Ex-Weltmeister Thomas Schmid hofft auf Wind

Der Hamburger Thomas Schmid kann auf viereinhalb Jahrzehnte Segelerfahrung zurückgreifen. Im Finn-Dinghy hat er 1988 in Brasilien WM-Gold geholt und Platz sechs bei den olympischen Spielen belegt. Insgesamt 13 Jahre ist der heute 63-Jährige auf höchstem Weltniveau gesegelt. Aber auch heute ist er noch auf dem Wasser erfolgreich: 2019 wurde er Ü60-Weltmeister, und bei der IDM im Rahmen der Travemünder Woche tritt er als Titelverteidiger an. Doch trotz Erfolgen findet er mittlerweile: „Es gibt noch mehr als Segeln im Leben!“

Wenn er auf seine Segelkarriere zurückblickt, ist es kein einzelnes Ereignis, das ihm besonders in Erinnerung geblieben ist, sondern die gesamte Zeit in der Nationalmannschaft. „Das war eine tolle Zeit, in der ich viel an Lebenserfahrung gewonnen und viele Freundschaften geschlossen habe, die zum Teil bis heute bestehen. Selbst bei den Masters treffe ich noch Freunde von früher auf der Regattabahn“, freut sich Schmid, der erst mit 18 angefangen hat, leistungsorientiert zu segeln – zu spät, wie er selbst findet.

Insgesamt 13 Jahre hat er Segeln als Leistungssport betrieben, treu geblieben ist er dem Regattabetrieb aber bis heute, und ein Ende ist vorerst noch nicht in Sicht. In dieser Saison stehen für Schmid noch zwei größere Regatten auf dem Programm: die Dänischen Meisterschaften und – wenn ausreichend Meldungen erreicht werden – im August die Europameisterschaft in Kiel. Im kommenden Jahr hat Schmid allerdings noch keine Regattapläne. Dann steht für den mehrfachen Großvater die Familie im Vordergrund, da zwei seiner fünf Kinder heiraten.

Nach seinem Rentenantritt im Frühjahr 2024 wird er aber sicher deutlich häufiger mit seinem Boot auch auf der Flensburger Förde anzutreffen sein, wo die Familie auf der dänischen Seite ein Ferienhaus besitzt. „Ich habe dort und in Hamburg jeweils ein segelfertiges Boot liegen und kann im Wechsel auf der Elbe und der Flensburger Förde segeln. Das bedeutet aber nicht, dass ich das Regattapensum erhöhen werde. Irgendwann habe ich gemerkt: Regatten sind schön, aber es gibt auch noch mehr. Hauptmotivation zum Weitersegeln ist es, sich sportlich zu betätigen und fit zu bleiben“, erzählt der passionierte Segler.

Gar nicht mehr zu segeln, sei definitiv keine Option, das hätte ihm eine rund sechsjährige Pause in einer sehr arbeitsintensiven Phase in der Versicherungsbranche in der Vergangenheit gezeigt. „Damals lag der Fokus nur auf der Arbeit, und das hat mir nicht gut getan.“ 2008 hätte er sich deshalb entschlossen, wieder mehr zu segeln. Der Name seines Bootes, „Back to the Roots“, bezieht sich auf die Rückkehr zum Segelsport. Seitdem gelte für ihn wieder: „Ich segele in jeder freien Minute.“

Travemünde schätzt Schmid als anspruchsvolles Segelrevier, Regatten hat er dort allerdings selten bestritten. „Die Travemünder Woche hat sich in der Vergangenheit meist mit anderen Veranstaltungen überschnitten. Das letzte Mal war ich hier, als es noch die DDR gab. Ich freue mich, nun wieder hier an den Start zu gehen. Alles passt: tolles Revier, tolle Organisation und ein toller Standort für unsere Klasse am Möwenstein. Nur der Wind könnte gerne noch etwas zunehmen“, sagt Schmid.

Der Auftakt der IDM bei der Travemünder Woche bei eher leichten Winden verlief nicht ganz optimal für den ehemaligen Weltmeister: Ein Frühstart im zweiten Rennen hat ihn zurückfallen lassen. Nach dem zweiten Wettfahrttag belegt der Hamburger im 64 Segler starken Feld Platz 14.

 

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