Zum Finale der Travemünder Woche kommt es Schlag auf Schlag. Während die Variantas mit Frank Schönfeldt/Gerd Becker bereits ihre national Besten kürten, folgen in den kommenden beiden Tagen noch zehn Klassen auf den Dreiecksbahnen, die Gold, Silber und Bronze bei nationalen und internationalen Meisterschaften sowie den Ranglistenregatten vergeben. Dazu steigen am Sonnabend die Seesegler mit den Mittelstrecken-Rennen wieder in das Geschehen ein.

Eine der Jüngsten im Feld der 136. Travemünder Woche sorgt für die stärkste Siegesserie. Die 14-jährige Mila Weniger von der Talsperre Zeulenroda im Vogtland reiht zu den German Nationals der Open-Skiff-Klasse einen Sieg an den anderen. Nach sieben ersten Plätzen in Serie ohne einen Ausrutscher kann sie sich fast schon ausruhen, ohne den Titel in der Jugendklasse noch zu gefährden.
Die deutschen Titelträger der Variantas stehen sogar schon fest, und Zweifel am Erfolg von Frank Schönfeldt/Gerd Becker hat es im Verlauf der Serie von neun Wettfahrten auch nie gegeben. Acht Siege fuhr der selbst ernannte Matrose Schönfeldt ein, der in den vergangenen Jahrzehnten in den Bootsklassen Pirat, Conger, J/24, H-Boot und Varianta Titel gesammelt hat wie ein Hamster Sonnenblumenkerne. Für Schönfeldt ist der weitere Triumph ein nachträgliches Geschenk zum 70. Geburtstag, den er vor neun Tagen gefeiert hat. Auf den weiteren Podiumsplätzen mit Respektsabstand folgen Olaf Bertallot/Jörg Klein (Hannover) und Arnd Ritter/Thomas Overkämping vom Möhnesee.

Die beiden anderen Klassen auf der Bahn der Variantas haben noch einen Tag vor dem Bug, bevor die Sieger feststehen. Ein enges Rennen ist im Finale der Kielzugvögel zu erwarten. Wolfgang Emrich/Klaus Ebbinghaus vom Wörthsee haben sich mit einem starken Tag einen Punkt Vorsprung vor den bisher Führenden, Axel Fischer/Michael Schiermann (Gifhorn) und zwei weitere vor Manfred Brändle/Stefanie Gouverneur (Duisburg erarbeitet.
Dagegen scheint dem Travemünder-Woche-Sieg und damit dem Gewinn der Deutschen Meisterschaft in der Dyas für Jens Olbrysch/Norbert Schmidt (Herrsching) kaum etwas im Weg zu stehen. Nach insgesamt fünf Wettfahrten steuert das Duo klar auf Kurs ihres fünften Titelgewinns in dieser Klasse. Maximal drei Rennen können zwar noch gesegelt werden, aber für die Verfolger Stefan Kreiss/Sonja Diezler (Steinberg) und Arndt Fingerhut/Andreas Malcher vom Edersee wird es wohl nur noch um Silber und Bronze gehen.

Mit dem Sieg beim Volksbank Trave Race am Donnerstagabend haben Bernard Boime/Gilles Espinasse richtig Fahrt aufgenommen für die 470er-Ranglisten-Regatta zur Travemünder Woche. Die Franzosen, die gern in Deutschland segeln und bei der Deutschen Meisterschaft im vergangenen Jahr auf Platz zehn gelandet sind, ließen dem Erfolg beim Showrennen auf dem Kurs in der Lübecker Bucht zwei Siege und einen zweiten Platz folgen und übernahmen damit die Spitze des internationalen Feldes. Die deutschen Starter nehmen vorerst die Positionen hinter dem Podium ein, haben aber am Sonnabend noch die Chance, das zu ändern. Aktuell haben die Schweizer Frederik Huck/Gabriele Konrad den Silberrang vor Helena Schiffke/Paul Hoppe (Österreich) inne.
Keine Veränderung gab es bei den Top-Platzierungen der Olympiajollen, auch wenn der führende Niederländer Thies Bosch mit einem zweiten Platz im vierten Rennen einen ersten leichten Fleck auf der ansonsten blütenweißen Weste erhielt. Die beiden Ergebnisse von Ingo Hüter gingen mit Platz sechs und Platz eins hoch und runter. Der Tagessieg zum Tagesabschluss sichert dem Lübecker aber einen guten Vorsprung vor seinem LSV-Klubkollegen Arne Assmann.

Frisch auf die Bahn Delta sind die Seascape 18 dazugestoßen, die vor Travemünde ihre German Open austragen. Und der offen ausgetragene deutsche Titelkampf lockte auch Teams aus Dänemark und Schweden an. Damit müssen sich die Teams unter der schwarz-rot-goldenen Flagge für die Siegertrophäe ordentlich strecken. Nach dem ersten Tag führen die Schweden Anders Joensson/Henrik Aulin vor Walter Wüllenweber/Martin Schmidt (Hamburg) und Jan Wilkens/Tobias Rieger (Hohen Wieschendorf).
Für Katamaran-Action sorgen die drei Topcat-Klassen auf der Bahn Charlie sowie die Formula 18, die weit draußen auf der Lübecker Bucht ihre Bahnen ziehen. Dicht vor dem Gewinn der Europameisterschaft im K1 stehen die Wolfsburger Sascha und Rene Treichel, deren Dominanz immer mehr Konturen gewinnt. Sie müssten in den verbleibenden beiden Rennen am Sonnabend schon ausfallen, damit die Österreicher Mathias Equiluz/Susanne Wallner noch vorbeiziehen könnten. In der K2-Konkurrenz ist es sogar noch deutlicher. Robert Zank/Tim Stiegler (Ammersee) dürfen die Sektflasche für den Gewinn der internationalen Meisterschaft schon köpfen. Zwei Rennen vor Abschluss sind sie nicht mehr einholbar. Mehr Spannung ist bei den solo gesegelten K3. Paul Säger bleiben nur noch zwei Punkte Vorsprung vor Christian Enzmann. Der drittplatzierte Pole Jakub Drygas kann allerdings nicht mehr in den Titelkampf eingreifen.
Zur Halbzeit der F18-Serie kommt mehr Spannung ins Feld. Nachdem die TW-Rekordsieger Helge und Christian Sach (Zarnekau) an Tag eins vier Siege einfuhren, mussten sie das beste Tagesergebnis am Freitag dem Vater-Sohn-Gespann Jesse und Sven Lindstädt überlassen. Beide Crews landeten je zwei Siege. Mit den weiteren Plätzen zwei und vier schoben sich Lindstädt aber minimal dichter an die Sach-Brüder heran. Besser in Fahrt sind der Olympiadritte Paul Kohlhoff und Vorschoter Tom Heinrich gekommen. Die beiden bilden ein Spontan-Duo für die Travemünder Woche, haben nur einmal vorher zusammen trainiert, segelten an Tag zwei mit der Serie 2, 5, 5, 2 aber eine starke Serie ein und verbesserten sich auf Platz acht.