Gelungenes Festival unter schwierigen Rahmenbedingungen

Wenn das Wetter mitspielte, zog es die Besucher zu den Angeboten bei der TW. Foto: segel-bilder.de

Das Wetter war ein bestimmendes Thema bei der 128. Travemünder Woche. Der Regensommer 2017 mit seinen Sturmtiefs hat gehörig in das Geschehen an Land und auf dem Wasser eingegriffen. In der Besucherbilanz der Travemünder Woche hinterließ das Wetter tiefe Kerben.

Dem guten Eröffnungstag folgte ein verregneter Samstag. Noch härter schlug Tief Alfred am Dienstag zu. Erst Regen, dann Sturmböen aus Ost und schließlich Hochwasser-Gefahr führten zur Absage des Segelprogramms und am Abend zur Schließung der Festivalmeile. Auch der Einstieg in das zweite TW-Wochenende war nicht vom Wetter begünstigt, so dass die Travemünder Woche wohl mit einer Besucheranzahl von knapp 700.000 zufrieden sein muss. Die Konzept-Änderungen beim Festival haben sich im Laufe der Woche aber gut eingespielt und fanden beim Publikum großen Anklang, und auf dem Wasser schafften die Wettfahrtleitungen trotz herausfordernder Bedingungen ein fast volles Programm.

Der Besucherstrom habe natürlich Einfluss auf die Zufriedenheit der Schausteller, und die hatten es in diesem Jahr aus wirtschaftlicher Sicht nicht einfach, berichtete Uwe Bergmann von der Vermarkter-Agentur uba aus Hamburg. Doch die Anzahl der Gäste ist nicht das alleinige Kriterium zur Beurteilung des Festivalerfolges. Insbesondere die Aufenthaltsdauer und die Nutzung des Angebots durch die Gäste sind entscheidend. „Und dafür können wir feststellen, dass das neue Angebot im Brügmanngarten nach der Justierung zum Wochenbeginn sehr gut angenommen wurde. Die Gäste haben es genossen und auf den verschiedenen Sitzmöglichkeiten verweilt“, sagte Frank Schärffe, Geschäftsführer der Travemünder Woche gGmbH. Die Abriegelung der Strandallee durch den Holsten Biergarten hat die gewünschte Wegeführung in das Areal des Stadtwerke Lübeck Festivalgarten ermöglicht. Breite Wegeplatten gewährleisteten, dass auch Menschen mit Behinderungen die Rasenfläche gut besuchen konnten.

Daneben stand die neue zentrale Festivalbühne an der Lotsenstation im Fokus der Beobachter. Hier ist ein zentraler Punkt für die Party-Gäste geschaffen worden, die den direkten Zugang zu der Holsten Beach-Area am Strand hatten. Die Fläche hat sich trotz einiger Nachteile gegenüber dem Brügmanngarten (fehlende Überdachung, abfallende Zuschauerfläche) als gut geeignet erwiesen. Die Umwegung des Konzertareals konnte im Bedarfsfall eingerichtet werden.

Damit ist der grundsätzliche Kurs für die Gestaltung der Travemünder Woche in den kommenden Jahren eingeschlagen. Konstruktive Kritik von Gästen und offiziellen Stellen werde in die Beurteilung der TW und die Planung für das kommende Jahr aufgenommen. „Wir lernen aus jeder Travemünder Woche. Und wenn einige Bereiche darunter gelitten haben, dass beispielsweise der Stadtwerke Lübeck Festivalgarten gut angenommen wurde, dann werden wir das in die Konzeptionierung einfließen lassen“, so Undine Heider von uba.

Dringenden Handlungsbedarf sehen die TW-Verantwortlichen bei der verkehrlichen Situation. Die Straßenbaumaßnahmen auf der Autobahn haben gerade beim Abreiseverkehr zu erheblichen Stauungen geführt, was einige potentiellen Gäste – insbesondere aus dem Hamburger Raum – wohl vom Besuch der TW abgehalten hat. Kaum mehr zu vermitteln, ist die Parkplatzsituation. „Durch die zunehmende Bebauung von freien Flächen in Travemünde fällt immer mehr Parkraum nahe am Veranstaltungsareal weg. In diesem Jahr waren es schon 250 Plätze, im kommenden Jahr werden es noch einmal so viele sein“, so Schärffe. „Ich mag gar nicht daran denken, was passiert, wenn auch noch ein Teil des Leuchtenfelds wegfällt. Die Flächen werden dringend benötigt. Schon jetzt hat man gesehen, was passiert, wenn das Wetter in den Abendstunden gut ist: Viele Fahrzeuge wurden einfach wild geparkt – bis weit hinein in die Wohngebiete.“ Hier ist die Politik und die Verwaltung gefordert. Der Ausweichparkplatz Dreilingsberg wird nur greifen, wenn auch ein schlüssiges Park-and-Ride-Angebot entwickelt wird. „Wenn es für die Zukunft keine entsprechenden Parkflächen nahe der Travepromenade und Strandalle gibt, wird Travemünde einen klaren Wettbewerbsnachteil gegenüber andere Kurorten haben“, so Schärffe.

Die Travemünder Woche wird sich auch in Zukunft auf die Herausforderungen einstellen und Trends sowie Wünsche der Besucher aufgreifen. Das aktuelle Konzept passt hier, die Rahmenbedingungen könnten besser sein. Die finale Aus- und Bewertung wird nach der TW mit den wichtigen Stellen aus Politik, Wirtschaft, Vermarkter und der Travemünder Woche gGmbH erfolgen.

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