LYC öffnet sein Schmuckstück an der Travepromenade

Foto: www.segel-bilder.de

Travemünde kann ab sofort mit einem frisch polierten Schmuckstück an seiner Promenade auftrumpfen, der Lübecker YC hat eine neugestaltete Heimstätte mit multifunktionellen Einsatzmöglichkeiten, und die Travemünder Woche kann die Regatten im Sommer aus einer Schaltzentrale mit neuem Herz heraus organisieren. Am Freitag, 12. Mai, wurde der ehemalige Rettungsschuppen von Travemünde nach neunmonatiger Umbauzeit wieder offiziell seiner Bestimmung übergeben. Das historische Backstein-Gebäude mit den auffällig grünen Toren beheimatete einst ein Ruderrettungsboot der DGzRS und ist nunmehr seit über 20 Jahren der Standort für höchste Segelkompetenz. Mit der offiziellen Einweihung ist der Rettungsschuppen nun das „Clubhaus Leuchtenfeld“.


Die Geschichte des Gebäudes geht zurück auf eine Sturmflut am 11. November 1873. Damals wird der alte Rettungsschuppen zerstört, und die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) gibt einen Neubau in Auftrag. Auch dieser Bau verschwindet nach einigen Jahren, und so entsteht 1902 das heutige Gebäude. Seit über 140 Jahren ist der Standort zwischen Travepromenade und Leuchtenfeld daher fest verankert mit der maritimen Geschichte von Travemünde. Von den Rettern ging das zweigeschossige Gebäude indes in den 90er Jahren in die Hände der Segler über und ist seit rund zwei Jahren das offizielle Clubheim des LYC in Travemünde, nachdem das ehemalige Clubhaus (Restaurant „Marina“) verkauft worden ist. Mit dem Verkauf des „Marina“ wurden die Planungen für den Umbau des Rettungsschuppen angeschoben, und im Sommer 2016 ging es mit dem Abschluss der Travemünder Woche sofort an die Arbeiten, in die allein Vereinsmittel in Höhe von 250.000 Euro sowie weitere Fremdmittel in gleicher Höhe aus Spenden und Fördermitteln geflossen sind. Die Unterstützungen der Possehl-Stiftung, der gemeinnützigen Sparkassen-Stiftung zu Lübeck, der Sparkasse zu Lübeck, der Eberhard Wienholt-Stiftung sowie einer Zusage des Amtes für Denkmalpflege haben den Umbau erst möglich gemacht.

Nachdem das Gebäude komplett von seiner Einrichtung befreit und entkernt worden war, begann die Grundsanierung. Vor allem Dach und Gauben bedurften dringend einer Auffrischung, aber auch die weiteren Gebäudeteile. Allein die Grundsanierung verschlang einen Großteil der veranschlagten Mittel. In intensiver Abstimmung zwischen dem LYC-Schatzmeister Eberhard Lassen, dem LYC-Vize-Vorsitzenden Michael Tümmler, dem Geschäftsführer der Travemünder Woche gGmbH Frank Schärffe und dem Architekten Stefan Bruns wurde der Rettungsschuppen entkernt und sein ursprünglicher Charakter mit der vier Meter hohen Holzdecke und dem ursprünglichen roten Klinkermauerwerk wiederhergestellt. Der Fußboden wurde mit Holzbohlen ausgelegt, Heizkörper für eine ganzjährige Nutzung installiert. Ein behindertengerechter Sanitärwürfel wurde eingebaut und so gestaltet, dass er die großzügige Raumwirkung nicht zerstört. Außerdem ist ein mobiler Tresen mit Kücheneinrichtung verfügbar.

Das Nutzungskonzept bietet einen Multifunktionsraum mit mobilem Inventar. Der 89 m² große Raum im Erdgeschoss kann für 50 bis 60 Personen Sitzgelegenheiten bieten. Damit ist er für gesellige Anlässe ebenso geeignet wie für Seminare. Im Dachgeschoss sind Arbeitsplätze für Verwaltung, die Regatta-Auswertung, aber auch kleinere Schulungen. Die Travemünder Woche gGmbH bezieht dauerhaft zwei Büroräume im Obergeschoss und hat zur TW das ganze Gebäude zur Verfügung.

Die Begeisterung war zur Eröffnung allseits zu spüren. „Ich denke, wir sind uns einig, dass es wunderschön geworden ist“, sagte die LYC-Vorsitzende Andrea Varner-Tümmler und bedankte sich für die Leidenschaft, mit der die Hauptverantwortlichen Ideen eingebracht haben, die Finanzen im Blick hatten und den Bau schließlich umsetzten. Damit wurde der ehemalige Rettungsschuppen zu einem Hingucker in Travemünde, der auch die Stadtoberen begeistert. Bürgermeister Bernd Saxe, Senatorin Kathrin Weiher und Friedrich Thorn, Bereichsleiter Schule und Sport der Stadt Lübeck, waren zur Einweihung gekommen. „Ist es nicht toll, was der Yacht-Club aus dem ollen Schuppen gemacht hat“, staunte Saxe. Die Verbindung aus maritimem Flair und Hightech-Kern sei rundum gelungen: „Ein Hochtechnologie-Standort in einem schönen alten Gemäuer“, so der Bürgermeister: „Herzlichen Dank, dass sie ein schönes Stück Travemünde wiederbelebt haben.“

Ein großes Dankeschön kam auch von Uwe H. Dreier, Mitglied des Beschlussfassenden Gremiums der DGzRS, die vor über 30 Jahren den Beschluss gefasst hatte, das Gebäude zu verkaufen. „Wir dachten damals, wir brauchen es nicht mehr“, so Dreier, der jetzt mit Wehmut auf das Entstandene blickt: „Ich glaube, wir brauchen es doch.“ Als Travemünder wünschte er sich, dass der nun in „Clubhaus Leuchtenfeld“ umbenannte Rettungsschuppen ein Kleinod für die Ausbildung der Jugend werde.

Zum Abschluss der offiziellen Zeremonie gab noch Architekt Stefan Bruns einen Einblick in seine Arbeit und dokumentierte mit eindringlichen Worten, wie wichtig es ihm war, die Ausstrahlung dieses einfachen, aber doch eindrucksvollen Baus herauszuarbeiten. „Es liegt eine unglaubliche Ruhe und Kraft in diesem Gebäude mit vielen schönen Details.“ Dieses habe er durch das Herausarbeiten der Baumaterialien Backstein, Schiefer und Holz wieder hervorbringen wollen. Auch der Innenausbau richtete sich danach. Lediglich der Sanitärwürfel und die Beleuchtungseinrichtung setzten Kontrastpunkte, wobei die verspielten Lampen in ihrer Formgebung durchaus an Bojen erinnerten und damit den maritimen Bezug wieder aufgriffen.

Nach der offiziellen Übergabe des Gebäudes an den Club durch ein Typhon-Signal streiften die zahlreichen Gäste durch die Räume und bestaunten das neue Schmuckstück von Travemünde.

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