Helga Klitsch: 30 Jahre im Einsatz für die TW

Nach 30 Jahren in Diensten der TW hat Helga Klitsch zu diesem Jahr ihre Aufgaben übergeben. Foto: Udo Ott

Es ist ein neues Gefühl für Helga Klitsch zur Travemünder Woche: Ganz entspannt kann sie am Vormittag an der Travepromenade sitzen, den Blick auf das Wasser und die vorbeiziehenden Schiffe genießen. „Das ist die Travemünder Woche, wie ich sie mag“, sagt die 80-Jährige. „Wenn es zu drängelig wird, dann ist das nicht meine Sache.“ Aber Zeit, um sich in den Trubel zu stürzen, hätte sie in den vergangenen 30 Jahren ohnehin nicht gehabt. Zu sehr war sie in die Organisation der TW eingespannt, hat von 1989 bis zu diesem Frühjahr in verschiedenen Funktionen für das Regatta-Event gearbeitet. Nun aber hat Helga Klitsch ihre Arbeiten übergeben und kann sich das Geschehen gelassen von außen angucken.

„Der Travemünder Woche fühle ich mich natürlich immer noch zugehörig, bis vor wenigen Wochen war ich ja damit beschäftigt, Unterkünfte zu organisieren“, berichtete Helga Klitsch. „Natürlich bin ich auch schon durch das Clubhaus durchgegangen, habe alle begrüßt. Das war ein schönes 'Hallo'.“ Vor 30 Jahren, also zur 100. Travemünder Woche, war sie in das Team gelotst worden – und das, obwohl sie selbst gar nicht segelt. Aber sich für das Ereignis in ihrer Heimat (vor 45 Jahren war die gebürtige Berlinerin nach Travemünde gekommen) einzusetzen, war ihre eine Herzensangelegenheit.
Die ersten zwei Jahre hat sie in der Pantry mitgearbeitet, dann hatte sie sich aber für andere Aufgaben interessiert. Im Team für die Siegerehrungen, das die Preise zu organisieren hat, fühlte sie sich schnell gut aufgehoben. Budget verwalten, Preise ausgucken und besorgen – das entsprach ihren Vorstellungen. „Ich komme aus der Textilbranche. Da hatte ich sehr ähnliche Aufgaben zu übernehmen.“ So nahm Helga Klitsch zu dem Lübecker Traditionsunternehmen Rotter-Glas Kontakt auf, ging über Messen und sammelte so die Ideen, was sich als Preise für die Travemünder Siege eignen würde. Rotter und die Travemünder Woche: Das passte! Später kam das original Niederegger Marzipan dazu, mit dem die Pokal gefüllt worden.
Diese Lübecker Connection ist bis heute eine enge Verbindung geblieben. Wenn auch nicht immer ungefährlich. „Es war gleich in meinem ersten Jahr, als ich zur Siegerehrung dem Wettfahrtleiter den Glaspokal überreichen wollte. Bei der Übergabe rutschte er einfach zwischen unseren Händen durch, knallte auf den Boden und zersprang in tausend Teile“, berichtet Helga Klitsch und erinnert sich noch gut an das vorwurfsvolle Gesicht des Wettfahrtleiters. „Und nun?, hat er gefragt. Da habe ich nur gesagt: Nun besorge ich einen neuen Pokal und der wird dann nachgeschickt.“ Typisch trockene Berliner Art eben.
Nach dem Fauxpas ist ihr aber in den kommenden über 20 Jahren nie wieder ein Malheur passiert, obwohl insgesamt mehrere Tausend Gläser und Pokale besorgt und übergeben werden mussten. Eine Silberschale ist indes verloren gegangen. Eigentlich sollte der Wanderpreis der siegreichen Mannschaft aus Russland nur kurz für die Preisverleihung angereicht werden, um dann wieder ins Archiv zu wandern. Aber der Wettfahrtleiter gab den Preis einfach mit – verloren für immer.
Helga Klitsch brachte sich auch an anderer Stelle in das Geschehen ein – übernahm noch die Organisation der Unterkünfte sowie der Bekleidung für die Helfer. Auch zwischen den Travemünder Woche war sie noch für den Lübecker YC da, stand bei den beiden Umbauten des Regattaschuppens in 1994 und 2016 bereit, um Handwerker im Bedarfsfall rein und raus zu lassen. „Ich bin ja vor Ort, und der LYC selbst ist ja in der Innenstadt.“
Sieben TW-Chefs hat Helga Klitsch in ihrer Zeit erlebt. Besonders intensiv war ihr Verhältnis zu Claus-Dieter Stolze: „Wir konnten über alles reden. Es war ein toller Zusammenhalt.“ Gern erinnert sich die 80-Jährige vor allem an die stimmungsvollen Siegerehrungen, wenn große Klassen am Start waren oder die Jugendlichen für Stimmung sorgten.
Nach 30 Jahren in Diensten der TW war aber zu diesem Jahr Schluss. Im Frühjahr wurde sie von TW-Geschäftsführer Frank Schärffe und dem Sportlichen Leiter Jens Kath im Rahmen des Frühjahrstreffen der TW-Helfer verabschiedet: standesgemäß mit einem Rotter-Glaspokal gefüllt mit lecker Niederegger Marzipan.

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