Stefanie Schwarz pflegt die zarte Surf-Pflanze

Stefanie Schwarz ist zur Travemünder Woche vom Brett auf das Trainer-Boot gewechselt. Foto: segel-bilder.de

In ganz Deutschland ist der olympische Surfsport zusammengebrochen. In ganz Deutschland? Nein! Als Einzelkämpferin hält Stefanie Schwarz die deutsche Fahne im internationalen Regattasport hoch. Soweit es ihre privaten Finanzen zulassen, nimmt die 22-Jährige an Worldcups sowie internationalen Meisterschaften teil. Vor Travemünde ist sie als Trainerin aktiv.

Nach der Jugend-Karriere auf dem Bic-Techno-Board wechselte Steffi Schwarz 2012 auf das olympische RS:X-Brett. Vom heimatlichen Ammersee kam sie nach Kiel und surft vor Surendorf in der Eckernförder Bucht. Zur Travemünder Woche ist Steffi Schwarz indes auf dem Motorboot aktiv. Denn beim Verein Nordwind Wassersport (NWWS) hat sie das Training übernommen und betreut vier Schützlinge bei der Deutschen Jugendmeisterschaft.

Nach den Olympischen Spielen 2012 fuhr der Surfsport in Deutschland in eine Förder-Sackgasse. Kurzzeitig war das Surfen aus dem Olympia-Programm für 2016 gestrichen worden. Damit standen die Steh-Segler nicht mehr im Fokus der öffentlichen Förderung. Als der Weltseglerverband den Schwenk machte und das RS:X-Board doch wieder zur Olympia-Disziplin erklärte, ging der Deutsche Segler-Verband diesen Weg nicht mit. Lediglich Toni Wilhelm wurde noch bis zu den Spielen in Rio gefördert. Die damals beste deutsche Surferin, Moana Delle, hatte mitten in der Olympia-Kampagne ihre Karriere beendet. In Sachen Förderung fiel alles dahinter in ein Loch – auch Steffi Schwarz. Doch von dem Traum, im internationalen Geschehen mitzusurfen und vielleicht mal an Olympischen Spielen teilzunehmen, lässt sie sich nicht abbringen. Ihre größten Förderer sind dabei ihre Eltern. Aus gutem Grund: Ihr Vater Anton Schwarz war einst selbst Hochleistungssegler, wurde 1982 mit Peter Fröschl Weltmeister im damals olympischen Flying Dutchman. Und Steffis Mutter Sonja segelte erfolgreich 470er. Beide wissen daher, wie es ist, dem Segel-Virus zu verfallen und diesen Sport in der Regatta-Version zu lieben.

So plant Steffi Schwarz, die neben dem Sport auch konzentriert ihr Studium in Kiel durchzieht und gerade ihren Bachelor macht, weiterhin internationale Regatta-Teilnahmen, auch wenn es dafür keine öffentliche Unterstützung gibt. Im August steht das Worlds-Testevent in Aarhus/Dänemark an. Schließlich geht es an gleicher Stelle im kommenden Jahr bei den Worlds um die ersten Nationen-Startplätze für Olympia 2020. Die Weltmeisterschaft in Enoshima/Japan im September findet dagegen ohne deutsche Beteiligung statt: Die Reise ist schlicht zu teuer für das private Portemonnaie. „Das Testevent in Aarhus ist damit der Orientierungspunkt, wie es danach weitergehen kann“, sagt Steffi Schwarz und gibt zu, dass sie auf DSV-Unterstützung wohl nicht hoffen kann.

Dabei wäre Stefanie Schwarz die Ideal-Figur, um dem deutschen Surfsport wieder in die Spur zu helfen: leistungs- und opferbereit, aufgeschlossen und voll dem Surfen verschrieben. Und sie ist trotz ihrer jungen Jahre bereit, ihre Erfahrungen an den Nachwuchs weiterzugeben. „Die perfekte Trainerin“, lobt der NWWS-Vorsitzende Martin Kauffmann. „Mit ganz wenigen Mitteln strukturiert sie das Training. Im Grunde braucht sie nur eine Pfeife und nicht mal ein Motorboot, sondern surft mit der Gruppe und kann dann in einem Pausenkreis genau erklären, wer was wo und wie gemacht hat.“

Die Gelobte selbst fühlt sich in ihrer Gruppe einfach wohl. Ihre Schützlinge sind nur unwesentlich jünger, haben gerade das Abitur gemacht und sind seit rund einem Jahr unter ihren Fittichen. Auch wenn es noch nicht zu den Top-Plätzen reicht, so ist die Trainerin doch zufrieden: „Nach etwas mehr als einem Jahr auf dem Brett sieht das schon sehr gut aus. Es gibt immer mal wieder Momente, in denen sie zeigen, was sie können. Und das wichtigste ist, dass sie gut in der Community aufgenommen worden sind.“ Auch für sich selbst zieht Steffi Schwarz etwas aus der Trainertätigkeit: „Das lenkt den Blick immer mal wieder auf das Wesentliche wie zum Beispiel die Wendentechnik.“
Mit dem Bic-Techno-Board ergebe sich für die Surfeinsteiger eine gute Möglichkeit, um in die Regatta-Aktivität einzusteigen. Steffi Schwarz selbst ist über deutsche Jugenderfolge auf dem Brett in die Szene hineingewachsen. Nach dem Zusammenbruch des Geschehens nach 2012 wachse die Aktivität wieder. „Inzwischen kommen schon wieder ganz ansehnliche Felder zusammen. Das Brett ist klasse. Und mit den unterschiedlichen Segelgrößen und der Techno-Plus-Version ist eine gute Möglichkeit gefunden worden, um in Richtung RS:X zu wachsen, ohne das Brett wechseln zu müssen.“

Die Deutschen Jugendmeisterschaften vor Travemünde sind eine gute Gelegenheit, um die Surfer wieder stärker in den Blickpunkt zu rücken, und Steffi Schwarz wird mit dem Blick von außen versuchen, für ihren eigenen Start beim Worlds-Testevent in Aarhus möglichst viel mitzunehmen.

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