FJ feiert Ostsee-Comeback mit EM

Die FJ nutzen die TW als perfekte Plattform für ihre EM. Foto: KV

Der ursprüngliche Name verleiht dem Flying Junior zwar ein jugendliches Image, doch tatsächlich kann die Klasse auf eine über 60-jährige Tradition zurückblicken. 1955 wurde der Flying Junior als kleiner Bruder des ehemals olympischen Flying Dutchman entwickelt, war vor allem Trainings- und Jugendboot. Doch mit den Jahren hat die gut vier Meter lange Jolle ihre Eigenständigkeit entwickelt, hat seit 1969 den Status als internationale Klasse des Weltseglerverbandes und pflegt inzwischen auch eher die Bezeichnung als FJ-Klasse.

Weltweit ist die Klasse verbreitet, in Japan etwa war sie über Jahrzehnte mit 400 bis 700 Jollen das Ausbildungs- und Schulungsboot schlechthin. In Europa sind es die Benelux-Staaten, Italien, Slowenien und Deutschland, die die größten Flotten stellen und die sich bei der Europameisterschaft wohl einen harten Kampf um die Vergabe des Titels liefern werden.

Mit der EM vor Travemünde gibt die FJ-Klasse nach vielen Jahren ein Comeback auf der Ostsee. „Es ist schon einige Jahrzehnte her, dass wir zur Travemünder Woche waren. Aber das Event ist eine gute Plattform, um die Klasse mal wieder über den regionalen Raum hinaus zu präsentieren“, sagt die deutsche Klassenvorsitzende Eileen Abert. Neben den EM-Wettfahrten freut sie sich besonders auf die SAP Trave Races. Am Mittwoch, 25. Juli, sind hier die fliegenden Junioren geplant, um sich im Showrennen unmittelbar vor Publikum zu präsentieren.

Vor allem auf einigen Seen im Westen Deutschlands ist der FJ stark. Die größte Flotte zur Travemünder Woche stellt der SC Lippstadt, der gleich zehn Crews in die EM-Entscheidung schickt. Darunter ist auch das Urgestein der deutschen FJ-Klasse. Norbert Riffeler, immerhin fünf Jahre älter als die FJ-Klasse, wird sich nicht nur mit der europäischen Elite, sondern auch mit der eigenen Familie messen müssen. Denn auch Heiko und Matthias Riffeler sind mit ihren Crews am Start. Sie alle können zur EM im Vorderfeld mitmischen. Die Favoriten auf den Titel kommen zwar aus Italien, aber aus Deutschland sind gleich eine Handvoll Teams gut für einen Rang in den Top-Ten.

Auch wenn sich der FJ in Deutschland vor allem auf den Seen etabliert hat, kann die traditionelle Klasse auch Ostsee, wie Eileen Abert betont: „Wir haben mit See-Bedingungen kein Problem. Auch auf der Nordsee wird der FJ gesegelt.“ Die Jolle ist sehr robust gebaut, selbst Boote aus den Anfangsjahren der Entwicklung sind noch auf dem Markt – einige durchaus konkurrenzfähig. Denn das Design des Rumpfes hat sich bis heute gehalten. Mit der Weiterentwicklung der Segel hin zu Laminat-Tüchern hat der FJ indes seine Performance weiter erhöht.

Doch gerade die Zurückhaltung bei Neuerungen macht die Trapez-Jolle für viele attraktiv. „Die FJ sind definitiv anders als viele andere Leistungsklassen. Man hilft sich und baut an den Booten, und man trifft sich auch außerhalb der Regatten“, so Eileen Abert. Die Travemünder Woche soll diese Tradition weiter stärken, wenn die Flotte von rund 40 Crews auf dem Grünstrand für eine Woche zur internationalen Gemeinschaft wird.

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