach noch auf einen Start verzichten müssen, da das neue Boot noch nicht da war. Zu ihrem Heim-Event sind die ehemaligen F18-Weltmeister aber am Start und spielen gleich weit vorn mit. Doch für Platz eins reicht es noch nicht für die Zarnekauer, und damit werden sie in den kommenden Tagen kräftig für ihren 21. Sieg zur TW kämpfen müssen. Nach drei Wettfahrten liegen die US-Amerikaner Steve Stroebel/Matt Morris vor Justus Wolf/Maximilian Said (Hamburg) und den Sach-Brüdern.

O-Jollen
Im traditionellen Zwei-Länderkampf der olympischen Einmannjolle von 1936 haben nach dem ersten Tag die Niederlande den Bug vorn. Onno Yntema segelte nach dem Tagessieg zum Auftakt im zweiten Rennen auf Platz zwei und liegt damit vor Ralf Goepfert und Harry Voss auf dem Platz an der Sonne.

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