Mit dem Wind kamen die Veränderungen

Auf der Bahn der Optimisten war viel los. Foto: Udo Ott

Mit dem Einstieg in die finale Phase der Internationalen Deutschen Jugend- und Jüngstenmeisterschaften (IDJM) änderten sich die Windbedingungen für die rund 900 Teilnehmer in den elf Disziplinen. Waren in den ersten Tagen vor allem die Leichtwindspezialisten im Vorteil, kamen nun die Crews zum Zuge, die es gern etwas windiger mögen. Das sorgte in diversen Klassen auch für Veränderungen in den Ergebnissen – einschließlich einiger Führungswechsel. Während die Jugendlichen bereits seit Montag im Meisterschaftsrhythmus sind, legten die J/22 am Freitag mit ihren German Open erst los.

Optimisten
Die Optimisten der Spitzengruppe hatten am Freitag ein volles Programm, denn nach den Rennen im Kampf um die Deutsche Jüngstenmeisterschaft standen auch noch die entscheidenden Wettfahrten im Team Race an. Den Spitzenseglern scheint das nichts auszumachen. Mic Mohr führt aktuell vor seinem Bruder Roko, der im vergangenen Jahr den Titel gewonnen hat. Auf Rang drei folgt die aus Deutschland stammende und für Dänemark startende Helena Wolff.

Teeny
Stefan Schmidt/Moritz Kretschmar (Seeburger See) weisen in der Teeny-Klasse immer mehr nach, dass sie in einer eigenen Liga segeln. Mit zwei weiteren ersten Plätzen füllten sie ihr Siegkonto auf nunmehr sechs Top-Platzierungen in den zehn Wettfahrten auf. Da sie auch in den weiteren vier Rennen niemals schlechter als Platz fünf segelten, ist die Meisterschaft vor den beiden abschließenden Wettfahrten so gut wie entschieden. Carlotta Meyer/Constantin von Camron (Dümmer) sowie Nik und Oke Nommensen (Plön) werden eher nach hinten schauen, um ihren Podiumsplatz abzusichern.

Europe
Seit Mitte der Meisterschaften spielt in der Europe-Klasse der Bordesholmer Frederik Frerck seine Trümpfe aus, und mit den Rängen 1 und 2 am Freitag schob er sich in die Rolle des ersten Verfolgers von Spitzenreiter Robert Zink (Stevertalsperre). „Der etwas stärkere Wind liegt mir ganz gut. Da kann ich dann meine kleinen Geschwindigkeitsvorteile ausspielen, und es ist einfacher, die richtigen taktischen Entscheidungen zu treffen“, berichtete Frerck, der zu Beginn der Meisterschaften unter dem Eindruck der Frühstart-Disqualifikation in der ersten Wettfahrt stand. „Das war sehr ärgerlich, denn ich war da als Dritter im Ziel. Und danach war der Kopf nicht frei. Das hat man auch in den ersten Ergebnissen gesehen.“ In seinem letzten Jugendjahr schien die Chance auf die erhoffte Top-Platzierung damit zu schwinden. Doch durch die Steigerung zur zweiten Meisterschaftshälfte hat Frerck nun wieder alle Möglichkeiten auf einen Medaillengewinn eröffnet. Der Titelgewinn scheint indes nur schwer realisierbar zu sein. Denn Robert Zink hat bereits 19 Punkte Vorsprung. Einen Ausrutscher darf sich der Führende allerdings auch nicht mehr erlauben. „Man soll sich nicht zu viel erhoffen, aber ich werde kämpfen bis zum letzten Zieldurchgang“, kündigte Frerck einen finalen Wettstreit um den Titel an. Aber auch die weiteren Verfolger sind nicht weit entfernt. Aktuell liegt Vincent Schrader (Hüde) auf dem Bronzerang.

O'pen Bic
Für Leonard Beyer läuft im O'pen Bic derzeit alles nach Plan. Egal ob bei wenig oder bei etwas mehr Wind – der junge Hamburger ist stets in der Spitzengruppe dabei. Und so hat er sich nach 15 von 18 Wettfahrten auch schon ein Zehn-Punkte-Polster vor Ken Izuki (Japan) angelegt. Nach der nationalen Meisterschaft steht für ihn mit der WM-Teilnahme auf dem Gardasee gleich der nächste Höhepunkt auf dem Plan. Und auch der Klassenwechsel in den Nacra15-Katamaran ist bereits eingeleitet. Die ersten Regatten sind bereits in der Kat-Klasse gesegelt. Aktuell geht es für den Sportler des Hamburger SC darum, die passende Teampartnerin für den Mixed-Kat zu finden.

Piraten
Obwohl der Tag für Tobias Call/Nick Houben (Aachen) alles andere als optimal lief, können sich die Titelverteidiger der IDJM der Piraten ganz entspannt auf den finalen Tag der Meisterschaft vorbereiten. Mit 16 Punkten führt das Duo vor dem Ex-420er-Meister Tom Schönfeldt mit Caspar Miebach (Hamburg) und Robin Call/Henrik Junge (Aachen). Nach fünf Siegen in den ersten Meisterschaftstagen mussten Call/Houben allerdings am Freitag auf einen Sieg verzichten. Im Gegenteil: Mit den Platzierungen 6, 2, 2 fuhren sie sogar ihr Streichresultat ein. „Im ersten Tagesrennen hatten wir ein paar Probleme beim Start, haben uns noch etwas nach vorn gearbeitet, aber so richtig hat es nicht geklappt“, berichtete Tobias Call. Und im Tages-Abschlussrennen gingen die Titelanwärter sogar baden. „Unter Spi sind wir einmal durchgekentert, haben das Boot aber zum Glück schnell wieder aufrecht gehabt.“ Danach setzten sie ihre Jagd nach vorn fort und konnten sich sogar noch bis auf Platz zwei vorarbeiten. Damit sind sie kaum mehr von der Spitze zu verdrängen, zumal sich die beiden punktgleichen Verfolger gegenseitig belauern werden.

Laser 4.7/Laser Radial
Während bei den Laser 4.7 die Meisterschaft bereits entschieden scheint, ist bei den Laser Radial ein harter Kampf um die Goldmedaille entbrannt. Julia Hoffmann (Allgäu) trotzt bei den 4.7 allen Reisestrapazen von der WM und hat sich den größten Vorsprung in allen IDJM-Klassen erwirtschaftet. Nach dem Gewinn des U16-Vizetitels am Montag bei der WM, legte Hoffmann auch zur IDJM gleich mächtig los. Zwei Siegen zum Start in die nationale Meisterschaft folgte zwar ein 25. Platz, danach reihte der 14-Jährige aber Top-Ergebnisse in direkter Folge aneinander. 50 Zähler liegen zwischen ihm und dem zweitplatzierten Gunnar Kröplin (Schwerin). Damit muss Hoffmann in den verbleibenden beiden Rennen nur noch einmal in die Top-50 des 64 Teilnehmer starken Feldes segeln, um sich die Meisterschaft zu sichern.
Dagegen liegen zwischen der führenden Laura Schewe (Kiel) und ihrem Verfolger Nico Naujock (Berlin) bei den Laser Radial lediglich sechs Punkte. Damit ist für den Finaltag noch alles offen. Moritz Peitzner aus Kiel wird von Rang drei dagegen wohl nicht mehr nach vorn angreifen können.

29er
Im nationalen Ranking scheinen die Vorjahres-Jugendmeister Paul Pietzcker/Linus von Oppen (Berlin) ihre Top-Position sicher zu haben. International kann es am Abschlusstag der Titelkämpfe noch einen Schritt nach oben gehen. Doch mit den kräftigen Winden am Freitag verbesserte das Duo seine Position auf Gesamtrang zwei hinter den Norwegern Mathias Berthet/Alexander Franks Penty und vor den Niederländerinnen Tess Wilschut/Femke van den Berg.

420er
Der starke Wind spielte den Titelfavoriten Daniel Göttlich/Linus Klasen (Berlin) im 420er voll in die Karten. Nachdem sie die Geschwindigkeitsvorteile der Mädchen-Crew Theresa Steinlein/Lina Plettner (Bayern) in den Leichtwindtagen nicht kontern konnten, waren sie nun voll in ihrem Element: „Auf diese Bedingungen haben wir hin gearbeitet, da sie schon die ganze Zeit angesagt waren. Jetzt hat sich der Wind endlich durchgesetzt“, berichtete Linus Klasen. „Da zudem Flagge ,O' gesetzt war, durften wir rocken, und damit hatten wir durchgängig hohen Bootsspeed.“ Da auch für den finalen Tag viel Wind angesagt ist, macht sich die Berliner Crew „keine großen Sorgen“ für die Verteidigung ihrer Position. „Hauptsache es geht nichts kaputt wie zur Kieler Woche, als wir am letzten Tag noch aus den Medaillenrängen rausgefallen sind“, so Klasen. Nach der IDJM geht es noch zur Jugendeuropameisterschaft an den Gardasee, bevor Göttlich/Klasen in den olympischen 470er wechseln werden.

Bic Techno 293/Bic Techno 293 Plus
Wechsel an der Spitze des Rankings bei den Surfern in der Klasse des Bic Techno-Brettes mit größerem Segel und größerer Finne: Die Zwischenstufe zum olympischen RS:X-Board führt nun der Paderborner Richard Sprenger an, der mit einem vierten Platz und zwei Tagessiegen an der bisher führenden Selina Horber (Chiemsee) vorbeizog. Dagegen bleibt in der „Normal-Version“ des Techno-Brettes alles beim Alten. Felix Kupky (Berlin) verteidigte seine Spitzenposition vor Samy Vielhuber (Cheimsee).

J/22
Drei Starts, drei klare Siege: Besser hätte der Meisterschaftseinstand für Svend Hartog mit seiner Crew nicht sein können. Die Lübecker scheinen die zehn Konkurrenten bestens im Griff zu haben. „Wir mögen es, wenn das Boot schräg liegt. Und die heutigen Bedingungen waren perfekt für uns“, berichtete Hartog. Vom Start weg übernahm das LSV-Team die Führung und sicherte sich drei klare Tagessiege mit teilweise 200, 300 Metern Vorsprung. „Bis auf ein Mal haben bei uns auch alle Manöver sehr gut geklappt. Aber wir werden vorsichtig bleiben, denn es muss nicht so weiter laufen.“ Mit elf Crews ist der Titelkampf etwas dünn besetzt. „Die internationale Termin-Planung ist nicht optimal. Nach der Weltmeisterschaft im Mai ist für viele Mannschaften die Luft jetzt etwas raus“, gestand Hartog.

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