Bettenwechsel zur Travemünder Woche: Gleich zwei Weltmeisterschaften, drei Europameisterschaften und eine Ranglistenregatta wurden am Dienstag beendet, während sieben Weltmeisterschaften erst so richtig durchstarteten. Beeindruckend ist die Erfolgsbilanz der Briten. Sie räumten in vier Meisterschaften das Gold ab. Bei den Finn-Dinghys ging der Sieg nach Schwerin, und in der inklusiven Klasse der RS Venture Connect durften in den unterschiedlichen Kategorien Australien und Spanien feiern.
RS Tera:
Die Klasse RS Tera kürte heute ihre neuen Weltmeister und Weltmeisterinnen in den Kategorien Pro und Sport. An den vier angesetzten Wettfahrttagen wurde dem Segelnachwuchs eine große Bandbreite an Bedingungen geboten: von Wellen und starken Böen, die am ersten Tag viele Aktive zum Kentern brachten, bis hin zu Leichtwind am letzten Tag der WM. Nach insgesamt acht Wettfahrten standen die Sieger fest: Freddie Harrison (RS Tera Sport) und Charlie Hunt (RS Tera Pro).
Rein britisch ist das Podium bei den RS Tera in der Kategorie Sport besetzt. Mit nur einem Punkt Vorsprung holte Freddie Harrison vom Cumard Sailing Club auf der Isle of Wight Gold. Silber geht an Harry Wilson aus Ostengland. Die Binnenseglerin Aggie Priestley vom Ullswater Yacht Club schnappte sich Bronze in der Gesamtwertung und damit auch die Goldmedaille bei den Mädchen. Die Irin Alexis Skinner lag bei den Mädchen auf Rang zwei, gefolgt von der Britin Isabelle Nuttall. Die Briten Freddie Harrison, Harry Wilson und Barney Rhodes stehen bei den Jungs auf dem Siegespodest.
Harrison konnte es kaum fassen, plötzlich Weltmeister zu sein. „Es fühlt sich toll an, das Segeln hat Spaß gemacht“, sagte er. Dann sah er, wie der Weltmeister der Kategorie Pro nach der Siegerehrung samt Nationalflagge im Hafenbecken landete, und ergänzte: „Ich glaube ich bin der Nächste.“ Er behielt Recht: Meister um Meister gingen nicht ganz freiwillig baden.
Bei den RS Tera der Kategorie Pro unterbrach der Drittplatzierte Oleksandr Chykalov aus der Ukraine die britische Siegesserie. Er war punktgleich mit dem Zweiten, dem Binnensegler Hari Clark. Mit nur einem Punkt Vorsprung vor den beiden gewann Charlie Hunt aus Southampton Gold. Alle drei erhielten zusätzlich die Medaillen der Wertung der Jungswertung. Multinationaler gestaltet sich das Podium bei der Mädchenwertung. Arina Duzha aus der Ukraine holt mit großem Abstand Gold vor der Britin Molly Wilson und Polina Baranova aus Estland.

RS 700:
In dem nur neun Boote starken Feld der RS 700 kam an Rob Higgins aus Cornwall bei der Europameisterschaft im Rahmen der Travemünder Woche niemand vorbei. Nur das erste von insgesamt sechs ausgetragenen Rennen beendete der Brite nicht auf Platz eins. Es war ein zweiter Rang, den er als Streicher nutzte. Mit deutlichem Abstand zum Zweitplatzierten sichert sich Higgins EM-Gold. Knapper ging es beim Zweit- und Drittplatzierten zu. Mit nur einem Punkt Vorsprung holte der Tscheche Adam Plhon Silber vor dem Briten Matt Carter.
RS 800:
Acht Rennen absolvierten die RS-800-Seglerinnen und -segler während ihrer Europameisterschaft. Die Briten hatten in der Klasse klar den Bug vorne und stellten das komplette Podium in der Haupt- sowie der Kategorie „Team mit Steuerfrau“. In der Hauptkategorie siegte das Mixed-Team Louis Johnson/Lucy Hewitson. Silber ging an Monique Vennis-Ozanne und Hugh Shone, gefolgt von Blake und Brett Tudor auf dem Bronzerang. Bei den Steuerfrauen lauten die Erst- bis Drittplatzierten: Monique Vennis-Ozanne, Tracey Covell und Elsie Munro. In der Masterwertung unterbrach ein französisches Team, Alexandre Emanuel/Victor Robart, die britische Siegesserie. Gold geht an Ian und Laura Jubb, Silber an Tracey und Freddie Covell. In der Jugendwertung starteten nur Elsie und Scott Munro.

RS Venture Connect:
Mit einem Tag Verzögerung aufgrund widriger Wetterbedingungen stiegen die Seglerinnen und Segler der inklusiven Klasse RS Venture Connect in ihre Europameisterschaft ein. Umso intensiver segelte die Flotte zwei Tage später. Um nicht einen weiteren Tag ohne Rennen zu riskieren, trugen die RS Venture Connect am vorletzten EM-Tag ihre Wettfahrten in den ruhigeren Gewässern der Pötenitzer Wiek aus und segelten dort bis in den späten Abend hinein.
Der Overall-Sieg ging an die Inclusive-Weltmeister Genevieve Wickham und Grant Alderson aus Australien. Die als Titelverteidiger angetretenen Spanier Pau Toni Homar und Ramón Gutierrez mussten sich diesmal mit der Silbermedaille zufrieden geben. Pedro Câncio Reis und Teodoro Cândido aus Portugal holen mit minimalem Vorsprung Bronze vor dem deutschen Team Carsten Sibbert/Johannes Nee. „Es war für uns aus Australien ein langer Weg für ein paar Tage segeln. Aber wir lieben Deutschland: Denn jedes Mal, wenn wir hier an einer Meisterschaft teilnehmen, gewinnen wir“, sagte Grant Alderson mit einem Augenzwinkern.
In der Inclusive-Wertung jedoch freuen sich Carsten Sibbert und Johannes Nee über Silber. Adam Billany aus Großbritannien holt zusammen mit Shaun Billany Bronze. Der Sieg geht auch hier an das australische Team Genevieve Wickham und Grant Alderson. „Als wir die Wettervorhersage gesehen haben, wussten wir, dass es problematische Bedingungen sein würden, und hatten ein wenig Sorge. Die Entscheidung, uns gestern in der Pötenitzer Wiek segeln zu lassen, war sehr gut und hat die EM gerettet. Wir sind zufrieden. Es war eine coole Veranstaltung, nur heute hätten wir ein bisschen mehr Wind gebraucht“, sagt Carsten Sibbert.

Gold in der Para-Wertung nehmen Pau Toni Homar und Ramón Gutierrez mit in die spanische Heimat. Pedro Câncio Reis und Teodoro Cândido aus Portugal gewinnen Silber. Die Bronzemedaille geht an das deutsche Team Dirk Thalheim und Stephanie Brix. „Wir waren das erste Mal in Travemünde, und alles hat uns sehr gut gefallen: die große Beteiligung an der EM und auch die Atmosphäre an Land auf dem Festival. Und natürlich freuen wir uns, bei unserer zweiten WM-Teilnahme nach unserem Sieg 2025 in Oslo wieder eine Medaille zu gewinnen“, sagen die Goldmedaillengewinner der Para-Wertung. Außerdem seien die Temperaturen in Travemünde deutlich angenehmer als momentan in der Heimat Mallorca.
Jens Kroker, Deutschlands erfolgreichster paralympischer Segler landete mit seinem jungen Vorschoter Malden Scheffler als 16. im Mittelfeld der Meisterschaft.
„Das waren schwierige Bedingungen, ein Auf und Ab“, berichtete Kroker (57), dem seit der Geburt die linke Hand fehlt. Scheffler ist ohne linken Unterarm aufgewachsen. „Wir sind das erste Mal zusammen gesegelt und immer besser reingekommen, sind in der Para-Klasse trotz einer Disqualifikation aufgrund eines Frühstarts am Ende Sechster geworden“, berichtete Kroker und war sehr zufrieden. Vor allem lobte er den 14-jährigen Scheffler: „Sehr beeindruckend. Er ist unsere Zukunft, sehr reif für sein Alter.“
Kroker, der im Oktober die Inklusions-WM in Portimao im Blick hat und da wieder solo im Hansa 303 startet, will das inklusive Segeln über seine Turning Point Stiftung auch beim Lübecker Yacht-Club verankern. „Ich bin da mit dem Vorsitzenden Lutz Kleinfeldt in Gesprächen, wir planen erste Aktivitäten an der Wakenitz.“ Gut möglich, dass dann auch Malden Scheffler dabei ist. Er hat ihn für seine Stiftung als Übungsleiter engagiert.
Auch in den anderen Klassen – abseits der RS Gaes – ging das TW-Geschehen munter weiter. Der Zweikampf um den TW-Titel der Finns wurde am Dienstag schnell zu einer klaren Angelegenheit für den Schweriner André Budzien. Souverän konnte der mehrmalige Weltmeister der OK-Jollen seinen Kontrahenten Fabian Lemmel (Berlin) im Kielwasser halten und so Punkt für Punkt auf die Habenseite bringen. „Ich hatte das Gefühl, dass er heute auf der Kreuz nicht so schnell war. Das macht es dann natürlich einfacher“, berichtete Sieger Budzien, der einen Grund in der Segelwahl sah: „Ich habe ein tieferes Profil gewählt. Das lief gut. Als der Wind zum Ende hin schwächer wurde, war es allerdings am Limit.“ Doch Budzien rettete auch in der finalen Wettfahrt noch einen ersten Platz vor seinem Widersacher ins Ziel.

Drei Rennen gab es am Dienstag – bei zunächst guten, später schwachwindigen Bedingungen. Zuvor hatten die Finn-Segler die ganze Wind-Palette an ihren vier Tagen in der Lübecker Bucht geliefert bekommen. „Bei den harten Winden ist es zwar schwierig in der Welle am Mövenstein anzulanden, aber die Finn-Klasse hat sich gut organisiert. Daher hatten wir jederzeit viel Spaß“, so Budzien, der die Deutsche Meisterschaft im September in Berlin als Saisonhöhepunkt auserkoren hat. „Auf Fabians Hausrevier möchte ich ihn natürlich ein bisschen ärgern.“
Der Start zum Gold-Cup der Folkeboot ist ein Wiedersehen mit einer Bootsklasse, deren Aufschwung ins Regattageschehen unmittelbar mit Lübeck verbunden ist. 1963 hat der Lübecker Senator Alfred Hagelstein einen ein Kilogramm schweren Goldpokal für die Klasse gestiftet. Seitdem wird diese Trophäe alljährlich ausgesegelt und gilt als die wichtigste Regatta und inoffizielle Weltmeisterschaft der Klasse. Über Jahrzehnte war Lübeck ein wiederkehrender Austragungsort für den Gold-Cup. In den vergangenen 15 Jahren wurde er aber in anderen Stätten Europas ausgetragen. Nun ist der Pokal aber zurück in der Heimat, und 42 Trios in dem klassischen Kielboot machen sich Hoffnung, die Trophäe für ein Jahr ihr Eigen nennen zu dürfen.
Nach den ersten beiden Wettfahrten halten sich die erfolgsverwöhnten Dänen auf der Gold-Jagd noch etwas zurück. Die jeweils dreimaligen Gold-Cup-Gewinner Per Hovmark sowie Per Buch liegen mit ihren Crews nach zwei Wettfahrten in Lauerstellung auf das Podium. An der Spitze steht mit zwei konstanten zweiten Plätzen Andreas Blank aus Berlin, gefolgt vom Schweden Anders Cederblad und der besten deutschen Gold-Cup-Crew der vergangenen Jahre um Ulf Kipcke (Kiel), die bereits zweimal den Gold-Cup gewonnen hat.

Italien oder Spanien – auf jeden Fall Südeuropa. So sieht die Rangliste der Weltmeisterschaft der Vaurien stets aus. Und auch die Vaurien Worldchampionship by Spraga zur Travemünder Woche scheinen da keine Ausnahme zu machen. Nach vier Wettfahrten haben sich die WM-Dritten des vergangenen Jahres, Olmo Cerri/Giola Bertolani (Italien) die Top-Position gesichert. Die bisherige Serie von drei Siegen und einem dritten Platz ist beeindruckend. Ihnen am dichtesten am Heck hängen die Vize-Weltmeister von 2025, Pablo Cabello Vieitez/Isabel Cabello Canas (Spanien), bevor sich schon mit deutlichem Abstand die Franzosen Francois-Xavier Drogou/Caroline Guilloux auf Rang drei einreihen.