Im Rausch vom Fliegen, Springen und Speed

Bunte Kite-Schirme am Himmel, über dem Wasser schwebende Boards und rasante Geschwindigkeiten – die olympische Klasse Formula Kite ist mit ihrer Internationalen Deutschen Meisterschaft bei der Travemünder Woche ein echter Hingucker auf dem Wasser. Ganz vorne fliegt dabei Jan Vöster mit, der aktuell auf Platz zwei liegt. Schon früh hat der 18-Jährige beschlossen „Ich will fliegen“ und wechselte zum Kite-Foilen mit Kurs Olympia.

Die Faszination für den Wassersport hat Jan Vöster aus Neuenburg am Rhein von seinem Vater geerbt, der selbst passionierter Windsurfer und Kiter ist und etliche Jahre Windsurfregatten bestritten hat. „Im Wasser habe ich mich schon immer wohlgefühlt. Den Familienurlaub – oft am Comer See oder in der Bretagne – habe ich meist im Neoprenanzug verbracht. Das Kiten hat mich früh fasziniert, aber damit musste ich mich etwas gedulden. Mein Vater hat gesagt: ‚Wenn du 30 Kilo wiegst, darfst du anfangen.‘ 2016 war es dann endlich so weit: Ich war schwer genug. Vorher bin ich schon den Kite am Strand geflogen, und mein Vater hat mich festgehalten, damit ich nicht abhebe“, erzählt Nachwuchskiter Jan Vöster.

Schnell hat der 18-Jährige beim Kiten gemerkt: „Ich will fliegen.“ 2018 stieg er deshalb aufs Foilen in die Klasse Formula Kite um. Ein Jahr später trat er bei ersten Regatten an. Seitdem geht es für den Baden-Württemberger beim Kiten „in großen Schritten voran“. Regelmäßig erfliegt er mit seinem Kite gute Platzierungen in den Top-Ten. Bei den Youth Worlds in Den Haag/Niederlande belegte er Anfang Juli Rang sechs. Vösters langfristiges Ziel ist klar: Olympische Spiele, am liebesten schon 2028 in Los Angeles. Im Oktober steht für den Kiter aber erst einmal die WM der Elite an, um weitere Erfahrung zu sammeln – und im kommenden Jahr das Abitur. Danach will sich der Athlet vom Württembergischen Yacht-Club (WYC) voll auf seine Kite-Karriere konzentrieren. „Was mich am Kiten begeistert, ist das Spiel mit Wind und Wasser. Das Fliegen, Springen und die Geschwindigkeit sind einfach toll. Ich fühle mich beim Kiten völlig frei“, erklärt er.

Lange war sein Vater Tobias mentaler Coach, Caddy, Trainer, Trainingspartner und Sponsor in einem. Mittlerweile trainiert Jan Vöster mit einem Verbandscoach. „Richtig professionelles Training absolviere ich erst seit dieser Saison. Vorher habe ich zwar auch gezielt trainiert, aber jetzt in der Trainingsgruppe profitiere ich zum Beispiel von Match Races“, erzählt Vöster. Beim Athletiktraining würde er vom DSV unterstützt. Zusätzlich stehen dreimal die Woche Lauftraining und fünf- bis sechsmal in der Woche Krafttraining im Fitnessstudio an. Das Ziel: ein grundlegender Kraftaufbau, aber auch das Zulegen an Masse, denn das Körpergewicht spielt eine wichtige Rolle beim Kite-Foilen. Wer vorne mitfliegen möchte, sollte mindestens 85 bis 90 Kilogramm und gerne auch mehr auf die Waage bringen.

In den vergangenen Wochen ist Jan Vöster viel auf Kite-Events im Ausland unterwegs gewesen. Mallorca, Hyères in Südfrankreich, die U21-WM auf Sardinien und die Youth Worlds in Den Haag waren die Stationen. Wenn er zu Hause ist, behält er stets den Wind im Blick und fährt bei guter Vorhersage zum Kiten an den Bielersee oder Neuenburgersee in der Schweiz. In Travemünde kitet Vöster zum allerersten Mal: „Die Location ist schön, auch wenn das beim Rausgehen aufs Wasser hier etwas tricky ist.“

Sein Travemünde-Debüt gibt auch gerade Vösters Mitstreiter Alexander Ehlen aus Frankreich, der für den Yacht Club Monaco startet. Seine Begeisterung formuliert er wie der drei Jahre jüngere Vöster. „ Am Kite-Foilen gefällt mir das Freiheitsgefühl und die Geschwindigkeit. Unsere Disziplin ist mit Geschwindigkeiten von rund 35 Knoten wohl mit die schnellste auf dem Wasser“, sagt der 21-Jährige, der in Hyères in Südfrankreich lebt. Ursprünglich kommt Ehlen vom Segelsport, ist in den Klassen Nacra 15 und J/70 gesegelt und war auf dem Hobie-Katamaran französischer Meister. Mit 16 Jahren ist er vom Boot auf das Kite-Board umgestiegen und kurz danach bei ersten Rennen gestartet. In der Lübecker Bucht kitet er zum ersten Mal. „Es ist eine schöne Destination und eine gute Kombination aus Segelveranstaltung und Festival“, so der Profi-Kiter, der noch auf einen Startplatz für die Olympischen Spiele in seinem Heimatrevier Marseille hofft und in Travemünde aktuell klar die Nase vorn hat.

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