Königliche Drachen kommen mit großen Persönlichkeiten

Die Drachen haben die Lübecker Bucht als herausragendes Segelrevier wiederentdeckt. Nach der Austragung der Deutschen Meisterschaft zur Travemünder Woche im vergangenen Jahr kommt die ehemals als Königsklasse bekannte Klasse nun mit dem zweiten Act in ihrem Grand-Prix-Circuit wieder und beschert der Regattawoche damit den Auftritt internationaler Segelpersönlichkeiten. Meldungen und Informationen gibt es unter manage2sail.com.

Es ist eine glanzvolle Geschichte, die den Drachen umgibt. 1929 als günstiges Einheitskielboot in Norwegen vom „König der Linien“, Johan Anker, entworfen, entwickelte es sich in Skandinavien, Deutschland und England wegen seiner guten Segeleigenschaften und der hohen Seetüchtigkeit schnell zu einem beliebten Fahrtenboot. Aber auch die Regattasegler passten es auf ihre Belange an, und so wurde der Drachen 1948 Olympiaklasse – und blieb es bis zu den olympischen Segelwettbewerben 1972 vor Kiel.

Konstruiert vom König der Linien

Die europäischen Königshäuser entdeckten die Klasse für sich. Konstantin II., der spätere und letzte König von Griechenland, wurde 1960 sogar Olympiasieger in Rom. Juan Carlos von Spanien segelte 1972 bei den Olympischen Spielen vor Kiel. Und auch der frisch zum König von Dänemark gekrönte Frederik X. war in seiner Zeit als Thronfolger ein leidenschaftlicher Drachen-Segler. Eine enge Verbindung gab es zudem über viele Jahre zwischen Königin Silvia von Schweden und der Drachen-Klasse. Sie war bei vielen Grand Prix‘ dabei, um für ihre gemeinnützige Childhood-Foundation zu werben.

Travemünde war über viele Jahrzehnte ein wichtiger Part im Regattakalender. 1938 wurde erstmals der Goldpokal, die wichtigste Regatta der Klasse, in der Lübecker Bucht ausgetragen. Es folgten bis 1989 fünf weitere Regatten um den Goldpokal vor Travemünde. Danach allerdings wurde es ruhig in der Beziehung der Königsklasse mit Lübeck, der Königin der Hanse.

Gesegelt von den europäischen Königshäusern

Doch im vergangenen Jahr feierten die Drachen mit der Austragung der Deutschen Meisterschaft ihr Travemünde-Comeback und packen nun mit dem Grand Prix noch einen drauf. Die Serie, die von Italien über Deutschland nach Irland führt und zum Finale wieder in Italien gastiert, startete im Frühjahr auf dem Gardasee und kommt mit dem zweiten Jahresauftritt zur Travemünder Woche.

Jan Woortman, Regatta-Manager der Drachen, sieht gute Gründe, wieder nach Travemünde zu kommen: „Die Lübecker Bucht ist ein wunderschönes Revier, und für die Drachen bestens geeignet – wie die ehemaligen Goldpokal-Events zeigen. Mit dem Grand Prix wollen wir an alte große Zeiten anknüpfen.“

Travemünder Woche Regatta und Festival
Die Drachen werden für schöne Motive in der Lübecker Bucht sorgen. Foto: Christian Beeck

Dass die Drachen bei der Deutschen Meisterschaft im vergangenen Jahr mit viel Regen und schwierigen Winden zu kämpfen hatten, hält die Klasse nicht vom Travemünde-Auftritt ab: „So viel Pech mit dem Wetter wie im vergangenen Jahr wird es sicherlich nicht noch einmal geben“, sagt Woortmann und ergänzt: „Das Ambiente hat uns sehr gut gefallen. Wir genießen es, gemeinsam mit anderen Klassen zur gleichen Zeit zu segeln. Oft tragen wir mit den Drachen die großen Events abseits der Hochsaison ganz für uns aus. Das ist zur Travemünder Woche anders. Und was kann es Schöneres geben, als mitten im Hochsommer die Sonne und das Strandfeeling in der Lübecker Bucht zu erleben?“ Die vier Segeltage zum Auftakt der Travemünder Woche soll auch die Nachwuchscrews der Klasse locken. Woortman: „Es kommen junge Leute in die Klasse. Wir wollen diese Eigendynamik verstärken, stellen Charterboote zur Verfügung.“

Der gesellige Abend mit dem Empfang auf der Passat und auch die zeitliche Nähe zur Europameisterschaft, zwei Wochen später in Pärnu/Estland, sollten zudem dafür sorgen, dass eine große Flotte mit bekannten Namen nach Travemünde kommt. Denn im Anschluss an die TW kann es per Fähre ganz entspannt in Richtung Finnland und dann ins Baltikum gehen.

Olympiasieger und America’s-Cup-Legende am Start

Zur Deutschen Meisterschaft im vergangenen Jahr waren es 30 Crews vor Travemünde, jetzt erwartet Woortman noch ein Plus, vor allem durch die internationalen Teilnehmer. Bereits gemeldet hat Evgeny Braslavetz. Der Ukrainer gewann 1996 vor Atlanta/USA Olympia-Gold im 470er, war 2001 in dieser Klasse Weltmeister. Danach hat er seine neue Segelheimat im Drachen gefunden, war zweimal Zweiter (2013 und 2016) beim Drachen Gold Cup und wird sein Können nun vor Travemünde unter Beweis stellen wollen.

In Starterliste zur Travemünder Woche stehen noch weitere Persönlichkeiten – so etwa Peter Gilmour. Der Australier ist ein Multi-Talent in Sachen Regattasegeln, segelte von der kleinen Jolle bis hin zum America’s Cupper alle Klasse. Vier Mal wurde er Weltmeister im Match Racing. An fünf America’s Cups, dem Kampf um die berühmteste Segeltrophäe der Welt, nahm er teil – als Skipper und als Coach. 2007 gelang ihm der große Coup, als er den Cup als Coach vom Schweizer Team Alinghi in die Höhe stemmen durfte.

Travemünder Woche Regatta und Festival
Enge Rennen sind zur Travemünder Woche zu erwarten. Foto: Christian Beeck

Gilmour startet in einem australisch-japanischen Team zur Travemünder Woche und wird sich auch mit starker weiblicher Konkurrenz auseinandersetzen müssen. Die Hamburgerin Nicola Friesen gewann im vergangenen Jahr die WM-Silber-Medaille bei den historischen Holz-Drachen, und Tanja Jacobsohn bringt besondere Expertise mit. Als Lübeckerin verfügt sie im Team mit ihrem Mann Bernhard und Jan Scharffetter nicht nur über herausragende Revierkenntnisse, sondern zeigte bereits 1990 als Weltmeisterin in der olympischen 470er-Klasse, dass sie eine Steuerfrau von Weltklasse-Niveau ist. 2017 bestätigte sie ihre Klasse auch im Drachen, wurde auf dem Thunersee in der Schweiz Europameisterin unter den Amateuren.

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