Spannende Rennen um die Titel

Die Schlagzahl an Entscheidungen zur 133. Travemünder Woche erhöht sich. An einem drückend heißen Tag war von den Wettfahrtleitungen auf den sechs Regattabahnen schnelles Handeln und aufmerksames Agieren gefragt. In der Luft hing ein hohes Gewitterrisiko, das von der mobilen Einsatzzentrale von THW und DRK Wasserwacht in enger Kommunikation mit der Regattaorganisation genau beobachtet wurde. Doch bis zum Nachmittag schlugen die Unwetterzellen im Westen Schleswig-Holsteins eine nördliche Zugrichtung ein. Konsequenz: Die Europameisterschaften in drei Hobie-Klassen, die German Open der J/22 und die Norddeutsche Meisterschaft der Dyas gingen mit der maximal möglichen Anzahl an Wettfahrten zu Ende. Bestens verteilt wurden die europäischen Titel: Italien, Österreich und Deutschland feierten jeweils EM-Gold.

14 Rennen in drei Tagen: Die Jugendlichen der Hobie-16-Klasse kosteten ihre Segeltage in der Lübecker Bucht in vollen Zügen aus und sammelten reichlich Erfahrungen, um ab Dienstag in die Qualifikation für die Open-Kategorie der EM zu starten. Nach leichten Winden am Wochenende gab es am Montag einen Hauch mehr Wind für die insgesamt 26 Duos. In der Wertung der Hobies ohne Spi sicherten sich die Schwestern Charlotte und Wiebke Finkemeyer aus Kronshagen überlegen den Sieg vor Eske und Stina Schermer (Niendorf) sowie Floor und Francien Holleman aus den Niederlanden. Als Europameister dürfen sie sich aber nicht feiern lassen, denn diese Medaillen werden nur für die Spi-Segler vergeben. Und dort gab es eine italienische Meisterschaft mit polnischer Beteiligung. Die Top-Acht gingen an Italien: Gianmarco Gini/Elisa Mustacchi siegten vor Valerio Tomassi/Eva Maria Orsolini und Filippo Palumbo/Gaia Merli.

Bei den Masters der Hobie 16 mussten die Europameister des Vorjahres, Stefan Griesmeyer/Caterina Degli Uberti, einen Dämpfer hinnehmen. Der ehemalige Master-Weltmeister Jens Goritz durfte mit Anke Delius an der Vorschot seiner reichen Trophäensammlung einen weiteren Pokal hinzufügen. Der Föhrer siegte vor Christian Diederich/Christina Schober (Bordesholm/Hamburg). Mr. Hobie Detlef Mohr schob sich mit Karen Wichardt zum Abschluss noch auf Rang drei und warf damit Griesmeyer/Uberti vom Podest. Chance zur Revanche gibt es bereits ab Donnerstag, wenn die Master-Teams zu den Open wieder eingreifen, für die sie schon vorqualifiziert sind.

Dann sind auch die Österreicher Klemens und Gundi Kitzmüller mit von der Partie. Die EM-Fünften des vergangenen Jahres gewannen mit einer Serie von ausschließlich ersten und zweiten Plätzen überlegen den Titel bei den Spi-Hobies.

Im Kampf um den German-Open-Titel der J/22 überstand die Crew um Reiner Brockerhoff (Duisburg) alle Angriffe vom Trio um Holger Schmitt (Lohheider See). „Diamanten entstehen unter Druck“, so der deutsche Skipper, der mit seiner französischen Mannschaft seit zehn Jahren erfolgreich segelt. „Im ersten Lauf heute haben wir vom Start weg geführt und es sicher verteidigt. Im zweiten mussten wir uns an Holger Schmitt vorbeiarbeiten, haben dafür einen kleinen Rechtsdreher genutzt“, berichtet Brockerhoff, der im nächsten Jahr nach noch größeren Sternen greift, wenn die WM in Travemünde gesegelt wird. „Wir waren bereits WM-Dritte und WM-Zweite. Jetzt wollen wir noch mehr.“

Nach weiteren Erfolgen schielt auch Arndt Fingerhut mit seinem Vorschoter Andreas Malcher. Die Edersee-Crew sicherte sich überlegen den Titel der Norddeutschen Meister in der Dyas vor Michael Bünten/Christof Siemer vom Rursee sowie Manfred und Maximilian Appel (Tegernsee). Die ersten TW-Tage waren für die Dyas nur Warm-up für die Deutsche Meisterschaft ab Donnerstag. „Es kommen noch ein Crews dazu, aber keine, die wir nicht auch abkochen könnten“, so Fingerhut. „An Travemünde haben wir beste Erinnerungen. „2014 haben wir hier bereits unseren ersten und einzigen deutschen Meistertitel gewonnen. Jetzt hoffen wir, dass es Wind gibt, dann sollte es eigentlich klappen. Auf Michael Bünten müssen wir natürlich Acht geben, der war schon zweimal Deutscher Meister.“

Für die anderen Klassen des Montags geht die Travemünder Woche in den kommenden Tagen noch in weitere Runden. Frisch auf den Kurs in der Lübecker Bucht sind die Formula 16 mit ihrer Weltmeisterschaft eingebogen, und die Franzosen zeigten gleich mal, dass die Titelvergabe nur über sie läuft. Mit drei Siegen übernahmen Thomas Proust/Clement Martineau die Führung vor ihren Landsleuten Michel Kermarec/Fanny Merelle.

Ein enttäuschend kleines Feld hat sich für den deutschen Titelkampf der Folkeboote angemeldet. Da eine meisterschaftswürdige Flotte nicht erreicht wurde, geht es nur um einen inoffiziellen Titel. Nach drei Wettfahrten stehen erwartungsgemäß die Kieler Mannschaften an der Spitze. Es führt Walther Furthmann vor Ulf Kipcke und Jürgen Breitenbach.

TW-Halbzeit haben die Hobie Dragoon und Hobie 14 bei ihren Europameisterschaften. Die Jugend-Klasse (Dragoon) führen die Italiener Leonardo Vascellari/Gaia Benedetta Frau klar an, auf dem Ein-Personen-Kat Hobie 14 zeigt aktuell eine Frau den Männern das Heck. Tanja Rindt vom SSC Bosau hat sich nach sechs Wettfahrten bereits ein gutes Punktepolster gegenüber Friedhelm Weller (Dümmer) verschafft.

Vor dem Abschlusstag der Finn-DM kommt Titelverteidiger Thomas Schmid (Hamburg) besser in Fahrt. Mit einem Sieg und einem dritten Platz arbeitete er sich auf Rang drei vor. An der Spitze scheint der Berliner Fabian Lemmel allerdings nichts anbrennen zu lassen. Mit einem ersten und einem zweiten Platz hat er zwölf Punkte Vorsprung und braucht in den ausstehenden zwei Wettfahrten nur noch ein Top-Resultat. Rang zwei verteidigte der Däne Otto Strandvig.

In den Startlöchern für das Finale steht auch die Sailing Champions League (SCL). Mit dem drohenden Gewitter am Himmel beendete die internationale Clubmeisterschaft den Tag, an dem der NRV Hamburg eindrucksvoll seinen Gipfelsturm fortsetzt. Mit deutlichem Punktvorsprung ist dem Team um Steuermann David Chapman der Einzug in das Finale der besten Vier nicht mehr zu nehmen. Dahinter sind die weiteren Plätze für den Showdown allerdings noch nicht vergeben. Die Mannschaften von den Ålands (Finnland), vom Bodensee (Schweiz) und aus Roskilde (Dänemark) haben derzeit die besten Karten dafür in der Hand.

Die Entscheidung über den Sieg in der SCL fällt in einem besonderen Format: Die Top-Vier ziehen in das Finale ein, in dem jeder Rennsieg einen Punkt bringt. Der Vorrunden-Sieger wird bereits mit einem Punkt gesetzt und hat damit Top-Chancen auf den Triumph. Denn sobald eine Mannschaft zwei Zähler auf dem Konto hat, ist das Finale entschieden. „Bisher war das Finale aber noch nie sofort beendet“, berichtete Oliver Schwall, Initiator und Chef-Organisator der SCL. Er erwartet also Höchstspannung bis zur Entscheidung und will die Brisanz noch ankurbeln. Favorisierter Austragungsort des Finals ist die Trave vor der Passat. Schwall: „Es müssen aber faire Windverhältnisse bestehen. Wir entscheiden am Dienstag bis um 12 Uhr, ob wir es so machen.“

Bei einigen Aktiven käme die Trave als Austragungsort gut an. „Das wäre super, dort vor der Passat im Finale segeln zu können. Bei uns zu Hause auf den Ålands liegt das Schwesterschiff Pommern“, erzählte die finnische Crew, die derzeit auf Platz zwei liegt.

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