Schnelles Agieren ist die Maxime von Wettfahrtleiter Bülow

Trotz aller technischer Hilfsmittel ist das gute Auslegen eines Kurses immer noch Handarbeit für das Team um Meno Bülow. Foto: segel-bilder.de

Wenn die „Camarque“, bezeichnenderweise eine Camarque 48, von Dieter Büntemeyer als Startschiff zu den Regattabahnen hinausfährt, treffen an Bord viele Jahre Travemünder-Woche-Erfahrung aufeinander. Bereits seit 20 Jahren sind Büntemeyer und sein Schiff mit von der Partie. Und Wettfahrtleiter Meno Bülow, der auf der „Camarque“ seinen Dienst versieht, ist seit 1999 dabei.

Eher zufällig kam Büntemeyers „Camarque“ bei der Travemünder Woche zum Einsatz. 1997 fiel das Startschiff „Vera“ aus. Büntemeyer sprang mit seinem 16 Meter langen GFK-Boot spontan ein und blieb dabei. Seit seiner Pensionierung ist der 85-Jährige jedes Jahr rund drei Monate mit seiner Frau Gertrud auf dem Schiff unterwegs. Eine feste Station der Tour ist seit zwei Jahrzehnten die Travemünder Woche. Bevor es für das Ehepaar über Kanäle und Flüsse zurück zum Heimathafen in Düsseldorf geht, gönnen sie sich nach der Travemünder Woche noch einen längeren Aufenthalt in Neustadt in Holstein sowie einen Stopp in Lübeck. „Die ,Camarque' ist unser Wohnwagen auf dem Wasser“, sagt Büntemeyer. Souverän steuert er das Boot zur Regattabahn „Golf“. Auf das Kommando von Wettfahrtleiter Bülow lässt er den Anker fallen. Danach gönnt er sich eine kleine Pause.

Während sich der Schiffseigner ein wenig entspannen kann, beginnt für Bülow und sein dreiköpfiges Team die Hauptarbeit. Der erste Start der Klassen O'pen Bic und Techno 293 steht bevor. Die blaue Flagge der Regattabahn flattert bereits im Wind, aber die Signal- und Klassenflaggen müssen noch bereitgelegt werden. Noch einmal wird der Wind gemessen, dann gibt Bülow den Helfern auf den THW-Booten per Funk die Positionen für die Bojen des Regattakurs durch. „Mir fällt immer ein Stein vom Herzen, wenn alle Bojen rechtzeitig liegen“, sagt der Lübecker.

Nach und nach trudeln die Wettfahrteilnehmer mit ihren Booten und Surfbrettern auf der Regattabahn ein und steuern zum Registrieren an der „Camarque“ vorbei. Noch fehlen viele Teilnehmer, der Start wird verschoben. Dann ist es soweit: Der Countdown läuft. Auf die Sekunde genau muss das Team des Wettfahrtleiters die Signalflaggen bedienen. Die orangefarbene Flagge geht nach oben - noch zehn Minuten bis zum Start. Es folgt die Klassenflagge – noch fünf Minuten. Eine Minute später das Signal „Papa“. Das Regattafeld sammelt sich um das Startschiff. Jeder Segler versucht, die perfekte Position an der Startlinie zu ergattern. Als die Klassenflagge fällt, ertönt ein lautes Tuten. Die Boote nehmen Fahrt auf, rauschen über die Startlinie und begeben sich auf den trapezförmigen Regattakurs. Kurze Verschnaufpause für den Wettkampfleiter, aber bald ist wieder volle Konzentration angesagt: In schneller Folge passieren die Segler und Surfer die Ziellinie neben der „Camarque“. Es gilt, die Segelnummern zu notieren.

Nach kurzer Pause geht es direkt weiter, denn eine Sache ist Bülow ganz wichtig: „Ich will die Segler nie unnötig lange warten oder im Unklaren lassen.“ Selbst Regatta-Erfahrung zu besitzen, helfe sehr, sich in die Teilnehmer hineinzuversetzen. Der langjährige Wettfahrtleiter segelt regelmäßig Regatten im Jollenkreuzer, Laser und Dickschiff.

Im Laufe der Jahre als Wettfahrtleiter hat Bülow viele Veränderungen miterlebt, insbesondere im technischen Bereich. „Theoretisch könnte man mit den heutigen Möglichkeiten eine Wettfahrt fast vom Schreibtisch aus leiten, aber in meinen Augen ersetzt keine Technik den Blick aufs Wasser und in den Himmel, um das Wetter richtig einschätzen zu können“, so der Lübecker. Für die Sicherheit der Segler wäre der Fortschritt in der Technik definitiv ein Gewinn. „Früher sind wir doch hin und wieder vom Wetter überrascht worden“, erklärt der 61-Jährige.

Schade findet Bülow, dass das Miteinander unter den Helfern bei der Travemünder Woche etwas unpersönlicher geworden ist. „Früher haben wir oft bis spät abends mit den Schiedsrichtern zusammengesessen. Das gibt mittlerweile kaum noch“, bedauert Bülow. Trotzdem wäre die Travemünder Woche immer wieder eine sehr schöne Veranstaltung und aufgrund der vielen Meisterschaften für ihn als Wettfahrtleiter fachlich anspruchsvoll. Wie lange er der Travemünder Woche noch als Wettfahrtleiter erhalten bleibt, entscheidet Bülow von Jahr zu Jahr.

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